Heimatbuch-18

Einschaltung zum 30jährigen Krieg

Um 1635. Eine Bittschrift der Gemeinde Breitscheid an den Grafen
Supplicando der Gemein Breitscheid umb Nachlaß contribution.

Hochgeborener Graue gnediger Herr.
Vor wenigen Tagen haben wir umb gnediger Nachlaß der monatliche Schatzung bey E. Exiell und Gn. angesucht, itzo werden wir genötiget deroselben unsern aufs äuserste verderbten armseligen Zustand underthenigst abermahl zu verstehn zu geben, wie nemblich innerhalb 12 Jahren 21 Hause bey uns gentzlich nidergangen, da nicht Hoffnung, das der wenigste Teil wieder aufgerichtet werde, alß

  • Friedrich Sprenger 1 Hauß Henrich Hoffmann 1 Hauß
  • Alt Johan 1 Hauß Friedrich Groß 1 Hauß
  • Christges Jacob 1 Hauß Scheffer Peter 1 Hauß
  • Hirtz 1 Hauß Scheppe Peter 1 Hauß
  • Ülges Cloß 1 Hauß Weigel Scheffer 1 Hauß
  • Best Reiff 1 Hauß Johan Jost 1 Hauß
  • Jacob Kauffer 1 Hauß Johann Rodebach 1 Hauß
  • Döbes Fösch 1 Hauß Hanß Sprenger 1 Hauß
  • Scherm Theiß 1 Hauß Joachim Schmit 1 Hauß
  • Dönges Klein 1 Hauß Henrich Schmid 1 Hauß
  • Curt Schmit 1 Hauß

Neben diesem Verlust sind uns die Herde Vihe 7 mahl weggangen, daß auch nicht ein Stück übrigblieben, die Pferde 5 mahl ohne die eintzelne, so haben wir Euer Gnaden mt XI Geschir zu 4 Pferde gerechnet dienen können, itzo haben wir schwerlich 4 Geschir, also daß in erlittenen Schaden und schwerlich ein Dorff im ganzten Land gleich sein wird.
Bitten derowegen nochmals Euer Gnaden solches gnädige behertzigen und mit einem gnädigen Nachlaß zu hülff kommen, damit wir uns erholen undt zu Cräfften desto eher wieder kommen mögen.

E.Exe. u. Gn. Underthenigst
Heimberger und Samptliche
Gemiende zu Breitschid.

1646 (30jährige Krieg) Privatklage des Heimbergers zu Breitscheid

Hochgeborener Graff, gnädiger Herr. Euer Exellenz und Gnaden gebe underthänig clagend zu erkennen, daß für ungefehr vier Wochen, Ich undt Jost Schmidt von Breitscheid miteinander von Herborn gangen und allerhand freundliche Gespräche zusahmen gehabt, bis wir undig Erdbach, gegen mein Wieß ahns Währ kommen, alda Bgtr. (Beklagter) angefangen, so wollte ein Währ oder Wässerung auß meinem Währ daselbst uf seine Wieß machen, Als ich nun daruff zur Antwort geben, daß in 50 Jahren, da dannen keiner einige Wässerung gebraucht und ohne Eure Exellenz und Gn. ges. vorweissen und Verwilligung, sich anmaßen dörffte, So hat Er mir sobald nicht allein mit rawen Wortten, und (er) andern, waß Eure Exellenz mit dem Währ allda zu schaffen hatten, begegnet, sondern auch mihr zu schlagen sehr hart geträuet, und wohin ich mich gekehret, dahin ist Er mir vor und in den Weg gestanden, daß (ich) Ihme fast nicht entkommen mögen, dahero ich dan in Zorn geraten und gesagt, ob er mich wollte ermorden, wie er seinen Schwähervatter Claus Adambs Henrichen seel., welchen daniel Hannßens zu Hirschbergk noch beschützet, Er Beklagter aber solchen Danielen also trackiret, daß man ihn für tod hintragen müssen – Und dan dem Mann, hintter Westerburg, welchem Er ein Pferd genommen gehabt und uf Gädigen Befehl wieder bezhalen sollen, thun wollen, da Er sich etlichmahl dem bösen Feind verheißen, ihn zu erschießen, Ob nun wohl dieses maß (ich) ihm deßfalß gesagt, in Wahrheit also beschaffen und Beklagter wegen Überzeugung seines eignen Gewissens keine Ursach gehabt oder hatt, mich Lügen zu straffen, weniger an meinen wohlherbrachten Ehren schmähelich anzugreiffen, so habe (ich) doch schmertzlich empfinden müssen, daß er gered, Ich lüge (sehr zu schreiben) (mit Respekt zu sagen) wie ein Schelm, daß er seinen Schwäher und besagten Mann, angeduter Maßen tractiret hätte und tractiren wollen, Wann ich aber solches uf den Nothfall mit Wahrheit beybringe kann, daß Beklagter die ihm vorgesagten Thaten theils volnbracht, anderntheils volnziehen wollen, und also Ich die mir angelegte Schmähung zumahl nicht uf mir ersitzen lassen kann, So gelangt an Eure Exellenz und Gnaden mein underthänigste bitt, Im Recht zu bescheiden, daß Beklagter mir zu viel und Unrecht gethan, und ihm keineswegs geziehmet habe, mich zu schmähen, und daß mir er deßwegen genugsahmen Abtrag und offnen Wiederruff thun solle, Verhoffe solches geschehe mit Kehrung Kosten und Schadens von rechtswegen, Eure Exellenz und Gnaden Hochadelich miltrichterlich umbt, omnimeliori medo implorirend, den 7ten April 1646.

