Wortkunde unserer Heimat 4

Aufklärung dunkler Ausdrücke in der Breitscheider Mundart. (4)

Lichthorn (Hühnerauge) hat nichts mit „Licht“ und „Horn“ zu tun, sondern heißt richtiger „Lichdorn“ oder „Leichdorn“ von lich- Leib, Haut, also ein Dorn in der Haut.

Der Onnern ist bei uns die Nachmittagszeit, in anderen Gegenden, z.B. bei Kaub a. Rh. auch die Mittagszeit von 12-2 Uhr; auch wird hier u. da der Platz so genannt, wo der Kuhhirt mit der Herde Mittagsruhe hält. Onnern ist wohl verderbt aus „Untern“ das zu „unter“ gebildet ist; alte Formen : untern, undern, auch untarn, undarn. Ich vermute, dass unser Wort von „Untertrunk“ hergeleitet ist. Der Untertrunk war eine Zwischenmahlzeit zwischen dem Mittag- und Abendessen, die also im Range unter diesen Hauptmahlzeiten stand. Nach der Tischordnung im Dillenburger Schloß in einem der früheren Jahrhunderte fand das Mittagessen um 10 Uhr, der Untertrunk um 2 Uhr und das Abendessen um 5 Uhr statt. Dieser Untertrunk- heute Onnernskaffee in Breitscheid ist wahrscheinlich in der Volkssprache als „Onnern“ bezeichnet worden und später auf die Tageszeit, in der er stattfand, übertragen worden. Es heißt auch in einer Breitscheider Urkunde aus dem Jahre 1537 „Vmb den vndern“ (das heißt wohl um den Unterntrunk) haben die Rabenscheider die ganze Schafherde der Breitscheider gepfändet. Da die Essenszeiten sich im Laufe der Jahrhunderte verschoben; da ferner das Wort „Onnern“ wohl zu verschiedenen Zeiten in den verschiedenen Gegenden zu dem heutigen Begriff erstarrte, so ist sein Begriffsinhalt auch heute in den verschiedenen Gegenden verschieden, bald „Mittag“, bald „Nachmittag“.

Winkoff (der Ton liegt auf der ersten Silbe), in „Winkoff trinken“ das heißt sich verloben, ist das Wort „Weinkauf“ mittelhochdeutsch win-kauf. In einer Dillenburger Verordnung aus 1632 heißt es; seiner Kinder Handstreich und Weinkauff. 1603 „Es ist auch ein gulden zu weinkauf vf diesen gantzen Kaufe vfgangen“.Auch der Freitrank bei Güterversteigerungen wird Winkoff genannt. (Rehorns Deutungen der Wörter „Onnern“ und „Winkoff“ in seinem Buche „Der Westerwald“ sind ganz abwegig.)

Das Geducks haben, bedeutet, die zur Zeit zahlreich auftretende Erkältungskrankheit haben. Das Wort ist wohl abzuleiten von, „Duck“, eine alte Form für „dick“ in der Bedeutung von „häufig, oft“. So hört man hier alte Leute noch sagen: „Der Schornsteinfeger kommt auf so duck“. Im Siegerland ist „dicke“ für „häufig“ gebräuchlich.

Den Krammel haben, heiser sein, „es im Hals haben“ Kehrein deutet das Wort als „Krampf“; ich halte es für ein lautnachahmendes Wort, eine treffliche Tonmalerei.

Mit Deupinker (du Deupinker) bezeichnet man einen jugendlichen Unhold, es soll „Diebhenker“ bedeuten. Die Form „Deubhenker“, wie sie anderwärts gebräuchlich ist, macht diese Deutung schon etwas gewisser. Galgenstrick leitet sich aus derselben Zeit her und hat gleiche Bedeutung.

Die Wörter Dade u.Papa (für Vater), Mamme u.Mama (für Mutter), Babbe ist Großvater u. Amme
ist Großmutter, gehören der Kindersprache an; es sind sogenannte Lallwörter, im Anfang des Sprechenlernens gebildete leichte u. einfache Wortformen, die aber meist dann fürs ganze Leben beibehalten werden. Das Wort Dade ist jetzt fast überall im Aussterben begriffen, leider vielfach statt durch das traute deutsche „Vater“ durch „Papa“ ersetzt, das klingt vornehmer! Pat u.Goll heißen die Gevattern. „Pate“ kommt von dem mittellateinischen pater und bedeutet “ der geistliche Vater, der Mitererzieher“. “ Goll“ für Patin, ist eine Verkürzung von „Gottel“, das als Koseform von „Gotte,
***Gote“

angesehen wird. Ob diese Wörter von „Gott“ abzuleiten sind, ist ungewiß. Nach der englischen Bezeichnung für „Gote“ bedeutet das Wort „Großmutter“, die geistliche Mutter; die Mutter in Gott. Jedenfalls deuten die Namen Pate und Gote auf den hohen Beruf hin, den die Taufzeugen haben, den auch die Breitscheider Pfarrer des 17. Jahrhunderts zum Ausdruck brachten, indem sie die Gevattern im Taufbuch COMPATER (Mitvater) und COMMATER (Mitmutter) nannten.

Gemeinde Chronik, *** Bis „Gotte, Gote Seite 402 dann Seite 403 von R.K. (übertr.von Hans Henn)

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