Wortkunde unserer Heimat 3

Aufklärung dunkler Ausdrücke in der Breitscheider Mundart. (3)

mundartliches “ hehlinge“, für „heimlich“, hat ebenfalls die Bedeutung „verbergen“. Beim Hafer heißt die Spreu die Kob,(langes o) hochdeutsch „das Kaff“, der Kobpähl ein Unterbett ist ein Pfühl, der mit Kaff gefüllt ist.“Pfühl“ bedeutet soviel wie „Kissen, Polster“. Urahne, gebückt, sitzt hinter dem Ofen im Pfühl.

Trümmen heißt teilen. Davon sind gebildet: das Trumm=Bruchstück, z.B. ein Acker, der in der Mitte quer geteilt ist; ferner: der Trompel = etwas Geringes, eine Kleinigkeit; Redensart; etwas für einen Trompel verkaufen. Mit der Trommsäg wird der Baumstamm getrümmt, geteilt; der Bergmann gebraucht den Trommer. Vergleiche auch das hochdeutsche „Trümmer“

Die Wid‘ (gedrehte biegsame Gerte zum Binden von Reisigbündeln, „Wischelchern“, mittelhochdeutsch wide = Flechtreis, bedeutet Wiede, welches Wort eine Nebenform von „Weide“ ist. Das Flüßchen Wied im Westerwald soll davon seinen Namen haben.“Wid“soll auch schlechthin „Holz“ bedeuten, u. Stucke stellt in seinen Wortsippen auch die Langwied (kurz gesprochen wie obiges „Wid“),die Verbindungsstange zwischen Vorder- u. Hinterwagen, zu unserem Wort.

Die Wörter Groppen (eiserner Kochtopf) und Grieben (die ausgebratenen Stückchen Speck oder Schmalz) gehören derselben Wortfamilie an; die älteren Vorfahren dieser Wörter haben die Grundbedeutung „rösten“. Unser mundartliches Reb, Mehrzahl Rebe oder Rewe, für krustartigen Hautausschlag, ist auch das Wort Griebe; es hat eine Übertragung stattgefunden, weil die Kruste den Grieben in der Pfanne ähnlich sieht. Daher sagt man auch scherzweise zu einem Kind mit einem solchen Ausschlag am Mund: “ Dau seist’m Pärner henner de Grejwe gewest“. (Weit verbreitete Redensart.)

Die Zich (ein weiter Tragsack in der Form eines Kissenüberzuges), in der armen, alten Zeit ein unentbehrlicher Gebrauchsgegenstand der Landleute, ist heute fast ganz durch Rucksack, Reisetasche pp. verdrängt. Das Wort wird „Zieche“ geschrieben und hat nichts mit „Überzug“ zu tun, obwohl die Tatsache, dass vielfach die Kissenüberzüge als Zich benutzt wurden, dies vermuten lassen könnte.
Die Sprachgelehrten halten „Zieche“ für ein Lehnwort, das aus dem griechischen Wort für theke ??? entstanden ist, welches „Hülle, Büchse, Futteral bedeutet.- Zur Wortfamilie gehören die Fremdwörter: Theke (Ladentisch), Hypothek, Apotheke.

Das Wort Barmszeug ist verkürzt und entstellt aus „Beiderwandszeug“. So wird der aus Wolle und Leinen selbst gewebte Kleidungsstoff der Bauern genannt, weil beide Seiten desselben gleiches Aussehen haben u. nach außen getragen werden können. Selwin bedeutet wahrscheinlich Selbende, Selb- Ende, denn „Ende“ heißt bei uns mundartlich „In“. Mit Selbin bezeichnet man den Randstreifen, die Webekante an einem Stück Tuch. Es ist ein zur Verhinderung der Ausfaserung mitgewobenes, dem Tuche selbsteigenes Ende, im Gegensatz zu einer Fremdstofflichen Einfassung. Im übertragenen Sinn bezeichnet man bei uns auch das Randstück am Kuchen (am „Zimmetsplatz“ u. Rimmelplatz“) und den Acker am Rande des Feldes mit „Selwinstück“. -Befremdlich ist, dass das Wort Selwin in den Wörterbüchern „Salband“ geschrieben wird, obwohl mittelhochdeutsch auch selp-ende, unserer Auslegung entsprechend.

Heraach (der Rauch von den großen Moorbränden in Norddeutschland) wird gern als Höhenrauch ins Hochdeutscheübertragen, weil er hoch am Himmel hinzieht. „Höhenrauch ist aber eine Umdeutung des Wortes he-rauch oder heirauch, von dem alten Worte hei-dürr, brennend, bedeutet also Trockenrauch. Die amtliche Rechtschreibung hat darum die Form „Herauch“.

Keraach (die Schwärze der Weißbinder) heißt hochdeutsch „Kienrauch“ auch „Kienruß“, Kien = Kiefer, Fichte ( vergleiche auch Kienspan) unser Wort bedeutet also Niederschlag von Rauch (Ruß) von verbranntem Kienholz.

Gemeinde Chronik, Von Seite 401 und Seite 402 (ab Kiefer) von R.K. (übertr.von Hans Henn)

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