Heimatbuch-5

Die Hexenverfolgungen.

Der Glaube an Hexerei und Zauberei ist uralt und bis heute leider noch nicht ganz verschwunden! Er beruhte auf der Vorstellung, daß es einen persönlichen Teufel gäbe, der durch Menschen, welche einen Bund mit ihm geschlossen hätten, seine bösen Werke verrichte, wie Seuchen unter Menschen und Vieh, Unfruchtbarmachung des Feldes und der Obstbäume, Ungewitter, Behexen der Kühe, daß sie keine Milch gäben und dergleichen. Man glaubte, die Hexen können zu bestimmten Zeiten, auf Ofengabeln der Birken reiten zum Hexentanze (die Breitscheider Hexen wollen auf dem Kirchhof zum Hexentanz geritten sein) mit dem Teufel zusammen. Die Hexen zu Breitscheid trafen sich auf dem Hochfelde, der Hub, am Barstein und anderen Orten. 1458 wurden in Dillenburg zwei Zuhbrinnen umgebracht, die eine wurde gefoltert, die andere verbrannt. So glaubte an ein Gott wohlgefälliges Werk zu tun, wenn man die Hexen als Sienerinnen des Teufels ausrotte. Die allgemeine blutige Verfolgung der Hexen begann aber erst, nachdem der Papst im Jahre 1484 eine Bulle gegen sie erlassen hatte. Von 1578 bis 1600 wurden im Dillenburgischen 20 Hexen hingerichtet, und zwar mit dem Schwerte enthauptet, dann stranguliert und danach verbrannt, darunter auch eine Frau aus Schönbach im Jahre 1591. Die tollste Zeit des Hexenwahns war im 30 jährigen Krieg von 1629 bis 1632, und das Herborner Gericht macht noch eine besonders traurige Ausnahme. Das Elend des Krieges schreib man dem Hexenwesen zu. Es wurde in jedem Dorfe ein Ausschluß gebildet, der sorglich darauf zu achten hatte, wenn irgendwer ein „Gemuxel“ über Hexerei entstand. Der Ausschuß machte dann dem Hexenkommisar für die Anzeige verantwortlich. Dieser nahm sich mit Eifer der Sache an, weil den Richtern ein Teil des Gutes der hingerichteten Hexen zufiel. Die Dillenburger Intelligenznachrichten von 1789 nennen unter den Hexenkommissaren den Otto Wilhelm. Appeler von Herborn für Zeit von 1630 bis 1631. Breitscheid gehörte zum Herborner Hexengericht, daneben bestand eins in Dillenburg und eins in Driedorf. Nach den Dillenburger Intelligenz-Nachrichten vom Jahre 1788 wurden in den oben genannten 4 Jahren in Dillenburg 35, in Herborn 10 und in Driedorf 30 Hexen hingerichtet. Nach einer Zusammenstellung des Gerichtsvizepräsidenten Lautz (Angaben Band 19) wurden aus Breitscheid in 1629 4 Ehefrauen als Hexen getötet, in 1631 eine und in 1632 wieder eine, und 1639 wieder 2, also im ganzen 8. Die Anzahl der Hingerichteten von 1629 bis 1632 betrug für Herborn 18, Amdorf 2, Ballersbach 5, Bicken 14, Driedorf 7, Eisemroth 57, Erdbach 3, Guntersdorf 3, Gusternhain 3, Heiligenborn 1, Herbornseelbach 8, Hirschberg 2, Hörbach 6, Hohenroth 1, Mademühlen 2, Medenbach 2, Merkenbach 9, Münchhausen 1, Offenbach 5, Rabenscheid 1, mmmberg 5, Roth 3, Schönbach 10, Seilhofen 4, Sinn 2, Uckersdorf 1, Übernthal 2, Wallenfels 1, Dillenburg 6, donsbach 2, Eibach 8, Hirzenhain 2, Langenaubach 1, Manderbach 2, Nanzenbach 1, Niederscheld 3, Sechshelden1; Lautz bemerkt jedoch, daß anzunehmen sei, daß die Gerichtsakten nicht vollständig seinen, und daß in Wirklichkeit die Zahlen noch höhere gewesen seien. Mit der Hinrichtung wartete man gewöhnlich, bis man mehrere Hexen zusammen hatte. So wurden allein am 18. September 1629 in Herborn 10 Hexen hingerichtet, am 30. Oktober desselben Jahres wieder 9. Gestand die Angeklagte Person nicht, so wurde sie gefoltert. Manche starben während des Folterns oder infolge des Folterns. So starb ein Mann und eine Frau aus Mademühlen im Gefängnis, nachdem sie tags zuvor gefoltert wurden. Einige nahmen sich das Leben im Gefängnis. Eine Frau aus Langenaubach hatte in der Nacht vor der Hinrichtung das feuchte Stroh ihres Bettes angezündet und war erstickt. Der Leichnam wurde vom Scharfrichter verbrannt. Die Art der Hinrichtung war verschieden. Wurden die Hexen lebendig verbrannt, was jedoch nicht die Regel war, (in der späteren Zeit nur die Ausnahme) so wurden ihnen Pulversäckchen an den nackten Körper gehängt und diese dann angezündet. In Herborn wurden in der oben erwähnten Zeit nach vorgängiger Enthauptung mit dem Schwerte zwei Mann- und 14 Frauenpersonen verbrannt und 7 Manns- und 54 Frauenpersonen begraben; Unter den zu Herborn Hingerichteten befinden sich elf Zauberer, zehn Wittfrauen und 65 zum größeren Teile alte Frauen. Ein Mädchen aus Amdorf, Katharina Jung hatte sich ihrem Vater, gewiß unter vielen Tränen als Hexe bekannt, und sein Gewissen trieb ihn an, daß er am 1. Mai 1631 nach Herborn ging um seine Tochter als Hexe angab, die dann sofort zur Untersuchung gezogen und schon am 11. hingerichtet wurde. In allen Teilen des Landes kam es vor, daß zu gleicher Zeit Mutter und Tochter, der Mutter, Vater und Tochter, der Bruder und Schwester als Zauberer hingerichtet wurden. Auch junge Mädchen kamen in dieser Zeit häufig zur Untersuchung und wurden gerichtet, wie Hans Staubings Tochter von Berlin, 23 Jahre alt, und andere von gleichem Alter (Koller). Die 4 Breitscheider Hexen von 1629 waren unter den 9, die am 30. Oktober in Herborn hingerichtet wurden. Ihre Namen waren Lena, Ehefrau des Heinrich Hoff, Ottilie, Ehefrau des Tonius Schmit, Maria, Ehefrau des Joachim Schmit, Anna, Ehefrau des Schäfers Waigel, 1631 Anna, Ehefrau des Mathias Scherer, 1632 Anna, Ehefrau des Jakob Gich, 1639 Anna, Ehefrau des Hans Schere, genannt Berganna und Anna, Ehefrau des Jung Schäfer genannt Schniders Anna. Die ihnen zur Last gelegten Übeltaten gaben sie zu, das Urteil lautete: „sollen ihnen zur Strafe und anderen zum abscheulichen Exempel mit dem Feuer vom Leben zum Tod durch den Nachrichter bestraft und hingerichtet werden“. Weil sie aber geständig waren, wurde das Urteil dahin gemildert, daß sie nicht verbrannt, sondern enthauptet und begraben wurden. Ebenso geschah es mit der Breitscheider Hexe von 1631. Sie wurde am 18. Februar mit 2 Hexen aus Erdbach und 9 aus Schönbach hingerichtet. Die Anklage enthielt 73 Punkte. Die Hinrichtung fand „auf dem Hinter Sand“ in Herborn statt. (Nach Steubings Topographie über Herborn). Von der Breitscheider Hexe 1632 weiß ich nichts näheres, jedenfalls starb sie die Gleiche Todesstrafe. Viele Jahrhunderte lang hat man die Hexen blutig verfolgt, und Millionen unschuldiger, meist hysterischer Menschen sind dem furchtbaren Wahn zum Opfer gefallen. Die Glaube der Hexerei spuckt heute noch in den Köpfen. Neulich hörte ich noch von jemand, daß er gewisse Personen nicht in seinen Stall läßt. Ein tief bedauerlicher Mangel an Volksbildung!

