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1789: Breitscheid soll eine Kreidefabrik erhalten. (2)

Die Kreide gehört zur Familie des Kalkes und ist eine mürbe, aber zusammenhängende Kalkerde. Sie findet sich in mächtigen Flözen und ist leicht zu gewinnen. Daher ihre Wohlfeile! Ihre Farbe ist natürlich und gewöhnlich gelblichweiß. Je reiner, das heißt, je weniger fremdartige Teile ihr beigemischt sind, desto besser ist sie. Der Anton Weyel zu Breitscheid betrachtet solche aber nicht von dieser Seite, sondern hält sie für ein Produkt der Kunst, dessen Bestandteile Kalkstein, Ton und Bleiweiß seien, wenigstens bereitet er die seinige so, und seine Gründe für dieses Verfahren sind folgende:

Mit Pfeifenton vermengt er die seinige, damit sie einen Zusammenhang bekommt, und Bleiweiß mischt er darunter, um ihr eine weiße Farbe zu verschaffen. Die Stücke, die er von dieser Zusammenstellung an den Sekretär Becher gegeben hat und worauf er sich in dem Antrag bezieht, stehen gegen die kölnische Kreide weit zurück; dies zeigt das Aussehen schon und ihr Äußeres verrät sehr merklich den beigemengten vielen Ton, wie auch die Säuren diesen Bestandteil ganz außer Zweifel setzen. Von Bleiweiß hat man indessen darin nichts finden können, und die Farbe selbst lässt auf einen solchen Zusatz nicht schließen. Vielleicht ist diese Zutat auch nur eine bloße Vorspiegelung des Antragstellers, wodurch er seinem Verfahren ein größeres Gewicht oder Ansehen zu geben gedenkt; wie er denn überhaupt den Geheimnisvollen zu machen scheint, um seiner Entdeckung und der sich daraus versprechenden Schätze nicht verlustig zu werden.

Wenn der Antragsteller Schreibkreide liefern will, dann muss er sich des Tones und Bleiweißes enthalten. Beides verdirbt ihm seine Ware, und letzteres ist zudem im Verhältnis zur Kreide ein so teurer Artikel, dass er bei dessen Zusatz unmöglich gegen andere Kreidefabrikanten den Preis würde halten können....

Sein guter Wille und Wunsch, etwas Nützliches auszurichten, empfiehlt ihn indessen und man lässt es ihm freigestellt, ob er seine Versuche fortsetzen will, so wenig auch Anschein zu einem glücklichen Erfolg vorhanden ist... "

Die Landesregierung scheint noch andere Bedenken gegen die Breitscheider Kreide gehabt zu haben, wie ein bei den Akten befindliches weiteres Gutachten ausweist, das wahrscheinlich von einem Arzt oder Apotheker geschrieben worden ist. Es lautet: "Die gemeinen Leute bedienen sich oft der Kreide als ein absorbierendes Mittel gegen Säure im Magen und das sogenannte Sodbrennen. Sollte der Weyel nun wirklich seiner Kreide Ton und Bleiweiß beimischen, so dürfte diese Komposition (Zusammensetzung) zu manchen unwissentlichen Selbstvergiftungen Anlass geben. Unterschrift: Gail"

Am 6.Juni 1789 erhielt der Antragsteller Weyel den folgenden Bescheid: "Dem Supplikanten werden zur erbetenen Unterstützung in anliegendem Steuer-Dekrete 5 Gulden bewilligt und wird demselben zugleich dabei bedeutet, ehe er sich in seinem Vorhaben weitere zeitraubende, missliche Versuche macht, sich erst darin die nötigen Kenntnisse zu erwerben und die von der Fürstlichen Berg- und Hüttenkommission ihm angebotenen Belehrungen mit Anleitungen zu benutzen; übrigens aber seine Kreide weder mit Ton noch mit Bleiweiß zu vermischen, wodurch nicht nur seine Ware verteuert wird, sondern auch diese Mischung für die menschliche Gesundheit gefährlich ist".

* * *

Mit einer Zuwendung von nur 5 Gulden war dem Anton Weyel nicht gedient, und da er Ton und Bleiweiß nicht verwenden durfte, war seine Kreideherstellung schon beendet, ehe sie begonnen hatte. So hat denn Breitscheid damals keine Fabrik bekommen und noch 110 Jahre warten müssen, bis sein Ton industriell abgebaut wurde, wie es heute noch geschieht - wenn auch nicht für die Herstellung von Kreide.

Mach einem Manuskript von Ernst Henn bearbeitet von Manfred Thielmann, Breitscheid-Erdbach

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