Wortkunde unserer Heimat 5

Aufklärung dunkler Ausdrücke in der Breitscheider Mundart.

„Ich sei‘ erfährt“ hört man noch ab und zu für, „ich bin erschrocken“.Das Wort kommt von „fahren“; der Erschrockene fährt zusammen, fährt auf. Auch das hochdeutsche „sich entsetzen“ bedeutet eigentlich „vor Schreck von seinem Sitze auffahren“; ebenso hängt“Heuschrecke“ mit fahren zusammen; der Heuhüpfer fährt oder springt in die Höhe.

Das Wort schroh (geschlossenes o, in Gusternhain offenes o) ist in verschiedenen Formen sehr weit verbreitet u. bedeutet „garstig, hässlich“. Die Grundbedeutung soll „mager“ sein; alles Magere ist ja meist auch unschön. Um 1500 schreibt Graf Johann V. in seinem Testament, er habe das Kloster Kappel nur in einer „arme“ schraue Art bauen können. Es ist etwas reutergar, das heißt halbgar, noch nicht gar. Das Heu wird als „reutergar“ bezeichnet, wenn es noch nicht ganz dürr ist. Wahrscheinlich ist das „Reuter“ hier die alte Form von „Reiter“. In Notzeiten, wo die Reiter keine Gelegenheit hatten, das Fleisch zu kochen, legten sie es auf den Sattel und ritten es weich; so wird es z.B. von den Hunnen berichtet. In dieser Geflogenheit haben wir wohl die Erklärung für unser Wort zu suchen.

Har (Zuruf an das Zugvieh, wenn es zu dem Führer kommen soll) ist das Wort „her“. Die süddeutschen Mundarten haben für „her“ immer „har“, die unsrige nur in diesem Falle, daher ist sich kaum ein Bauer bewusst, dass har „her“ bedeutet.- hott oder hoit wird dem Zugvieh zugerufen, wenn es rechts, also vom Führer weggehen soll, dieser Ruf gilt aber auch als bloße Aufmunterung zum Vorwärtsgehen. Kehrein bringt das sonst nicht gebräuchliche Zeitwort, „hotten“ im Sinne von “ schnell vorwärts gehen“; unser mundartliches sich hottern bedeutet auch, „vorwärts kommen“, nämlich „wieder besser werden“; das kranke Huhn hottert sich wieder. Ob hier Zusammenhänge bestehen, lässt sich nur vermuten. – Hü !, Zuruf ans Zugvieh, wenn’s stehen bleiben soll, heißt „Huf“
der Huf soll stehen, deutlicher zu erkennen in “ Hu zurück“! = Huf zurück !

Die Kuh ist gest (kurzes geschlossenes e ), wenn sie ein Jahr oder mehrere nicht gekalbt hat, also wenig ergiebig an Milch ist. Die „Gest“ bezeichnet im Norden Deutschlands das trockene, unfruchtbare Land. Unschwer lässt sich nach Form und Begriffsinhalt dieser Wörter ein nahes verwandtschaftliches Verhältnis dieser Wörter erkennen. ( 1572 beim Bauen an der Festung Dillenburg, musste ein Wagen aus den Oberwesterwälder Kirchspielen mit „vier guten, güsten Pferden“ bespannt sein.)

Volkstümliche Tier – und Pflanzennamen.

Der mundartliche Ausdruck Moltrof oder Molterof ist nicht etwa eine Verunstaltung des hochdeutschen Wortes „Maulwurf“, im Gegenteil: letzteres ist aus ersterem entstanden; weil das alte „Moltwerf“ oder Moltwurf“ nicht mehr verstanden wurde, hat man ganz willkürlich und sinnlos „Maulwurf“ daraus gebildet. So bewahrt unser mundartliches „Moltrof“ in seinem ersten Teile getreu die ursprüngliche u. richtige Form des Wortes u. hilft uns dadurch auch seinen Sinn erfassen; denn „Molte“, althochdeutsch m o l t a , bedeutet Staub, feine zerriebene Erde, und der Moltrof ist der Moltwerfer, der die Molte Aufwerfende. In der Mühle begegnet uns der Molter. Es ist der Teil des gemahlenen Getreides, den der Müller von der gelieferten Frucht als Lohn fürs Mahlen für sich zurückhält.

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Die Ratz ist der Iltis; das Wort ist eine Nebenform von „Ratte“. Redensarten: „der schläft wie’n Ratz“; „Ets seiste verratzt“! Das heißt verloren, wie das Tier, das dem Iltis zum Opfer fällt.

Giwick (erstes i kurz u. betont) wird das Käuzchen, eine kleine Eule, von senem Ruf genannt, der von abergläubischen Leuten als „Geh‘-weg“! gedeutet wird; er soll einen Todesfall ankündigen in dem Haus, in dessen Nähe er gehört wird. Der Vogel wird von dem Licht angezogen, das meißt bei Scherkranken nachts gebrannt wird.

Das Wort Horgans, für die Grau – oder Schneegans, ist vermutlich über die Form „Holgans“ Aus „Halgans“ verderbt, welches als eine Verkürzung von „Hagelgans“ angesehen wird. Dieses

Gemeinde Chronik, von R.K. (übertr.von Hans Henn)

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