Heimatbuch-24

Mr sär als …

Bäuerliche Spruchweisheit aus dem östlichen Weserwald
Gesammel von R. Kuhlmann = Breitscheid
(Abgeschrieben aus einer Bauernzeitung)

  • Wu dr Hoos geheckt es‘, erre om lejbste.
  • Klaane Kenn – klaane Last, gruße Kenn – gruße Brast.
  • Mr guckt de Minsche vir’n Stirn, ower net ins Hirn.
  • Mr verseucht sich net mih’n wej henner de Minsch.
  • Mr lernt de Leu‘ net kinn, mr giht da‘ berren im.
  • Mr soll net ausdou‘, ihn (ehe) mr sich ens Bett leeht. (Warnung vor vorzeitiger Abgabe der Güter an die Kinder).
  • Wann de Marercher pfeife en de Hoiercher (Hühnchen) krech‘, dej muß mr beizeire de Hals erim dreh.
  • `s gitt mih‘ Keere (Ketten), wej roosige Hoon (tolle Hunde). (du bist noch zu pachen!)
  • N‘ (ein) Hond kann sich net ella beiße. (Auf einen zänkischen Menschen bezogen.)
  • Frisch Brut (Brot) schimmelt net, „alte Liebe rostet nicht“.
  • `s Geld, dos gitt sich aus, ens Scheusel bleibt em Haus. (Warnung vor Geldheirat).
  • `s es‘ kaa Debbche su schepp, ‚s baßt e‘ Deckelche droff. (Jeder kann eine Frau finden).
  • Rauft euch Nachbars Kinder und streit euch Nachbars Kinder.
  • Bei Noocht sei‘ alle Koih schworz. (Das sagte man einem, dem man ein hässliches Mädchen aufreden wollte.)
  • Wu Knoche sei‘, gitts aach Hoon, dej sie nuwe. (Es muß wohl nicht weit her sein mit dem so sehr gerühmten auswärtigen Mädchen, dann sonst hätte es auch dort einen Liebhaber gefunden.)
  • Gout gefroihsteckt, spirt mer de ganze Doog, gout geschlacht, ds ganze Juhr, en gout gehoirot, ds ganze Läwe.
  • Hoffart muß Zwang leire. (Korsett, enge Kragen u.s.w.)
  • Bet Speck fingt mr Mas‘ en Minner. (zur weiblichen Mode, die tief blicken läßt.)
  • De Fraa kann inner der Schürz mih‘ aus `m Haus schiebbe, als der Mann em Wa‘ (Wagen) èren kann foahrn.
  • `s kann a‘ (eine) Moirer (Mutter) ihjer siwwe Kenn ernährn, als siwwe Kinn a‘ Moirer.
  • Wann dr Wo‘ om beste giht, bricht e‘ Rood.
  • Aller Uffschub daagt naut.
  • `s Nierigst (Nötigste) derihrscht! (- sagte das Büblein, da stieß es den Zahnarzt im letzten Augenblick vorm Zahnziehen weg und rannte auf ein geheimes Oertchen.)
  • Birrot (Beratung vor der Tat) es‘ besser wej Rorot
  • Besser geleiert, wej gefeiert. (Auch mit wenig Arbeit zufreiden sein.)
  • Billgedo‘ en wohlgedo‘ kann net bet e’nanner go‘.
  • Klaa‘ Feuerche – grußer Raach, wej mr ißt, su ärbt mr aach.