Von der Pest

Die Pest ist auch jahrhunderte lang der Schrecken unserer engeren Heimat gewesen. Pestjahre waren, außer den früheren, in unserem Umkreise folgende: 1469, 1472, 1490, 1494, 1502, 1519, 1521, 1541, 1551, 1554, 1582, 1597, 1607, 1611, 1614, 1626, 1635, 1636,.
Die unterstrichenen Jahre sind für Breitscheid urkundlich verbürgt. – Vom Jahre 1582 schreibt Steubing: „In diesem Jahre war fast der ganze Westerwald infiert (angesteckt). Im Kirchspiel Neukirch, besonders zu Stein, ward fast alles angegriffen. Zu Heiligenborn bleiben nur 7 Menschen am Leben. Zu Nenderroth und Odersberg starb der meiste Teil des Volkes.“ – Ende 1597 wütete die Pest im Dillenburgischen stark. Der Bürger Endriß Wöber von Herborn hat (jedenfalls auf Veranlassung des Grafen zu Dillenburg), in itzigen sterbens laufend denen von Breitscheid und anderen Wein, Bier und Brot vorgestreckt und zu Haus geschickt. Als Bezahlung erhält er neben den Schafen der Breitscheider auch die von anderen von der Pest befallenen Orten, die er nach Mengerskirchen zum Verkauf auf den Markt bringt. (Beilsteiner Keller…chnung). die Pest raffte damals 271 Personen im Amt Herborn weg, 1228 Personen im Dillenburgischen überhaupt. – Im Sommer 1607 wurden zu Herborn täglich 13 bis 20 an der Pest verstorbene begraben. – Im Jahre 1614 riß die Pest fast im ganzen Amt Herborn ein „und wütete zu Breitscheid, Medenbach, Erdbach und Schönbach gar sehr“. Zur Verhütung der Ansteckung ließen die Herborner niemand aus diesen Dörfern in die Stadt. Aus Mitleid mit den Unglücklichen in den genannten Dörfern ließ man ihnen von zwei Herborner Bürgern das Nötigste auf einen wilden Acker in der Kallenbach hinausbringen. Die Pest kam aber doch in die Stadt und Professoren und Studenten flüchteten. (Nach Steubing) . In einem hiesigen alten Kirchenbuch steht gelegentlich verzeichnet: „1626 pestis.“- Die beiden letzten großen Pestjahre in unserer Gegend waren 1635/36. Da unser ältestes Sterberegister erst von 1636 an berichtet, fehlt uns Näheres über das Jahr 1635. In dem selben starben z.B. in Herbornseelbach 176 Personen an der Pest und 165 blieben am Leben. 1636 hatten 7 Pestfälle in Breitscheid einen tödlichen Ausgang. Die Eintragungen im Sterbeprotokoll lauten:

„Jochem und ein Sohn Conrad, pestenexati.
Catarina, Johannse Jörg, Hausfrau, peste.
Anna, Jost Kolbens Hausfrau, peste.
Margaretha, Jochens Tochter, peste.
Ann Elsbeth, Johan Conrads Hausfrau, peste.
Fridrich Groß, peste.“-

