Wortkunde unserer Heimat 7

Aufklärung dunkler Ausdrücke in der Breitscheider Mundart.

Der Name Rommel, für Dickwurz, ist eine Entstellung des Wortes „Runkel“ (Runkelrübe). Dieses soll verwandt sein mit „Ranken“ und wie dieses das Große, Massige zum Ausdruck bringen; unter einem Ranken Brot versteht man auch ein großes Stück. Für „Runkelrübe“ steht in den Dillenburger Intelligenznachr. Von 1789 „Ranger“. Auch der Name Dickwurz bedeutet die große Ausdehnung der Knollen.
Sommertürchen (nicht Frühlingstürchen, wie Philippi schreibt) werden die gelben Blumen des Huflattichs genannt, weil sie als erste Blumen des Feldes gleichsam wie eine Türe ins Sommerhalbjahr führen.

Wolbeer (Heidelbeere) soll nich das Wort Waldbeere sein, wie Kehrein annahm. Neuere Sprachforscher behaupten, dass es aus dem althochdeutschen mulberi =Maulbeere, die Frucht des Maulbeerbaumes, entstanden ist. Die ausführliche wissenschaftliche Begründung dieser Deutung würde hier zu weit führen. Im südlichen Nassau, wo es Maulbeerbäume gibt, sagt man auch „Molber“ „Molbeer“ für „Heidelbeere“; unsere Mundart soll dann die verwandten Anlaute M und W vertauscht haben, und so soll „Wolbeer“ (langes geschlossenes o entstanden sein).

Der französische Einschlag in unserer Volkssprache, der hauptsächlich aus der Franzosenzeit herrühren dürfte, kann im Rahmen unserer Aufgabe nur gestreift werden. Er ist mit der Zeit wieder zurückgegangen, und manches franz. Wort, das um die letzte Jahrhundertwende noch gang und gäbe bei uns war, ist heute spurlos verschwunden. Es sind aber noch viele franz. Wörter gebräuchlich, sie finden sich meist auch im Hochdeutschen, sind leicht als solche erkennbar, auch unentbehrlich und bei gutem Willen zu verwenden. (So tritt z.B. der franz. Louis sehr häufig auf in unserer Heimat, für den schönen deutschen Namen Ludwig!)
Schon schwieriger als Wörter französischen Ursprungs zu erkennen sind Ausdrücke wie die folgenden, die sich nur in der Mundart finden: verallemandejern,
veralimentieren, d.h. pfleglich beaufsichtigen; das Wort kommt vom französischen „alimenter“, das im weiteren Sinne „verpflegen, versorgen bedeutet (vergleiche auch Alimente). Ferner: o’trapejern, wahrscheinlich von attraber = erwischen; affendejerlich, im Sinne von beschämend, schimpflich gebraucht, kommt wahrscheinlich von affront = Beschimpfung; invendejern, invitieren, von inviter = einladen; proforsch hängt mit foree, Kraft zusammen und hat etwa die Bedeutung von selbstbewußt, stolzen, kraftvollen Mutes, wie es zum Beispiel in folgendem Erguß zum Ausdruck kommt, den ich von meiner Jugendzeit her noch von einer streitlustigen Frau in Erinnerung habe: „Ich sei orm, ower proforsch, ich lohße mr naut gefalln; etz gih’n ich standebee no’m Schiedsmann“. (Das „standebee“ ist das lateinische stante pede = stehenden Fußes.)

„Verpflanz‘ auf deine Jugend die deutsche Treu und Tugend zugleich mit deutschem Wort!“ (Uhland)

bis hier Seite 405

Momper (montbar) bedeutet in den früheren Jahrhunderten soviel wie „Vormund“, im weiteren Sinne auch „Anwalt“ oder „Fürsprecher“, auch soviel wie „Vormundschaft“.(Näheres siehe Hörpel, Oranien Nassau Jahrgang 2 Nr.8) . Im Laufe der Zeit hat sich der Sinn der Wörter „Momper“ in unserer Volkssprache gewandelt; der Vormund wird nicht mehr so genannt. Nur ab und zu wird das Wort heute noch gebraucht, wenn man andeuten will, dass sich jemand in einer Sache hervor tut; er ist dann „Momper oben“. Zum Beispiel : „Bei der Arbeit drückt er sich, aber beim Essen ist er Momper oben“.
(Über die alte Bedeutung von montbar siehe Seite 35 und Seite 50!)

Raawer, d.h. Rauber, heißen die Wasserwiesen in den Obstwiesen, weil sie den fruchttragenden Zweigen der Bäume das Licht und die Säfte des Baumes rauben.

Raaf (die), die Futterleiter, worauf das Heu zum Fressen bereit liegt = Raufe.
Was ein Schlawitzer ist, weiß bei uns jeder Marktbesucher. Die Bedeutung des Wortes ist noch nicht einwandfrei aufgeklärt. (Von schlau ?) Das Wort entstand im vorigen Jahrhundert, und der Mann, der zuerst mit diesem Spottnamen belegt wurde, war der jüdische Hausierer Salomon Hirsch aus Rödelheim bei Frankfurt. Dr. Heiler führt aus einer Hanauer handschriftlichen Chronik vom Jahre 1841 an:
„Der lustige Schlawitzer, ein Handelsjude aus Rödelheim, hat wieder die Hanaurer Messe bezogen. Derselbe kommt jedes mal mit einem neuen Angreifungsruf, z.B. Lukowinner, Labutsch, Sprenz = gänkel.“ Nach der selben Chronik war Salomon Hirsch die letzten 10 Jahre seines Lebens blind und starb 1880.

Gemeinde Chronik, von R.K. (übertr.von Hans Henn)

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