  • Wer net plackt (flickt), der verlappt.
  • Wann de‘ Narrn of de Maart ged, lise de Krämer Geld.
  • Wos naut gilt, es‘ aach naut wert.
  • Vorn ausgemacht, droit denne net; häl wos gilt der Käs?
  • Wer de‘ Heller net ehrt, es‘ de‘ Gelle (Gulden) net wert.
  • Der hot Geld wej Haa (Heu), ower `s roppt sich wej Grommet. (Er ist ein Verschwender.)
  • Wer naut es‘, en dinkt sich aach naut, der es gor naut.
  • Wann mr `n‘ Bellmann (Bettelmann) of `n Gaul setzt, rennt e‘ Leu üwern Ha’f.
  • Allzevill es‘ o’gesond, en wanns Weckemilchsopp es‘.
  • Der Gaul, der de‘ Hower (Hafer) verdejnt, krejt se net.
  • Wann mr O‘ n Hond will, horre Lärrer (Leder) gefresse.
  • Kimmt mr üwern Hond, kimmt mr aach üwern Schwanz.
  • In der letzt Dott (Tüte) find’t sich alles.
  • Henne steche de Bee‘ (Bienen). (Das dicke Ende kommt nach!)
  • `m gegewwene Gaul guk mr net ens Maul.
  • Wer sich inner de Kleie mingt, die fresse de Säu.
  • Wu mr mih‘ mingt, wu `s mih‘ stinkt.
  • `s gitt allerhand Leu, `s gitt aach Spilleu‘. (Auf einen Sonderling gemünzt.)
  • Krachende Wa‘ (Wagen) gih‘ om lingste. (Menschen mit schwacher Gesundheit können alt werden.)
  • Wer of de‘ Reihe will geie (geigen), muß honnert Dahler em Kaste ho‘ leje. (Schienbeinverletzungen haben etwas auf sich.)
  • Wann de Katz net dehaam es‘, danze de Mäus‘ ofm Disch erim.
  • Wer kaa‘ Sorge hot, der mächt sie dich.
  • Erleholz en Weire (Weiden) kann der Koch net leire.
  • Aach ds dejfsde Faß horren Burre. (Dem Verschwender gesagt.)
  • Jed‘ Lärrer nimmt Schmier o‘. (Es ist aber doch nicht jeder Mensch bestechlich)
  • Wr immer will, dim will mr.
  • E bli’er (blöder, bescheidener) Hond werr selde fett.
  • Wann sich auf mache soll, da `helfe de Sta om Wäk dezou. (Philippi: „Spruch der Bauern und der Türken: Was kommen muß, kommt“)
  • E‘ gourrer Virwand es‘ drej Batze wert.
  • Was gout èrim es‘, kommt net mih‘ b‘ werrer.
  • Faul en fräßig, zeut `n goure Belz (macht fett).
  • Vo‘ naut kimmt naut.
  • Mr schwätzt vo‘ naut, es‘ kimmt vo‘ aut.
  • Wann’s Kind gedaaft es‘, will jeder Vowerrn.
  • Dem aa’n sei‘ Dud (Tod) es‘ dem annern sei‘ Brut.
  • Zou gout, es‘ e‘ Steck vo‘ der Schlechtigket‘
  • E‘ gourer Rochder o‘ dr Hond es‘ besser wej e‘ Brourer (Bruder) üwer Land.
  • `m Besoffene fihrt mr berrem Wa‘ wel Haa (Heu) aus `m Wäk.

