Wortkunde unserer Heimat 2

Aufklärung dunkler Ausdrücke in der Breitscheider Mundart. (2)

Kissel, das heißt Kiesel, nennt man den Hagel, weil die Hagelkörner die Form von Kieselsteinen haben. Wenn Kissel die geschärfte Form von Kiesel ist, so darf diesem entsprechend geschlossen werden, das Kiß das Wort „Kies“ist. Der Kiß ist ein Querbrett am Wagenrumpf; er muß benutzt werden, wenn Kies gefahren wird. In dem Wort „Backeskiß“, Backhauskies das den Gegenstand zum herauskratzen der Kohlen bezeichnet, haben wir unzweifelhaft eine Begriffsübertragung vom Kiesbrett des Wagens, denn der Backeskiß hat die selbe Form wie der Wagenkiß (Trapez), nur umgekehrt.

Der Ausdruck Krampholz, für das gebogene Holz zum Aufhängen des geschlachteten Viehes kommt von „Krampe“= Haken. Im übertragenen Sinne bezeichnet man bei uns mit „Krampholz“ einen Menschen, der sich bei einer Arbeit steif und holzbockig anstellt.
Sillschit , (das schwebende Querholz an der Waage hinter dem Zugtier) heißt Sielscheit. „Siel“ ist eine Nebenform von „Seil“. Am Sielscheit werden die Siele, die Zugseile, befestigt.
Die Redensart im Hochdeutschen; “ in den Sielen sterben“ will sagen: bei der Arbeit sterben, wie das Tier in den Zugseilen.
Der Rahl, ist die Stange zum aufhängen der Wäsche, das Wort ist wahrscheinlich eine Verunstaltung des mittelhochdeutschen „reitel= Stange“ Drehstange; es soll zu „ragen“ gebildet sein. Vergleiche auch „Rahe“, Segelstange.

Die Bled, (langes, geschlossenes e) ist der Kamm am Rechen. Das Wort bedeutet „Blatt“, weil es den einem Blatt ähnlichen verbreiterten und flachen Teil des Rechens bezeichnet; das englische Wort für „Blättchen, Klinge“ wird auch Bled gesprochen. Auch heißt auf dem hohen Westerwald, (z.B. in Willingen) der breite Teil des Löffels „Bled“, was auch auf „Blatt“ hinweißt. Die Grorl, die Gabel am Rechen, wird „Gratel“ geschrieben. Das Wort bedeutet „Astgabel“ und kommt von „graten, grätschen“ ist Beine spreitzen.
In dem Wort Grummet, hat die Volkssprache zur Erleichterung der Aussprache eine Angleichung der Mitlaute n und m vollzogen, denn es heißt eigentlich „Grünmahd“, mittelhoch = deutsch grüenmat, das grün gemähte junge Gras des zweiten Schnittes zum Unterschied von dem reifen Gras, das Heu liefert. Heu, mundartlich Haa, kommt von „hauen“; das abgehauene und gedörrte Gras. Die Bedeutung des Wortes tritt deutlicher in der alten Form „Hauw“ in Erscheinung, wie sie uns in einem Bericht der Dillenb. Regierung von 1499 begegnet: diwyl das Hauw uff Husten stehet. Das Schlorrerfaß, (Wetzsteinbehälter) hat seinen Namen von dem Schlottern, dem Hin- und Herfallen des Wetzsteines; vergl. auch die Knie schlottern.

In Fröschgeschlorrer, ein prächtig die Sache bezeichnendes und viel treffenderes Wort als das hochdeutsche „Froschlaich“, ist auch die Bewegung, das Geschwabbel u. Geschlorrer, bestimmend gewesen für die Wortbildung; das Wort malt die Sache förmlich vor uns hin.
Die Froschlarven werden einfach und treffend „Dickköpfe“ genannt.
Die Wörter Schmick,( gedrehter Faden aus Hanf an der Untergeißel zum Knallen), Schmitz, (der rasch und kräftig hingeworfene Strich aus Kreide oder Farbstift) und Schmiß, (lange, rissartige Wunde) sind verwandt und haben zum Grundwort „schmeißen“. Das erste Wort ist weiblichen, die beiden anderen sind männlichen Geschlechts. Es sind treffend gewählte Wörter.

Schuttescheusel, (Vogelscheuche) heißt nicht „Schützescheusel“ (von schützen), wie F. Philippi schreibt, sondern „Schotenscheusal“, das Scheusal in den Erbsenschoten.
Das Hehlt, ist der Abfall beim Reinigen von Korn, Weizen, und Gerste. Das Wort ist vermutlich zur Wortfamilie „hehlen“ zu stellen. Die Grundbedeutung von hehlen ist, bedecken, verbergen.
Mit Hehlt wird der Boden im Stall beim Streuen bedeckt, auch die Straße bei Glatteis. Unser

Gemeinde Chronik, Seite 400 von R.K.

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