E. Exell. und Gn. underthäniger
Johann Groß
Heimberger zu Breitscheid

Langen Abach Contra Breitscheidt

Vihedrifft vffen Mengesstück, auch absteinung Itzgemelter beider Gemeinden gemarcken betreffendt. VII A.D.A. L. 548. Blatte 1-21

1575. Klageschrift Breitscheid. (Blatt 12) Wohlgeborner gnediger herr Euer Gnaden brengen wir clagende vnderthenig vor. Nachdem vnser vnd deren von Langen Abach Marcken vnd felder Zusamen stossen, weis ihr gemein wo soe wenden vnd keren sol. Aber das liegt ein platz Zwischen beiden marcken, genant Mengen stück, welches (wie wir durch die alten berichtet wurden) bei den gemeinden vns vnd denen von Abach, Zu gleichem gebrauch liegen blieben, haben vnser vihe beiderseits daruff gedrieben, gewanth, vnd gekart, nach vnserm gefallen, vnd kein theil dem andern einige verhinderung gethan. Dem Zuwider haben sich die von Abach nit mithalten, dessen gemeinen platz vnder sich getheilt, denen beruchtigt, vns Zum abbruch vnd schaden. Dan wan schon gemelter platz denen von Abach allein Zustandig gewest, als nit gestanden wirt, vnd wir daran kein theil gehabt, So hett Inen doch nit geburt, solichen platz, als ein gemein gutt, dermaßen zu uertheylen. Darumb an Euer Gnaden vnser vnderthenigs bitten, euer Gnaden wollen die beclagten von Irem vornemen abhalten vnd vnderweisen, den platz zum gemeinen gebrauch leigen lassen, vns daran mit Inen, wie von altem her gescheen, nit Zuhindern, das merhoffens Euer Gnaden werden vns bei hergebrachtem gnediglich hanthaben, Ein gnädige antwort. Datum Freitags nach Jacobi .

Gemeinde von Breitscheidt
(Antwort der Gemeinde Langenaubach, Blatt 8)

Wolgebornner gnediger Herr, vff der Gemeinde von Breitscheit verlesene Klag Zu Antworten, geben Euer Gnaden wir vndertheniglich Zuerkennen, wie das (Daß) das angezeit Stück In vnser mark gelegen, vnd von der Breitscheidter mark gantz vnd ghar abgemarsttynt, die Steyne sich auch in dem lesten ganze In biwesen beider Schulte (Schultheißen) Herborn vnd Heiger offentlich fanden, Darumb genediger Herr, (sind wir) den Klegern an vnserm vermelten Stück nichts gestendig, das (daß) sie einigen gebrauch daran haben sollen, dan die weide sie mit vns, so es vrleß (wüst, mußig) gelegen, genutzt haben. Das ist mit vnserm guten willen bescheen, han wir damit vndank verdient, wollen wir vns hinfurter darfür mehr huetenm vnd bitten damit Euer Gnaden, vns ie vnser marck vnd dem gedachten Stück darin, gnädig Zu hanthaben mit bit gnädigen bescheits. Datum Sontag Nach aincula petri Anno (2. August 1545)

Die Gemeinde von Langen Abach.