Die Huinkdung

Von Studienrat Dr. Kroh =Burgsteinfurt.
(Aus einem Zeitungsartikel abgeschrieben)

Die Ausführungen von R. Kuhlmann – Breitscheid in Nr. 17 der „Heimatblätter“ geben mir Veranlassung, mich zu mundartlichen Fragen auch einmal zu äußern, worüber der Verlag mich schon lange gebeten hatte. Ob Herrn Kuhlmanns Deutung der „Dung“ von „tunken“ richtig ist, so schön sie klingt, möchte ich bezweifeln. Wenn sie überzeugen sollte, müsste der Endlaut ein „k“ sein, wird doch sogar in der Zusammensetzung „Huinkdung“, d.h. „ein mit Zwetschenmus bestrichenes Stück Brot“ der erste Bestandteil mit K am Ende gesprochen, der zweite aber nicht, obwohl beim ersten doch ein g zugrunde liegt (ebenso wie z. B. in lank für lang, De(a)nk für Ding, hink für hing).
Meine eigene Erklärung, die ich noch vorsichtig als „möglich“ in der „Deutschen Dialiktgeographie“ gegeben habe, die aber auch von Schmelzer („Unterschiede zwischen dem süderländischen und siegerländischen Wortschatz) und neuerdings von Wenzel im „Wortatlas des Kreises Wetzlar“ übernommen wird, klingt freilich weniger poetisch. Ich bringe es zusammen mit „Dung“ – „Dünger“. Unser Entsetzen über diese unästhetische Deutung wird sich bald legen, wenn wir berücksichtigen, daß „der Dung“ im Mittelhochdeutschen, wo er noch die tunge heißt, nicht nur „Dünger“, sondern auch „Stärkung, Erquickung“ bedeutet, wie Lerers mittelhochdeutsches Wörterbuch nachweist. Wir haben also lediglich einen neuen Beleg für das Festhalten des Bauern am alten Sprachgebrauch und seine Verwurzelung mit der Scholle. Wenn wir den „Dung“ in der Schriftsprache nur noch als „Nahrung des Ackers“ kennen, so ist das eine Bedeutungsverengerung. Es liegt mir aber fern, hier einen Streit entfachen zu wollen; ich möchte vielmehr einiges über die Grenzen des Wortes mitteilen, wie ich sie vor 20 Jahren für unsere Gegend festgestellt habe. Danach hießt es in den westlichen Orten des Amts Herborn von Breitscheid und Rabenscheid bis nach Rodenberg und Münchhausen, sowie in Haiger, Sechshelden und Wissenbach „Huinkdung“, sonst im ganzen Dillkreis und auf dem Westerwald bis nach Emmerichenhain und zum Salzburger Kopf „Hoinkdong“. Der südlichste Teil des Dillkreises geht mit den benachbarten Gebieten: Sinn und Burg haben „Hoinkebrut“ wie der Kreis Wetzlar, Fleisbach hat beides, in den Kirchspielen Beilstein und Nenderoth finden sich schon die Formen, wie sie im Kreis Westerburg südlich von Emmerichenhain gelten, nämlich „Hoinksteck-stick“. Wie weit die „Dung“ sich noch ins Hessische erstreckt, wird man erst sehen, wenn einmal das „Hessen- Nassauischen Wörterbuch“ fertig ist, das ja in vorbildlicher Weise Karten von allen interessanten Wörtern bringt, wie die bisherigen vier Lieferungen zeigen.
Südlich vom Dillkreis verläuft die Grenze ziemlich genau von Bellersdorf bis Staufenberg in westöstlicher Richtung; nördlich gilt „Dung (Dong)“, südlich „Hoinkebrut“. Im Hauptteil des Kreises Biedenkopf braucht man, wie mir versichert wurde, „Botter“ für unsere „Dung“, also auch „Hinkbotter“ für das nur mit Zwetschenkraut bestrichene Brot, wie ich es in Achenbach festgestellt habe.
Der Siegerländer hat die „Dong“ wohl, das schöne Wort „Huink“ oder „Hoink“ (wobei der Leser selbst entscheiden mag, welches saftiger und schmackhater klingt), kennt er aber nicht, sondern braucht nur Honich (Hunich) für den Bienenhonig und nennt das Zwetschenkraut „Krutt“. Auch im Süden hat die Herrlichkeit des „Hoink“ bald ein Ende; im Taunus und in der Wetterau gilt Latwerge, das sich von dem spätlateinischen Wort electuaruum = „Extrakt, dicker Saft“ herleitet.
Und nun wünsche ich meinen lieben Landsleuten, daß sie sich trotz der schlechten Zeit die „Huinkdung“ gut schmecken lassen – freilich muß erst Butter drauf sein, denn

Butter schmiert de Reppe,
Huink schmiert de Deppe,
wie man in Wissenbach sagt.

