Der "Winkof"
Noch vor wenigen Jahrzehnten sagte man in unseren Dörfern, wenn sich ein junges Paar verlobt hatte: "Se ho' Winkof gedrunke". Gemeint war die Verlobungsfeier, mit der das Eheversprechen verkündet und festlich begangen worden war.
Der Winkof (mittelhochdeutsch winkof = Weinkauf) hatte früher noch eine andere Bedeutung. Nach Kluge, Etymologisches Wörterbuch 1963, gehen Wort und Begriff ins 13. Jahrhundert zurück und bedeuten ursprünglich "Trunk zur Besiegelung eines Geschäftes". Der Anwendungsbereich war auf den Südwesten, Westen und den Norden des deutschen Sprachraumes, die Erzeugungsgebiete des Trauben- und Obstweines, beschränkt. Wahrscheinlich vom Weinhandel herrührend, ist die Sitte des Umtrunks später auf die Vieh- und Grundstücksverkäufe ausgedehnt worden, und schließlich wurde der Begriff "Winkof" auf die Verlobung (bei anderen Völkern der Brautkauf !) übertragen.
Das übernommene Wort "Winkof" hat eine Angleichung an unsere Mundart nicht erfahren - es hätte sonst "Woikaaf" gesprochen werden müssen. Wie bei "Wingert" (= Weingarten) ist die alte Form beibehalten worden, obwohl in beiden Wörtern die Beziehung zum Wein ohne weiteres zu erkennen war.
In unserer engeren Heimat war der "Winkof" in seiner alten Bedeutung schon um 1600 Brauch. Als die Pfarrei Breitscheid zu dieser Zeit einen Acker, genannt die "paffen hecken", für 60 Gulden und noch einen Acker, genannt "der feller", für 26 Gulden an Breitscheider Bauern verkauft hatte, wurde in der üblichen Weise ein Umtrunk gehalten. "Es ist auch ein gulden Zu weinkauf vf disen Kauf vfgangen", heißt es in der Niederschrift und es geht aus ihr hervor, dass die Pfarrei als Verkäuferin den Gulden gezahlt hat.
Dass Pfarrer, Kirchenmeister und die fünf Käufer von den 86 Gulden Verkaufserlös gemeinsam einen Gulden vertrunken haben, wird ihnen zu gönnen gewesen sein in einer Zeit, die für Pfarrer und Bauern nicht allzu viel gute Tage bereit hatte.
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Bearbeitet von Manfred Thielmann, Breitscheid-Erdbach
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