Von Kriegen und Unruhen

Die Fehde zwischen der Gräfin Adelheid und den Adeligen von Haiger. (1355-1357)
Die zahlreichen kleinen Kriege im Mittelalter nennt man Fehden. Sie hörten erst dann auf, als infolge der Erfindung des Schießpulvers die festen Burgen keine sichere Stätte mehr boten. Als dann mit dem Ausgange des Mittelalters um 1500 allmählich der „Landfriede“ (wirklich) einkehrte, da war die Freude des Volkes groß. „Allein Gott in der Höh und Ehr!“ jubelte der Kirchenliederdichter von damals, denn „nun ist groß Fried ohn Unterlaß, all Fehd hat nun ein Ende.“ In welchem Maße Breitscheid in den vielen Fehden in Mitleidenschaft gezogen worden ist, ist mir nicht bekannt. Nur von der in der Überschrift genannten Fehde weiß ich, daß sie Breitscheid berührt hat. Darum will ich von dieser Fehde etwas ausführlicher hier reden. Ich tue es umsolieber, weil aus derselben Zeit, der Mitte des 14. Jahrhunderts, eine ausführliche Urkunde über Breitscheid vorliegt, und der Bericht über die Fehde ist geeignet, das Bild, das wir uns von den damaligen Zeitverhältnissen machen wollen, etwas zu beleben. Die Fehde wurde beendet durch Schiedssprüche befreundeter Grafen. Dieselben findet sich in urkundlicher Treue in der Sprache ihrer Zeit abgedruckt in Arnolds historischen Denkwürdigkeiten, Seite 68-94. Unter den 63 Klagepunkten befindet sich auch eine, die Breitscheid betrifft. (S. 85)
Das Dillenburger Ländchen regierte damals die verwitwete Gräfin Adelheid für ihren minderjährigen Sohn Johann. Im Gericht Haiger, das schon früher von den Nassauer Grafen erworben worden war, hatten die Adeligen von Haiger noch immer große Macht. Eine ihrer festen Burgen stand in Haiger. Die Gräfinwitwe war genötigt gewesen, von ihnen ein großes Kapital zu leihen. Zur Verzinsung des Kapitals mußte sie ihnen unter anderem auch das Kirchspiel Haiger mit seinen Einkünften verpfänden. Nun wurden die von Haiger übermütig, nahmen mehr als ihnen zustand, und die Fehde war da. Vor zwei Schiedsgerichten, 1356 und 1357 klagen sich die beiden Parteien gegenseitig an. Ein kleiner Auszug aus den Protokollen mag hier folgen. Den Schiedsspruch bringe ich nicht jedesmal. – Die Gräfin beschuldigt den Jungherrn Heidenreich von Haiger, daß er ihren „armen Leuten“ (d.h. die Leibeigenen, überhaupt alle Bewohner der Dörfer) Hühner gefangen und das Fanggarn mit den (wilden) Hühnern weggenommen habe. Als ihm der etwa 15 jährige Johann von Dillenburg des verwies, soll Heiderich gesagt haben, er lüge und schlug ihn dazu an den Hals.“ – Sie beklagt sich weiter, Heiderich habe ihre Knechte (das sind bewaffnete Knechte, Kriegsknechte) und armen Leute wund geschlagen, den armen Leuten ihr Haus (huzs) aufgebrochen, ihren Plunder und Hausrat weggenommen, verkaut und vertan. – Auf der Straße soll Heidenrich Leuten der Gräfin und anderen Sachen genommen haben. – Heidenrich beklagt sich, die Leute von Haiger liefen über ihn und wollten ihn ermorden. Da weist die Gräfin darauf hin, wie Heidenreich sie geschädigt habe fest und groß, vor und nach, und sie geraubet und gebrannt habe, Nacht und Tag und mancher große Schaden getan“, obwohl so zu den heiligen geschworen hätte, wird sie nichts zu tun und Verbündnisse mit ihr gehabt habe, und diesen Bund habe er nicht aufgekündigt vor denen, die zu ihm gehörten. – Heidenreich beschuldigt die Gräfin, daß ihre Freunde einen seiner Knechte totgeschlagen und seine Hengste und Pferde (henzte und perd) angenommen, obwohl sie zu ihm geschworen habe. Die Gräfin erwidert, Heidenreich habe Brand gestiftet und geraubt und ihre Freunde