Nochmals die „Dung“

(Entgegnung zum vorherigen Artikel)

Herr Dr. Krob möchte das mundartliche Wort „Dung“ (für ein geschmiertes Stück Brot) statt von „tunken“ lieber von „düngen“ abgeleitet wissen. Gegen diese Deutung scheint mir der Umstand zu sprechen, daß die Worte „düngen“ und „Dung“ in ihrer eigentlichen Bedeutung unter unseren Bauern gar nicht gebräuchlich sind (wenigstens in Breitscheid nicht) und auch wohl nie ihrem Sprachschatze angehört haben. Es heißt: Der Acker wird „gebessert“, es fehlt ihm an „Besserung“. Erst mit dem künstlichen Dünger um die letzte Jahrhundertwende kam auch das Wort „Dünger“ bei uns auf, aber nur als Bezeichnung für den künstlichen; mit diesem wird auch nicht „gedüngt“, sondern „gestraacht“ (gestreut). – Einen Bundesgenossen für meine Auffassung führte übrigens Herr Dr. Kroh selbst an in seiner Doktordissertation über die Wissenbacher Mundart, Marburg 1912. Zu dem Worte „Dung“ (Butterbrot) bringt er folgende Fußnote: „Bech, Beiträge zu Bilmars Idiotidon, S. V, leitet es von „tunken“ ab; möglich wäre auch, an „Dung“, „Dunger“, zu denken.“
Völlige Klarheit wird auch hier nicht zu schaffen sein. Wir müssen uns bescheiden: ein guter Rest unseres mundartlichen Sprachschatzes wird uns stets mehr oder weniger dunkel bleiben. Und das ist gut so, Je größer die Geheimnisse sind, die unsere Volkssprache in sich birgt, je fester die Nüsse sind, die sie zu knachen gibt, umsomehr wird sie uns zu einem Schatz, der erschürft und erobert sein will, uns lockend und anspornend: „Will noch tiefer mich vertiefen in den Reichtum, in die Pracht, ist mir’s doch, als hob mich riesen Bäter aus des Grabes Nacht.“ – Wo bliebe auch die Forscherfreude für die Nachkommenden, wenn alles sein aufgeklärt würde. R. Kuhlmann – Breitscheid.

