Wortkunde unserer Heimat 6

Aufklärung dunkler Ausdrücke in der Breitscheider Mundart.

Wort bezieht sich, ebenso wie „Schneegans“ auf die Wetterankündigung. Als „Hagelgans“ galt ursprünglich nur das Wasserhuhn durch sein besonderes Verhalten vor Regen, Gewitter pp. (Schiller : „Das Wasserhuhn taucht unter“), die Bezeichnung wurde aber später auch auf andere Vögel übertragen, zuletzt auch auf die Grau- oder Schneegans und den Kranich; denn die bei der Kartoffelernte mit großem Geschrei in der Form einer 1 nach Süden ziehenden Vögel werden, allgemein „Hor- oder Holgäns“ auch „Irrgäns“ genannt, sind aber meist Kraniche. ( 1926 stürzte in der Nähe unseres Dorfes ein Kranich ab; er findet sich ausgestopft in der Wirtschaft Schumann.)

Das Herrgottstierchen ist das Marienkäferchen, der Siebenpunkte.- Hollexe heißen die Hornissen.
Davon hat die Volkssprache das Zeitwort hollexen gebildet:“so ein Schwären (Karfunkel) kann einem Hollexen“, d.h. peinigen wie der Stich einer Hornisse. Die Hausgrille, das Heimchen, wird Hamelmaus genannt, weil sie im Heim (Ham) lebt zum Unterschied von der Feldgrille. Wasserhex = Wasserjungfer, Libelle. Hundertgebeinsel = Tausendfuß. Kelleresel = Kellerassel. Heckebock = Zecke oder Holzbock. (Es ist der Käfer, der sich in der Heck, dem Walde, beim Himbeerpflücken auf die Menschen fallen lässt, sich in den Achselhöhlen festsetzt und voll Blut saugt).

Schießotter wird die Eidechse von dem raschen dahinschießen genannt. Unk, heißt bei uns die glatte Natter. Die eigentliche Unke ist einen Art Kröte. Die Blindschleiche, eine Eidechsenart, wird Schlange genannt und verfolgt, als habe man eine giftige Schlange und nicht ein nützliches Tier vor sich. Giftige Schlangen gibt es in der weiteren Heimat überhaupt nicht. Die Hutch ist die Kröte.
Hutchen bedeutet langsam herumkriechen, faul herumliegen (z.B. hinter dem Ofen hutchen). Der Feuersalamander wird gelber Schneider genannt (in Wommelshausen; bunter Schneider) von seiner Färbung. Viergebeinsel heißen die Molche.

Beiwes, d.h. Beifuß, oder wilder Wermut wird der gemeine Beifuß genannt; früher wurde die Pflanze,
da sie die Müdigkeit aus den Beinen ziehen sollte, den Füßen beigebunden, daher der Name.
Die Bolzenblume (Trollblume, Kugelramunkel) heißt so, weil sie strack wie ein Bolzen, „bolzenstrack steht.
Brillenbaum wird der Ahorn genannt, weil sein zweiflügeliger Fruchtstand wie eine Brille auf die Nase gesetzt werden kann.
Der Durt ist der junge Tresge (Roggentresge), ei Gras im Getreide, dessen Körner für schädlich gehalten werden.
Das Wort Gommer, für Gurke, ist wahrscheinlich eine Verunstaltung der lateinischen Bezeichnung für Pflanze, „cucumis“.
Holewieder wird die bittere Kreuzblume genannt, als Heilpflanze fürs Vieh; sie soll die Milch bei der kranken Kuh wieder holen; sie befördert auch die Milchabsonderung stillender Frauen.

Der Schachtelhalm heißt Kannenkraut, weil die stark kieselhaltige Pflanze zum Putzen von zinnernen Kannen diente; daher auch anderwärts der Name Zinn – oder Scheuerkraut. Christekraut= Heimisches Wildgemüse: Untere Randvermerke, schlecht lesbar!!!!

Burnkriß (Brunnenkresse) als Salat; ebenso das Sauerkraut (Sauerampfer) als Gemüse verwandt, die Nesselblätter, ferner die Schlippe, die Blätter des Wiesenknöterichs, der Name rührt vielleicht her von der Ähnlichkeit der Blätter mit den Lappen eines Schlipses. Gaßefüß, (Geißfuß oder Giersch), eine Doldenpflanze wie der Kümmel; ferner der Wilde Setzling (das gemeine Springkraut). Einige Pflanzen konnten nicht transkribiert werden, da die Lesbarkeit nicht eindeutig war!

Seite 404. Ab hier Seite 405

Christekraut, oder Blutkraut (Jesuwunderkraut) wird das Johanniskraut (Hartheu) genannt, weil beim Zerreiben der Kelch und Kronblätter aus den Öldrüsen ein rotfarbiger Saft zutage tritt.
Kettchesblume heißt der Löwenzahn, weil die Kinder von den hohlen Schäften Halsketten machen. Von dem milchigen Saft der Pflanze heiß sie auch Säumelke.- Krohfuß (Hahnenfuß) soll Krähenfuß bedeuten, weil das Blatt die (dreizehige) Form eines Vogelfußes hat.
Nalgesblume wird der Flieder genannt, weil die Blumenkrone nach unten nagelförmig verlängert ist. Von der Form eines Nagels haben auch die Gewürznelken den volkstümlichen Namen „Nalger“ (Nägelchen). Unser hochdeutsches Wort Nelke kommt auch von „Nagel“. Früher wurde der Umlaut von a durch e bezeichnet.

Gemeinde Chronik, von R.K. (übertr.von Hans Henn)

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