Die Ausstellung zur Erdgeschichte und Vorgeschichte im Dorfgemeinschaftshaus in Breitscheid-Erdbach
Am 11. September 1972 wurde die von den heimischen Heimatforschern Willi Hofmann und Heinz-Carl Bender eingerichtete Ausstellung zur Erdgeschichte und Vorgeschichte im Erdbacher Dorfgemeinschaftshaus in die Obhut der damaligen Gemeinde Erdbach übergeben.
Die beiden Gründer hatten sich zum Ziel gesetzt, in dieser Ausstellung die interessanten Funde aus unserer Heimat auf geologisch-paläontologischem und vorgeschichtlichem Gebiet in verständlicher Form darzustellen. Bei der Beschaffung und Auswahl der Ausstellungsstucke wurden sie unterstutzt von der Arbeitsgemeinschaft "Karst und Höhlen in Hessen" und deren damaligem Vorsitzenden Dr. Homann, zugleich Direktor des Naturkunde-Museums Dortmund.
Ohne, dass es allseits bekannt war, ist Erdbach schon lange in wissen-schaftlichen Kreisen ein Ort, mit dem man sich beschäftigten musste. Die Bevölkerung kennt schon lange die geheimnisvollen Steinkammern im Rolsbachtal und andere Höhlen in der Gemarkung. Der Archäologe Oberst von Cohausen veranstaltete im Jahr 1884 Ausgrabungen in der Kleinen Steinkammer, die eine späthallstattzeitliche Bestattung (600 bis 500 Jahre vor Christus) zutage förderte. Es handelte sich um vier Erwachsene und ein Kind. Daneben wurden einmalige Grabbeigaben gefunden, darunter der berühmte "Erdbacher Wendelhalsring" aus Bronze mit doppelter Wendelung. Diese Funde wurden nach Wiesbaden verbracht und sind dort im Hessischen Landesmuseum zu sehen.
Die Große Steinkammer ist noch nicht ausgegraben worden. Die Kulturschicht liegt unter mächtigen Kalkblöcken, die heruntergestürzt sind und früher die Höhlendecke bildeten. Dr. Pachali vom Amt des Hessischen Landesarchäologen ist der wohlbegründeten Ansicht, dass dort die Reste des Neandertalers zu finden sind, da der Fundort typisch dafür ist. Mit dem Kalkvorkommen im heimischen Raum beschäftigte sich schon 1889 Dr. Holzapfel von der Universität Jena und schrieb über den von ihm gefundenen Unterkarbon-Kalk ("Erdbacher Kalk", nicht zu verwechseln mit dem Massenkalk aus dem Devon-Zeitalter), eine gelehrte Abhandlung. Heute heißt eine ganze Zeitstufe in der wissenschaftlichen Fachsprache danach "Erdbachium".
Später, 1963 bis 1965, bearbeitete Professor Dr. Krebs das große oberdevonische Korallenriff von Erdbach, Breitscheid bis Langenaubach und stellte ein Ringrif (Atoll) im subtropischen Devonmeer fest. Dazu kommen noch Besuche zahlreicher prominenter Wissenschaftler aus den Universitäten Berlin, Marburg, Gießen, Göttingen usw., die sich mit den Karbon-Schieferschichten des "Fossilienschutzgebietes Homberg" beschäftigten. Und 1973 waren Kulm-Forscher aus aller Welt bei einem internationalen Symposium in Erdbach.
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