Familien-Chronik

  • (Die Jahreszahl bezeichnet, wenn nicht anders angegeben, das Jahr der Verheiratung und die Gründung des Hausstandes hier.)
  • Im 30jährigen Krieg traten auf (nach 1636, mit welchem Jahre unser ältestes Kirchenbuch (Sterbebuch) beginnt):
  • Georg, Paulus, Kolb (Schlitzers Kolb), Orthmanns, Zöllners, Pinners (Kunze, Aßmannshannese, Kolbe, überhaupt alle Kolb mit Ausnahme von Freeze stammen davon ab), Becker, Petri (Die alte Line, die aus Kirchenschneiders Haus stammt, Weyel, Fesch.
  • 1645, Niklas Rehe von Heisterberg. Er war ein kinderreicher Mann und wurde 1678 während eines militärischern Aufruhrs („in Tumulten militum“) „Ehrlich Zur Erd bestattet“. (Reeh)
  • 1659, Johannes Göbel von Repch (im Siegeland?). (Förstersfamilie im 18. Jahrhundert) (Die Göbel in Kuhlmanns Haus, stammen zwar aus Langenaubach, um 1868, aber diese Langenaubacher Göbel entstammen auch der Breitscheider Linie.)
  • (Von 1661 bis um 1691 fehlen die Blätter des Ehebuches im Kirchenbuch)
  • 1670 heißt es im Sterbebuch: „Fösch gertrud gestorben“. Die Fesch sollen aus Frankreich stammen. Der Berühmte Kardinal Fesch; geb. 1763, ein Onkel Napoleons dem 1. soll mit den Breitscheider Fesch verwandt sein. Die Rabenscheider Line stammt von Breitscheid (17..)
  • 1678 wird Johann Jost Stahl genannt.
  • 1687 kam Asmann Diehl von Medenbach als Schulmeister hierher. Er heiratete 1697 eine Breitscheiderin und nannte sich nach seiner Verheiratung Erasmus Thielmann. Von ihm stammen die meisten Thielmann in Breitscheid ab: Älberte (neben Schumanns), Thielmanns, Martins, Franze, Luckenbachs (auch „Altschulmeisters“ genannt), Lippse und Försters.
  • Um 1692 Wilhelm Culmann (Kuhlmann) aus Eisbergen (?) im … (hier ist das Blatt im Kirchenbuch gerissen) – ein Eisbergen gibt es zwischen den Bahnstationen Vienburg und Löhne in Hannover – , kam gelegentlich einer Einquartierung der hessischen Cawallerie als „hessich reuter“ hierher und heiratete eine Breitscheiderin (mein sechster Vorfahr).
  • Um 1700 wird Johann Jost Orthmann genannt; die männliche Linie schon im 18. Jahrhundert ausgestorben.
  • 1706 wird der Ziegler und Häfner Markus Bechtum im hiesigen Taufbuch genannt; woher er gekommen, steht nicht da.
  • 1739, Johannes Kister (Küster), Sohn des Heimbergers aus Wissenbach; war lange Schäfer oder Hirte hier.
  • 1764, Johannes Benner aus Kodden in Hessen. Davon stammen die Benner und Binners.
  • 1772, Johannes Lehr aus Nidda in Hessen, Häfner. Stammvater von Louis Lehr (Schlichts).
  • 1773, Nikolaus Uhl aus Kodden in Hessen, Häfner. (In männlicher Linie im vorigen Jahrhundert ausgestorben) (Uhls).
  • 1783, Nikolaus Heid von Steinau an der Straße (Heide). Der letzte Heid hier starb 1869.
  • 1796 heiratete Johannes Henrich Thielmann von Schönbach eine Tochter des Erasmus Thielmann von hier, Landmann, nachher lange Kuhhirte hier. Davon stammen Freeze in der Lück, Hoose, Fesch (Ewald Thielmann) und die andern Fesch (Bürgermeister Ferdinand chr.), Bechtums (Techniker Ernst Thielmann), Asmannshennese (Albrecht Thielmann) der alte Fridolin Thielmann, Alberts am Hüttenweg und der Müller Eugen Thielmann.
  • 1809, Johannes Anton Petry von Schönbach, Gastwirt auf der Ziegelhütte. Davon stammen Schlitzers Petry, Erwin Petry und die Lehrs Petry.
  • 1811, Adam Henning aus Schlitz in Hessen, Häfner.