Auch über den Verlauf der Grenze zwischen Breitscheid und Langenaubach bestand längere Zeit Streitigkeiten.

Anno 1544, als Irrung zwischen den beiden Gemeinden, einen „vyhetribt“ belangend, bestanden, waren beide Schultheißen, die von Herborn und Haier, auf Befehl des Grafen im Beisein („biewesen“) beider Gemeinden auf dem Augenschein. Die Alten („Eltesten“), die die Grenze kannten, gingen vor und die Jungen folgten nach, und wo Male von Alters gesetzt waren, diese stehen gelassen, „vnd wo Irtumb gewest, den gestreckt vnd Steine gesetzt“. …
„Agnesen Clas von Breitschit sagt auch vf gethan nicht Er sie Neuntzig Jar alt, vnd gedenck, daß Ermüst (ehrenfest) weilent Juncker Herman Amptman zu Haiger war zu der Zeit die von Breitschit vnd Abach Irer beider marckscheidung halber auch Irtumb gehapt vnd derselbe Amptman Bober (über) dem kalck vff den Hohe (Höhe) gehalten vnd nite eins worden, hab der Amptman Zu den von Abach gesagt, das sie hingingen vnd setzten Styne,wo es Ir wern, haben sie bie den weinborn gegangen, daselbst den ganz angefangen, vnd der born ein mal (Mal), vnd dem born nach zween styne nach einander gesetzt, den Ersten vff der Ruperswiesen (Reppern), der ander bie dem Menginsborne, dieselben Steine man itzt in dissem ganze auch finden.“
1547 „koelhaen“ = Kohlhain, 1548 „am hohebuel = hohen Bühel

Schlichtung der Streitigkeiten (Vertrag) 1546

Ubacher gegen Braitscheitter vertrag Irer gehabten Irrung Ire gemarcken scheidung belangen vffgericht samstags nach Mathei durch gehorsamm befehl vnsers gnädigen Herrn.
In Irungen vnd gebrechen zwischen den gemein langen vbach, clegern an Einem, der gemein Braitscheit Antworer am andern, Ist heut, dato vnten. Irre Irungen vnd Ir thumb, durch den wolgeborenen Herren Hern Wilhelmen, grawen (Grafen) zu Nassaw katzenelnbogen. Eygner person gruntlich besichtigung beschern vnd gegen rede Notturfftig gehort, daruff wolermelter vnser gnediger Herr beschaiden, daß Herman Geckman Rentmeister, Brauer von schonbach Aßman schultheiß zu Heiger die bede gemeinden dieser Irung senner genaden wegen vertragen sollen, daß wir vß schultiger gehorsame getan vnd zu vnß vß (uns) jeder gemein zween man Erfordert, die Ein jede gemein, vnß drien (darin) Obgenante Zuge geben, mit willkorlicher vbergebung, wie wir treffe sie Irrer Irung vortrachen, darbey sol vß ON witerung pliben, vnd forthweher In kein weyt nit ferner gesucht werden, daruff wir sie deß Irthumbs vertragen, vnd hernach benante steine Zu mallen gefast, darnach sie sich alß volgen wirth (wert) Halten sollen, Vnd ist daß erste mal der winborn, daß zweite Ein stein beyvazerts wesen, daß dritte Mal stehet Ein stein beim Mengessborn, von dießen drein Malen An sint bede gemein nit strittig, sonder Einander Irer gemein gebrauch auch Einwart gestendig, so waß oberhalp den stein nach breitscheit zu liget, sol deren von braitscheit wie von Alther Herinnen zu Irem gebrauch pliben, Vnd waß vnterhalp den drein malen liget, sol wie auch von Alther Her, In der Abacher gebrauch pliben….
Ein jede gemein sich daß Irren (ihren) teilß Mengen stuckeß gepruchen, Irreß gefalleß (zur gemeinen Nutzen, mit Hultz, weide vnd nutzungen), Besehen bessemen oder opleß (urlos = mäßig) ligen lassen, doch forther kein teil witer (weiter) In Hecken Raumen oder Roden vnd des (Menges) stuckeß halp(er) so vertragen sein. Formehr alß die Braitscheitter, wollten den mengeßborn da der stein stehet ein Ende mal haben auch iß darfür halten, vnd aber die von Abach deß nit gestendig, sonder zihen sich vff den pat vßhin, biß ann Gißenbachs graben, haben wir foeffe sie derhalp verglichen, Entschaiden, vnd malstein gefast, Nemlich Ein stein Entgegen dem stein beim Mengeß born, In den Orth da daß mengeß stücke windet, da der pat angehet, Item von dem stein vnter halp dem pat, die Hecken vßhien, aber Ein stein stehet bey Eynnem Holtz Im gißenbachs graben, da stehet Ein stein, wiset den graben Inchgen = nach innen, vnd soln die von ubach am gißbachs graben, wie der stein wiset winden, vnd sich freuntlich halten ….
Der Schluß lautet: „vnd soll kein tail Itzo oder konfftig, keinner den andern trangen (bedrängen) Ireren (innen) Noch hindern, bey vermiden (Vermeidung) vnserß gnädigen Herrn vngenad straffe vnd buß, die sein genade, hoch vnd nidder zu dero gefallen, dem verbrechen zu setzen hat, vnd sol dessen vertrag doch In acht vnd crafften pliben, Daß zu vrkunth sint dißer vertrage zwen glich luten geschriben vnd mit wolgemelts vnserß gnedigen Herrn vffgetrutten sekrets = Sekratsiegel = Siegel des gräflichen Sekretariats jeder gemein Eymero vß der Dilnbergischen schriber verfertiget vbergeben gescheen am samßtag Nach Mathei 1546.

