Meteorit 2

Chemotechnikerin Ilsemarie Schüler. Sie informierte ihren Chef, den Meteoritenforscher Professor Dr. F.A. Paneth. Dieser suchte seit Jahren nach einem frisch gefallenen Meteoriten zur Untersuchung für seine neue Theorie über das Günther Thielmann im Labor der Burgerhütte bei einer AnalyseAlter des Weltalls und seiner Sterne, der Meteoriten und ihre Flugdauer. Er schickte schon am nächsten Morgen seinen Assistenten, Dr. Klaus Ebert, nach Breitscheid, um von den Fundstücken zu erwerben, was noch aufzutreiben war. Dr. Ebert kam mit zwei Stücken des Steines zurück, deren Betrachtung jeden Zweifel an der Echtheit des Meteoriten ausschloss. Durch Inserate in heimischen Zeitungen, aber auch durch persönliche Vorsprache, versuchten die Wissenschaftler in den Besitz der übrigen Bruchstücke des Meteoriten zu kommen. Ein damaliger Student der Universität Marburg, Horst F. Hauschild aus Herborn, hat dann dem Professor Paneth wirkungsvoll geholfen und ist sorgfältig jeder Spur nachgegangen. Zusammen mit Dr. Ebert aus Mainz hat er den Fall des Meteoriten rekonstruiert und Zeugenaussagen dokumentiert. Durch beharrliche Bemühungen gelang es dem Max-Planck-Institut, acht Stücke des zerschlagenen Meteoriten zu erwerbem. Sechs von diesen befanden sich noch bei Breitscheider Einwohnern, ein siebtes Stück hatte ein Sammler erworben. Gegen Tausch mit einem früher gefallenen Meteoriten gab dieser das wertvolle Stück ebenfalls ab. Das achte Stück war von einem jungen Mädchen, das zur Zeit des Falles in Breitscheid seine Ferien verbrachte, mit nach Hause genommen worden. Als man sie endlich auffand, wollte sie ihr Meteorstück auch für Geld nicht hergeben. So suchte sie Professor Paneth selber auf und konnte erreichen, dass das Mädchen eine goldene Halskette mit Anhänger, in dem ein Splitter des Meteoriten eingefasst ist, als Ergebnis des Handels „Tausch des Meteoriten-Bruchstückes gegen goldenen Anhänger mit Meteor-Splitter“ bekam. Als nutzlos für die Wissenschaft erwies sich das Meteorstück, welches im industriellen Ofen auf 1.300 ° erhitzt worden war; es befindet sich jetzt im Heimatmuseum der Stadt Herborn.

Wie wichtig für die Wissenschaft ein derartiges Ereignis ist, das ergibt sich schon aus der Tatsache, dass das internationale Meteoriten-Komitee in Moskau während eines Jahres in der ganzen Welt keinen zweiten solchen „Fall“ zu verzeichnen hatte. Meteoriten sind an sich nichts Seltenes. Sie fallen jeden Tag weit verbreitet zur Erde nieder oder kreuzen ihre Lufthülle. Bis zu 20 Millionen Meteore und Meteoriten (Sternschnuppen) stürzen täglich Richtung Erde, aber der weitaus größte Teil dieser Geschosse aus dem Weltall zerschellt regelmäßig an der Erdatmosphäre. Ihr rasender Flug (zwischen 12 und 72 Kilometer in der Sekunde) ruft schon bei der ersten Berührung mit der Lufthülle der Erde stärkste Erhitzung hervor. Die meisten dieser Fremdkörper verglühen oder vergasen dabei – sehr zum Glück der Erdenbewohner. Dennoch vergeht kein Tag, ohne dass Meteore irgendwo auf der Erde niedergehen. Die meisten fallen unbeobachtet in die weiten Weltmeere, in unbewohnte oder menschenarme Gebiete. Etwa 50.000 Tonnen Meteormasse sind es, die monatlich auf die Erde niederprasseln. Die größeren unter ihnen sind deshalb interessant, weil sie die einzigen stofflichen Gebilde sind, die uns Kunde aus dem Weltenraum bringen. Der Anschliff des Meteoriten von Breitscheid (100fach vergrößert) zeigt helle Nickeleisen-Einschlüsse zwischen dunklen Magnesiumsilikaten.

Der Stein vermittelte den Forschern interessante Kenntnisse. Die Isotopentechnik nämlich eröffnet heute den Wissenschaftlern die Möglichkeit, aus der atomaren Struktur derartiger Bruchstücke äußerst wichtige Rückschlüsse zu ziehen. Die von früheren Forschergenerationen gehegte Hoffnung, in solchen umherirrenden Weltraum Trümmen neue, uns noch unbekannte chemische Elemente zu entdecken, hat man allerdings begraben müssen. Seitdem es jedoch bekannt ist, dass fast jedes Element aus einem Gemisch verschiedener Isotope besteht, die chemisch zwar in gleicher Weise reagieren, sich physikalisch jedoch voneinander unterscheiden und trennen lassen, hat man solche Meteoriten einmal genauer unter die wissenschaftliche Lupe genommen. Und dabei hat es sich gezeigt, dass die Verteilung der einzelnen Elemente und Isotope bei solcher Materie aus dem Weltall ganz anders ist als bei allen irdischen Stoffen.

„Das ist kein Wunder“, sagte Professor Paneth, denn bei ihrer „Millionen“ von Jahren dauernden Reise durch das Weltall sind derartige, aus kosmischen Katastrophen stammenden Trümmer, die vorher meist tief im Inneren eines großen Weltallkörpers schlummerten, plötzlich schutzlos der ungeheuer energiereichen kosmischen Strahlung ausgesetzt. Diese Strahlung trifft die Atome der einzelnen Elemente, schießt aus den Kernen einzelne Partikel weg, reißt Elektronen aus der Alomhülle und bewirkt zahlreiche, ganz charakteristische Veränderungen, an denen man einen Meteoriten sehr schnell von irdischen Materien unterscheiden kann.

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