  • 1816, Friedrich Immel aus Frohnhausen bei Dillenburg, Landmann.
  • 1826, Johann Jost Dapper aus Schönbach, Häfner (Dappert).
  • Um 1829 zog Johannes Petry aus Schönbach (Frau aus Gusternhain) hierher. Vorfahr von Eckhannese und Fuchse Petry.
  • 1833, Johann Georg Geil von Gusternhain (Geile).
  • 1834 wird der Steiger Jakob Zeiler aus Eichenstruth bei Marienberg in einem Kirchenbuch genannt; wahrscheinlich war er 1832 verheiratet hergekommen als Steiger bei Neueröffnung unserer Grube. Begründer von Hennings Wirtschaft. Teilung von Jörge Haus.
  • 1835, Conrad Thomas von Heisterberg (Cunze).
  • 1837, Jost Wilhelm Arnold aus Frohnhausen bei Dillenburg, Taglöhner.
  • 1837, Johann Peter Kessler aus Willingen, Schuhmacher. (Philippis „Eierschuster“).
  • 1840, Johannes Henrich Hisge aus Großseifen, Steiger.
  • 1844, Ludwig Lisfeld aus Driedorf, Metzger.
  • 1844, Franz Zeiler aus Hof bei Neukirch, Steiger (Bruder des Jakob Zeiler); nach ihm sind „Franze“ benannt.
  • 1850, August Reeh aus Bretthausen, Drechsler (Drehers).
  • 1858, Daniel Lupp aus Großseifen, Steiger.
  • 1861, Philipp Zöllner, Landmann, aus Rabenscheid (in männlicher Linie ausgestorben (Zöllners).
  • 1863, Wilhelm Brandenburger aus Willingen (ab 1890 Postagent hier).
  • 1863, Philipp Thomas aus Rabenscheid, Landmann; (Urscheln und Uhls Thomas).
  • 1868, Leonhard Luckenbach aus Homberg, Bergmann (Luckenbachs).
  • 1878, Johannes Peuser aus Dillhausen, Steiger.
  • 1882, Heinrich Lehr aus Flammersbach, Schlosser (Steigers Lehr).
  • 1882, Heinrich Diehl aus Medenbach, Landmann (Ziegelhütter)
  • 1891, Heinrich Gail aus Erdbach, Bergmann (Braune).
  • 1891, August Schumann, Metzger, von Herborn.
  • 1891, Heinrich Moos aus Donsbach, Bergmann (Jörge).
  • 1894, Heinrich Schlicht aus Hasselbach bei Weilburg, Schmied.
  • 1896, Heinrich Enners aus Erdbach, Landmann (Altescholtese)
  • 1897, Heinrich Müller, Landmann, Erdbach, keine männlichen Nachkomme. Ältester der freien evangelischen Gemeinde zu Breitscheid.
  • 1901, Gustav Kolb aus Münchhausen, Schmied (Franze) am Erdbacher Weg.
  • 1901, Karl Henn aus Frechenhausen, Maurer.
  • 1902, August Hinstock aus Vatterode, Maschinist.
  • 1902, Willy Hild aus Driedorf, Schmied (Immels).
  • 1903, Wilhelm Klös aus Guntersdorf, Zimmermann (Beckers).
  • 1904, Johann Meier aus Duisburg, Former.
  • 1905, Albert Ritterbusch, Brennmeister, aus Sechshelden (Schäfer).
  • 1906, Christian Quirmbach aus Wirges, Tongräber. (Fuchse)
  • 1907, Eduard Pfaff aus Arborn, Maurer. (Steigers). (Stammvater Johann Pfaff, 1570 Hofpächter auf dem Herrschaftlichen Hof zu Beilstein, dessen Vater Bürgermeister zu Siegen).
  • 1907, Karl Leisegang aus Medenbach, Bergmann.
  • 1908, Rudolf Nickel aus Arborn, Maurer.
  • 1908, Heinrich Kopp aus Merkenbach, Schlosser.
  • 1908, Heinrich Klös aus Guntersdorf,
  • 1910, Wilhelm Schreiner aus Dillenburg, Schreiner. (Immels)
  • 1912, Friedrich Kühn aus Sinn, Fabrikarbeiter (verzogen).
  • 1912, Wilhelm Pauluck aus Dahlhausen bei Essen, Fabrikarbeiter.
  • 1912, Wilhelm Bernhardt aus Frankenbach bei Marburg.
  • 1912, Wilhelm Höbel aus Arborn, Weißbinder.
  • 1913, Hermann Hinter aus Wommelshausen, Maurer.
  • 1914, Karl Friedrich Schwehn aus Haiger, Tonwarenfabrikant.
  • 1917, Hermann Bott aus Greifenstein, Schlosser.
  • 191.., Karl Metz aus Gusternhain, Sprengler.