seine gleich den Raube nachgefolgt (es wäre also Selbstverteidigung gewesen). So urteilen die Schiedsrichter: Wenn die Freunde der Gräfin gleich dem Raube nachgefolgt sind und ist Heidenreichs Knecht dabei tot geschlagen worden, ehe Heidenreich auf sein Eigentum kam, so hat die Gräfin und ihre Freunde nicht Unrecht getan. – Die Gräfin beschuldigt den Herrn Eberhardt, einen Bruder Johanns und seine Söhne Heidenreich und Friedrich, daß sie und ihre Freunde dem Treiber, ihrem armen Mann, Geld abgedrungen hätten nach dem daß die Sühne zwischen ihnen in Marburg vor dem Landgrafen gesprochen worden wäre. – Heidenreich wirft der Gräfin vor, sie habe auch Straßen geraubt. Zehn Jahre später, 1366, betätigte sich der andere Sohn der Gräfin, Graf Heinrich mit dem Beinamen “ Schneidleder“, [der Domherr zu Köln war, wirklich ?, als Raubritter und Wegelagerer. Er lauerte Kaufleuten, die sich auf der Fahrt zur Frankfurter Messe befanden, auf dem Westerwald auf und nahm ihnen 300 wollene Tücher ab]. – Die von Haiger beschuldigen die Gräfin, ihre Amtleute hätten ihnen Leibeigene genommen, die ihre Eltern und sie hergebracht hätten. – Die Gräfin bezichtigt die von Haiger, sie und ihre Leute hätten in ihrem geforsteten Wäldern abgehauen, gerodet und „gefruchtiget.“ – Haiger wirft der Gegenseite vor, ihnen und ihren Leuten Kühe, Schafe und Ziegen („küe, schaaf ind zegen“) genommen zu haben. Die Schiedsrichter bestimmen, daß die Gräfin des wieder gut macht, wenn die von Haiger beweisen, daß es wahr ist, unsere Frau (Gräfin) oder ihre Amtleute könnten dem beweisen, daß sie mit Recht genommen seien. – Ferner klagt Haiger „dat unser veruwen Knechte ire Knechte in deme holtze eine in den wellern gheuangen (gefangen) und geschlagen hannen, hat fez holtz gehauwen“ – Johann von Haiger klagt gegen die Gräfin, daß ihre Förster ihm ein Pferd genommen haben in unsrer Frauen Holz. Schiedsspruch darüber: Kann die Gräfin beweisen, daß Johanns Knechte in ihrem Holz gehauen haben und haben ihre Förster von den Knechten Pferd genommen als echte Buße so wie es des Landes Gewohnheit ist, dann hat die Gräfin daran nicht Unrecht getan, kann aber Johann beweisen, daß man von seinen Pferden mehr genommen hat als es im Lande der Gräfin Gewohnheit ist, so hat sie ihm Unrecht getan und soll es wieder gut machen. – Item um die Schuldung, daß unsre Frau Johann beschuldigt, daß er Rompe (Der Familienname Rompf kam vorher und nachher in Breitscheid vor) und denen von Breitscheit Geld und andere Habe abgedrungen habe ohne redliche Sache und ohne Gericht (wiederrechtlich), da sprachen wir sämtliche (Ratleute); Kann unsre Frau (genügend) beweisen, daß Johann (dem) Rompe oder dem Dorfe zu Breitscheit etwas abgedrungen oder genommen habe wieder Recht, so soll er das unsrer Frau wieder billig kehren (recht machen). – Item um die Schuldung, daß unsre Frau Herrn Eberhard beschuldigt, daß er und die Seinen ihren Leuten gewehrt haben, ihr Vieh und die Weide bei seinen Hof zu Herborren (Der Hof Herorren lag bei Dillenburg) zu treiben, da sprechen wir sämtliche (Schiedsrichter): So wie fern oder nah Herrn Eberhards Vieh an die Weide geht, soll auch seiner Anleiger („anstossen“) Vieh fern und nah mit Recht gehen, und wo seiner umbstoossen Vieh geht, soll auch das seine mit Recht gehen. (Hier haben wir ein Beispiel gemeinsamer Weidegerechtigkeit, sogenannter (Koppelweide, durch Schiedsrichterlichen Spruch festgelegt.
Damit mags genug sein über die Fehde. Wie sehr haben sich die Verhältnisse geändert in den sechs Jahrhunderten, die fast darüber hinweggegangen sind!

