Meteorit 1

von Breitscheid

In dem kleinen, zwischen Wäldern eingebetteten Luftkurort Breitscheid in Hessen (8 km westlich Herborn), auf 50°41,1´n.Br., 8°11,1´ö.L. gelegen, fiel am 11. August 1956 um 15.30 Uhr MEZ ein Meteorit. Leider erfuhr ich davon erst 14 Tage später. (Das schrieb Günther Thielmann im "Kosmos")

Mehrere Personen haben das Ereignis gesehen und gehört. Josefine Reich berichtete: "Ich war gerade im Garten und nahm Wäsche von der Leine, als ein Flugzeug Breitscheid überflog. Etwas später hörte ich ein Geräusch wie von einer fallenden Bombe, das sich immer mehr verstärkte, als würde man aus einer Lokomotive Dampf ablassen." Als sie in die Richtung des Geräusches schaute, sah sie, dass von einem Baum Äste und Blätter herabfielen und Erde hochgeschleudert wurde. Sie stand etwa 45 m von der Einschlagstelle entfernt. Josef Klier, der nur wenige Meter neben Frau Reich Holz hackte, bestätigte diese Angaben. Rudolf Zenzinger und Frau Fork berichteten, sie hätten eine etwa 1m lange, nach hinten zu breiter werdende Feuerbahn von hellgelber bis roter Färbung gesehen.

Der fallende Gegenstand und die Geräuscherscheinung erinnerten Frau Reich an den Abwurf von Fliegerbomben. Ihr Mann , Karl Reich, der im Haus gearbeitet und das Geräusch auch gehört hatte, ging mit Josef Klier hin und fand einige frisch abgebrochene Äste und ein backsteingroßes Loch in der Wiese. In etwa 40 cm Tiefe steckte ein schwarzer Stein, der auf einem Basaltstein zerschellt und in vier ungleiche Teile zerbrochen war. Karl Reich setzte in seinem Garten die Teile wieder zusammen und schätzte den Stein auf eine Größe von 15 cm Länge, 10 cm Breite und 4 cm Dicke. Den Betrachtern fiel das Aussehen des Steines sofort auf: er war innen feinkörnig glitzernd und zementgrau und außen schwarz gefärbt. Alle hielten ihn für einen Brocken Zement, welcher vom Flugzeug herabgefallen und überhaupt wertlos sei. Die vier Stücke wurden weiter zerschlagen und an Interessenten verteilt. Ein Bruchstück des Steins wurde im Ofen der Westerwälder Thonindustrie 12 Stunden lang auf 1.300 ° erhitzt, um zu erproben, ob es schmelzen würde.

Günther Thielmann aus Breitscheid war als Chemotechniker im Labor der Burgerhütte bei den Burger Eisenwerken beschäftigt. Als er die Bruchteile des Steines sah, war er von der Echtheit des Meteoriten überzeugt und versuchte zu retten, was noch an Fundstücken und Nachrichten zu erlangen war. Im Labor der Bürgerhütte hat dann Günther Thielmann eine quantitative chemische und metallographische Analyse des Steins durchgeführt.

Der gefundene Meteorit hat eine ca. 1 – 2 mm dicke blau-schwarze Rinde, unter der man mit der Lupe hier und da schweflige Aufblühungen sieht. Im Inneren des Steins erkennt man glasartige kleine Körper. Die Analyse:

Kieselsäure (SiO2)       – 40,8%
Magnesiumoxyd (MgO) – 27,2%
Kalziumoxyd (CaO)       –  2,2%
Tonerde (Al2O3)             – 1,0%
Titandioxyd (TiO2)          – 0,3%
Eisen (Fe)                   – 20,8%
Nickel (Ni)                      – 1,7%
Kobalt (Co)                     – 0,4%
Mangan (Mn)                 – 0,3%
Phospor (P)                   – 0,2%
Kohlenstoff (C)               – 0,4%
Schwefel (S)                  – 2,1%

Das Gesamtgewicht des Steins betrug ca. 1,5 kg und das spezifische Gewicht war 3,4.

Die Wissenschaft teilt die Meteore in drei verschieden vorkommende Arten ein: Eisen-Meteore, Stein-Meteore und Misch-Meteore. Bei dem in Breitscheid gefallenen Meteor handelt es sich um einen Misch-Meteor. Der Meteorit stammt nach den Ergebnissen der Untersuchungen aus einem Weltraumkörper, der vor etwa „3 Milliarden“ Jahre erstarrte und vor ca. „50 Millionen“ Jahre zerborsten ist.
Seither kreisen diese Bruchstücke um die Sonne und ein kleines Stück davon verirrte sich in den Westerwald.

Eine Leserin interessierte sich ernstlich für die Nachricht in den Zeitungen: die im Max-Planck-Institut für Chemie tätige Chemotechnikerin …    <  >

 


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