Einiges über die Bedeutung unserer Familiennamen.

Der Name eines Menschen ist etwas rein Äußerliches und hat mit dem Wesen seines Trägers nichts zu tun (trotz Gonthes Ausspruch in „Aus meinem Leben“!). Immerhin ist er für den denkenden Menschen nicht ohne Krip, etwas über die Bedeutung und die Entstehung seines Namens zu erfahren.
Ursprünglich hatte jeder Mensch nur einen Namen: Moses, Paulus, Siegfried u.s.w. Diese Namen, jetzt Vor- oder Rufnamen genannt, sind heute noch unsere eigentlichen Namen. Das empfindet auch das Volk unbewusst. Fragt man einen Dorfbewohner, wie er heiße, so nennt er bloß seinen Vornamen, erst auf die Frage: „Und wie schreibst du dich?“ gibt er Vor- und Familienname an. Ein Name genügte solange als die Zahl der Menschen noch nicht sehr groß war. Die Familien oder Geschlächtsnamen sollen bei den Adeligen zuerst aufgekommen sein, etwa ums 12. Jahrhundert, und zwar aus Eitelkeit, wie einige Gelehrte annehmen, und die unteren Stände sollen den Brauch der Vornehmen dann nachgeahmt haben. Wie dem auch sei, mit der Zeit wurde es bei der Zunahme der Bevölkerung, besonders in den Städten, zur Notwendigkeit, den Menschen zwei Namen zu geben, um sie bei ihren vielfachen Beziehungen zueinander von einander unterscheiden zu können. Heute klebt, wie ich oben schon sagte, der Name ganz bedeutungslos seinem Träger an, und es kommen da die seltsamsten Widersprüche vor.
Der für Breitscheid um 1800 zuständige Konsistorialrat von Dillenburg trug den Namen „v. Bierbrauer“. Mein Nachbar, der Metzger schreibt sich Schumann, das heißt Schuhmacher. Unser Bürgermeister Bechtum ist kein pechdummer Mensch, wie der Name besagen will, sonst wäre er nicht unser Bürgermeister. Zu der Zeit aber, als zum erstenmal der Familienname auftrat, stand er wirklich, falls er eine Eigenschaft, einen Beruf u.s.w. ausdrückt, in Beziehung zu seinem Träger, er sagte uns etwas über das Wesen, den Stand oder die Herkunft des betreffenden Menschen. Der erste Schlicht muß ein schlichter, einfacher Mensch gewesen sein, der erste Lang ist wirklich lang gewesen, der erste Gliß (von gleißen) hat in irgendeiner Hinsicht geglänzt und der erste Leisegang wird irgendwie ein Leisegänger, Leisetreter gewesen sein. Eine größere Anzahl Namen sind nach dem Stand und Gewerbe ihres ersten Trägers gegeben, wie Müller, Becker (d.h. Bäcker, Brotbäcker), Schmidt (d.h. Schmied), Meier (d.h. Bauer), Weber, Schreiner, Küster (Kirchendiener), Benner (d.h. Bender, Fassbinder), Kessler (d.h. Kesselmacher, Kesselflicker).
Nach dem Ort der Herkunft heißen die Namen Herborn, (d.h. der Mann war aus der Stadt Herborn), Brandenburger (aus Brandenburg), Holländer (aus Holland) und Donsbach.
Groß ist die Zahl derjenigen Namen, welche aus Eigennamen (Rufnamen) zu Familiennamen geworden sind. Es sind folgende Namen in Breitscheid: Thomas, Georg, Paulus, Arnold, Peter, Bernhardt, Leonhardt. Manche sind Umbildungen aus Eigennamen. So sind aus Andreas entstellt: Enders und Enners; aus Nikolaus: Klaas, Nickel, Klös und Klees. Petry ist die Biegung von „Petrus“ im Wessenfall. Verkleinerungs- und Koseformen aus altdeutschen Rufnamen sind folgende: Weyel, aus Weigand gebildet (der letzte Teil ist weggelassen und dafür die Verkleinerungssilbe el gesetzt; Übergangsformen: Wiegel, Weigel, Weyel); Göbel soll nach Vilmar aus Gebhardt, nach Bähnisch aus Gottfried