Heimwehgedicht

Ein Heimwehgedicht auf die ehemalige Gelbermühle im Aubachtal

Im kühlen Wiesengrunde, im anmutsvollen Tal,
wo Wald in weiter Runde ergrünt im Sonnenstrahl,
da steht seit alten Zeiten ein Hüttlein unversehrt,
das schlichten Pilgersleuten als Eigentum gehört.

Das Haus dort in der Kühle am silberhellen Bach
ist eines Müllers Mühle mit strohgedecktem Dach.
Sie ist aus Stein gebaut und liegt an einem Wehr;
der Fremdling, der sie schauet, vergisst sie nimmermehr.

Sie ist so schön gelegen, so friedlich und so still,
und auf verschied’nen Wegen ist sie des Wand’rers Ziel.
Dort stand einst meine Wiege, dort wurde ich gebor’n,
kurz nach dem letzten Kriege, den Frankreich hat verlor’n.

Es bleibt mir unvergessen, das traute Elternheim,
im Land der deutschen Hessen, ihm weih’ ich diesen Reim.
Je weiter in der Ferne, je teurer wirst du mir,
auch in dem “Land der Sterne” *) verweil ich oft in dir.

Oh, du geliebte Stätte, kommst nie mir aus dem Sinn,
vergäß’ ich dein, ich hätte kein Herz im Leibe drin;
wer in dem fremden Lande, wie das so mancher kann,
sein Deutschtum je verkannte, der ist kein deutscher Mann,

Nie werde ich mich schämen, dass ich ein Deutscher bin,
und nie es unternehmen, zu ändern meinen Sinn.-
So bin ich erst ein Segen dem Land’, in dem ich weil’,
und such` auf allen Wegen sein Bestes und sein Heil !

Anmerkungen:
*) Gemeint sind die USA mit ihrer Nationalflagge, dem “Sternenbanner”
Der Verfasser starb 1943 in seiner neuen Heimat.