Der fürstliche Bauernkrieg (1525)

Der fürstliche Bauernkrieg, in welchen sich die Bauern gegen ihre Herren Unterdrücker empörten, hat unsere Gegend nicht unmittelbar berührt. Graf Wilhelm der Reiche traf aber Vorsichtsmaßnahmen. Ein Dillenburger Chronist schreibt 1525. „Ist der Groß… auffauhe gewesen, darumb gruwe Wilhelm sowohl als andere Herren in großen sorgen und gefahr gesessen, hat etlich reutet und kneche geworben, die zu Dillenburg und Herborn gelegen, der landknecht 12 vor drabanten zu Dillenburgk plieben, die mein g. Herr gruw Wilhelm mit kost und kleidung underhalten.“ Aber es blieb ruhig bei uns. „Unser Graf schrieb am 18. Mai 1525 an seinen Bruder Heinrich, mein burschaft ist gott, hab lop und gib lang noch zufrieden, aber das wetter ist umb nich allerthalb!“
Die Bauern waren ja persönlich frei, und darum war ihre Lage bei allem Druck doch nicht so verzweiflungsvoll wie diejenige der Bauern im übrigen Deutschland. Philippi weiß in dem Roman „Weiße Erde“ zu erzählen; „Im Bauernkrieg kam es nach dem Erddorf (Breitscheid) wie tressend Feuer. Das getretene Volk brüllte wieder die Fäuste. Da haben sie über der Galgenmauer den Ritter Hinz von Sunnewalte geschlachtet wie ein Tier.“ Das ist eine Dichtung.

Aus dem dreißigjährigen Krieg (1618-1648)

Kein Zeitgenosse von damals hat uns etwas aufgeschrieben über Breitscheids Ergehen in dem großen Kriege. Aber da unsere ältesten Kirchenbücher in die Zeit des 30 jährigen Krieges hineinreichen, so können wir derselben doch hier und da einiges entnehmen, was diese Zeit ein wenig beleuchtet. Unter Benutzng von Kellers „Drangsale des nassauischen Volkes im 30 jährigen Kriege“ und anderem kann ich daneben noch einiges zufügen, was die Ereignisse in unserer Gegend im Allgemeinen betrifft. Ich will mich dabei auf die Hauptsache beschränken und nicht alle Einquartierungen und Durchzüge der Truppen erwähnen.

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übersetzt von Kornelia Pelz

 

 

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