gebildet sein; Diehl und Thielmann aus Dietrich, Deubel aus Dietwald; Henn ist eine Verkürzung und Entstellung von Johannes, Henning bedeutet „Abkömmling des Hen, „der kleine Henn“; Hisge ist wahrscheinlich aus Matthies gebildet (es gibt noch eine andere Deutung des Wortes), Kunz und der Rufname Kurt sind Verkürzungen von Konrad, Kühn soll von Kuno abzuleiten sein. Nach einem Gegenstand ist der Name Kolb gegeben (Degenkolb, Gewehrkolben). Nach Tieren Reeh und Haas. Reeh (zuerst geschrieben Rehe oder Reh) kann auch nach dem Dorf Rehe genannt sein, wie überhaupt manche Namen nicht zweifelsfrei aufzuklären sind.
Über die Entwicklung der Namen in Breitscheid sind wir einigermaßen unterrichtet, da uns aus jedem der letzten sechs Jahrhunderte urkundlich belegte Namen vorliegen. Die heutige Art, zuerst den Rufnamen und dann den Famileinnamen zu schreiben, ist erst während des 30jährigen Krieges in Breitscheid allgemeiner geworden, und das Festwerden der Schreibreform der Familiennamen ist noch viel jüngeren Datums. Von Familiennamen sind im 14. Jahrhundert in Breitscheid keine Spuren vorhanden. Um den Kaplan Konrad 1344 genau zu bezeichnen, muß hinzu gefügt werden, „Hermanns Sohn von Breitscheid und dessen Bruder Trutwin wird näher bestimmt mit dem Zusatz: „des selben Hermanns Sohn“; Johann Schütze scheint zu bedeuten: Johann, der Schütze und Johann Heintze Schmied: Johann Heintze, der Schmied. Conze erhält den Zusatz „an dem Felde“. Der Bauer Kunz von 1398 wird eingetragen: „Conze der Denkirschin son“. Einige Namen aus demselben Jahr, wie Rumpf, Herpel u. a. haben wir wohl als Familiennamen anzusprechen. Der Bauer „Brommer“ hat seinen Namen vielleicht einer brummigen Wesensart zu verdanken. Der Schneider wird einfach nur als „der seyeder“ eingetragen. In den amtlichen Verzeichnissen von 1447 und 1571 werden die Namen der Breitscheider noch ganz in der volkstümlichen Ausdrucksweise aufgeführt. In dem von 1447 sind nur wenige Familiennamen herauszufinden, fast alles nur Rufnamen, z.B. „Dlaiß Danielß contzchins son“, „Henne Peterß son“, „Elßches Henne“, „Scheelhen Styne“ (d.h. Christine, des scheelen Henn Witwe oder (Tochter). 1457 kommt der Name „Langenheyntzghyn“ vor (eine Tochter oder Witwe, die nach einem langen Heinz genannt ist). Henne Brommer war der Dorfhäuptling. (1447 brummer geschrieben). 1571 kommen vor Schmidts Ebert, Thebus Cläßgen (Thebus = Tobias, in Rabenscheid heute noch in der Form ), Kremers Jost u. a. Im 30jährigen Krieg kommen alte und neue Art der Namensschreibung nebeneinander vor. 1637 im ersten Taufbericht: „Schernhensen filia (Tochter) getaufft“; 1638/39 in den Akten der Hexenprozesse kommt derselbe Name in der heutigen korrekten Form vor:
„Anna, Ehefrau des Hans Scherer“. Anno 1639 ist Liches Jakob gestorben, ein schlechter (schlichter), frommer man“. 1640 starb „Adam Wiegel (Weyel) ein Kluger und der heiligen schrifft erfahrner man“. 1641 starb „Anna, Peterß Hanse mutter“, „Schmidts Elsbeth“ und „die Dörnersche“. Das war die amtliche Eintragung ins Sterbebuch! 1647 hat „Willem, der Kuhhirt aus fremden Land einen sohn tauffen lassen“; einer von den Paten (Compatres) war „Johannes Feldwebel, ein Kessler“ (d.h. Kesselmacher oder Kesselflicker).

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übersetzt von Kornelia Pelz

 

 

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