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Der "Schäferkönig",
eine originelle Erscheinung im Dorfleben früherer Jahrzehnte

Ältere Einwohner in den Dörfern unseres Heimatgebietes erinnern sich, dass bis in die Zeiten des Zweiten Weltkrieges fast regelmäßig Besucher auftauchten, die nicht "Erholung auf dem Lande" suchten, sondern ihr täglich Brot auf leichtere Weise zu erwerben hofften als die Bauern, Handwerker und Arbeiter. Es waren die Zigeuner, die Bärenführer, die Wanderschauspieler und Zirkusleute, die Drehorgelmänner und die "Mäckeser" (= Irdenware-Händler). Eigentliche Bettler, wie es sie in den Städten häufiger gab, kamen selten. Da sie auf dem Dorf leichter in die meist unverschlossenen Häuser eindringen konnten, war man ihnen gegenüber misstrauisch und abweisend - zwischen Bettler und Dieb gab es in der allgemeinen Beurteilung keinen großen Unterschied. So hielt man sie sich gern vom Leibe. -

Eine Sonderstellung unter den Besuchern nahm ein Mann unbestimmbaren Alters ein, der als vollkommen harmlos galt - was nicht von allen anderen gesagt werden konnte - und durch seinen früherem Beruf den Landleuten näher stand. Es war der "Schäferkönig", der mehrmals im Jahr durchwanderte und bei Alt und Jung Beachtung fand. Was hatte es aber für eine Bewandtnis mit ihm und seinem seltsamen Namen? Im Band II der Orts-Chronik Breitscheid schreibt der Chronist, Lehrer i.R. Reinhold Kuhlmann, der Namen und Herkunft des "Schäferkönigs" festgehalten hat, über den im Jahre 1871 in Medebach bei Winterberg im Sauerland geborenen Josef Lange folgendes:

"In jungen Jahren soll er bei einem Grafen Schäfer gewesen sein, bei einem Fall in der Scheune im Rücken Schaden erlitten haben, so dass er arbeitsunfähig wurde. Aber im Geist und im ganzen Gehabe ist er dem geliebten Schäferberuf treu geblieben, trägt in der Rechten einen langen Schäferstab und hat immer einen oder mehrere Schäferhunde an der Leine. So wandert er seit etwa 40 Jahren ins Land, Sommer und Winter einen schäbigen Überzieher tragend und einen großen Hut, so dass die alte gebückte Gestalt in ihrem Elendsaufzug wirklich eine einzigarti-ge Erscheinung im sonst so geordneten und sauberen Straßenbild unserer Zeit bildet.

Da aber der "Schäferkönig" kein eigentlicher Bettler ist, nur ein harmloser, etwas geistesschwacher Mensch, so lässt man ihn bei seiner gewohnten Lebensart. Im Sommer übernachtet er im Freien, im Winter vielfach in den Backhäusern. Nach dem letzten sehr strengen Winter (1939/1940) bewegte uns die Frage, ob die Kälte nicht den 69jährigen armen und doch so zufriedenen Mann in ein besseres Sein entrückt habe, aber er tauchte wieder mehrmals in diesem Sommer bei uns auf.

Still steht er dann vorm Metzgerladen, ein Stück Wurst erwartend, oder er kommt ins Haus, um etwas zu essen. Draußen wartet dann die Schuljugend, bis er wieder erscheint und weiter wandert nach Erdbach. Früher erfreute er uns mit dem Schäferlied. "Josef, sing einmal das Schäferlied! " Dann sang er leise und voll Ehrfurcht das bekannte Lied mit dem Kehrreim "Ja, ich sag's und bleib dabei, lustig ist die Schäferei".


der Schäferkönig

 

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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