Wortkunde unserer Heimat 10

Aufklärung dunkler Ausdrücke in der Breitscheider Mundart.

Ein Bauernhaus in Breitscheid

Ein Haus in Breitscheid besteht im allgemeinen aus mehreren Etagen und hat einiges an Räumlichkeiten, sowie verschiedene Ausstattungen und Möbel, alles nun auf Breitsch. Platt.
Flur = Ihrn, Küche = Kich, Wohnzimmer = goud Stob, Schlafzimmer = Schlofzemmer. Kleines Zimmer = Kammer oder Kimmerche, Speicher =Beh ganz oben Hugbeh, der Dachstoul es beschiwwert (mit Schiefer). Im Esszimmer, stieh poor Stoel, an Disch, en ale Häuser stann ach noch’n Bank, dr Borre wor aus Holzbrärer un mastens stand en dr gout Stob ach en Schrank fir de Käppcher, Deller, Schesseln un Schesselcher. Des gout Gescherr kom nur of Ustern, Pingste un Chrestog of de Disch. Em Ihrn loche Stahplatte, de wenn’s Wärer im schlo det, batchnass wowern. Ennerm Haus wor en Gewölb, do loche de Gardoffeln un de Röewe of em Lehmborre, Sauerkraut wor en Stahnern Deppe un wenn mer geschlocht hat, ach noch des engelochte (Salz) Flasch en de Fässer or em Stahnern Deppe. Ause wor de Schauer un dr Stall, met Köuh un Säu, ach poor Höeher lefe of’m Hob dorim. Dr Holzschoppe wor firs Holz, oh dr Wand hing dr Korscht, Gardoffelhacke, Sichel, Soos un a Hack fir de Gräwe ze mache.
De maste harre ach noch en Plug, en Ech, un des Imgehingsel fir de Köuh, dr Wah firsch Hah, de Frescht un de Mest, stann of’m Hob, beim Hah holn, wower dr Wah imgebaut zom Laderwah, un beim oflore kom owe droff dr Laderbam, der henne un vorne festgebonne wouwer.

Ein Mensch aus Breitscheid besteht von unten nach oben, hin und her aus?
Zehennägel = Ziewenahl, Zehe = Zieb, dicke Zieb un klane Zieb, Fuß = Föiß, Ferse = Fersch, Wade =Wohre, Knie = Knej, Bein = Bah, Schenkel = Ennerdahl, Po-Hintern = Hennern, Rücken = Kreuz u. Reck, Schultern = Schollern, Achsel = Osel, Nacken = Knick auch Ank, Bauch = Leib auch Wanst mit Nabel = Nowwel, Brust = Brost mit Mimmespetze.
Hals = Krobsch, in Breitscheid gab es auch Leute mit einem oder zwei dicken Krobschen, welche einen Durchmesser von bis zu 10 cm haben konnten (Schilddrüsenerkrankung) bedingt durch das Trinkwasser. Zähne = Zeh, Gebess, (alle) Zoh (einzel), Kopf = Kopp, Haare = Huhrn, Borschte (ungepflegt), Bart = Bort, Struppbort, Stoppelbort, Auge = Ach, Stirn = Bless (auch bei Tieren), Ohren = Uhrn, Nase = Noos met Nooselecher, Backen = Kinnbacke, Mund = Maul auch Schnowel, einer der zu viel spricht, sagt man, halt endlich den Schnabel. Hand = Hinn met Greffel (Finger), Arm = Ärm, Ellenbogen = Elleboche,

Das Innenleben besteht aus Herz = Bomp, Leber = Lewwer, Magen = Moche, Darm = Därm, Blase = Blos, alle anderen Innereien haben keine Namen, welche auf Dialekt verändert sind.

Da ja die Menschen sich auch anziehen müssen, fangen wir mit dem Strumpf an = Strimp, auch Hosse mit Hossebinnel und Leibche, (Jungenbekleidung), Unterhose = Ennerbochse, Unterhemd = Ennerhimp met lange or korze Ärm, Mütze =Kap, Batschkab mit Schirmchen,
Hut =Hout, Schuh = Schou, großer Schuh = Quadratlatsche, Pantoffel = Schlappe, Oberhemd = Ewwerhimp, Hose = Bochse mit Falte = Gebieelte Bochse, Unterjacke = Kommisolche, Stiefel = Stiwwel, Handschuh = Hinsche in Leder = Lärrerhinsche, Krawatte = Schleps, Taschentuch = Schnoppduch, Schal = Duch.

Pfad=Petche, Wiese=Wees, Acker=Egger, Straße=Stroß, Haustür=Engangsdier, Fenster = Fister, Quark=Schmierkes, Möhre=Mirn, Erbse=Erwes, Garten=Gorde, Gurke=Gommern, Pflaumenmuß=Quetschehöink, Spinat=Gröigemöis, Kopfsalat=Latch auch Solot, Rüberommel, Kartoffelreibekuchen=Griebskuche, im Blech=Flappes. Junge Frau=Minsch, junger Mann=Borsch, Bruder=Brorrer. Er arbeitet=der ärbt, Er verreist=der fiehrt fort. u.s.w. H.H.

(übertr.von Hans Henn)

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