Trotz deses „Vertrags“ vertragen sich die beiden Gemeinden weiter schlecht an der Grenze. 1547 bringen die von Ubach klagen vor, „wie das etlich von Breitschit vnser gemeinde vj der ubach gegen dem krelham (Kohlhain) an Iren guetern Ingerumpt vnd Ingenomen, das wir nit haben kont erleiten, Darumb den Schultheißen gerichtsschreibber, vnd Petern den gerichtsknecht dahin vmb Ir belonung bemupt (bemüht). Der Schultheiß vnser gemein der eltesten vf den eidt angenommen, die gemeinde aufzugeen, wie von alters die gepraucht ist worden, das haben sie gethan, vnd die Jungen ihnen nachgegangen, steine gesetzt wie solchs vngeuerlich (ungefähr) vor vier wuchen bescheen, darüber sich die schmits kinder von breitschit nit enthalten, vnd gegen Irer wisen Zween Steine sonder ersuchung des rechten geweltiglich widder aufgeworffen, dan Hetten die Eltesten Ine Zu nagetast (nahe), sollen Sie das bilch mit recht angesucht haben, haben die mangel an den Steinen (etwas daran auszusetzen), mogen sie das lantrecht gegen vnd brauchen, das gnedige Antwort.“
Die Schmidts Kinder antworten unter anderem: “ wo ehun (nun) desse steyn verruckt weren, ist an vnser Zuthun gescheen, mocht villeicht das wasser sie steyn ußgeworffen, oder sonst durch vnser gesind, doch sonder vnsern beuelh (Befehl) oder geheis vngeferlich verruckt wurden. Dan es sind des arts nichts dan Mauren vnd steynhauffen, das wir die margstein (die abwesens vnser gesetzt) nit zu finden wissen. Bitten darumb dienstlich, die clager vnderweisen, vns disser clag Zuerlassen vnd geburlichs insehens zu haben.“
Die Gemeinde Breitscheid beklagt sich 1547, daß die Ubacher Marksteine ungefähr in ihre Güter gesetzt, „vns damit die bach, deren wir zur drenckung vnsers vehes vnd sonst nit entradten kunden, beschlossen, auch vnderstehen sie vns vnser gemeynen platz vnd gutter durch desse steynsetzung abzudringen vnd nach sich Zuzingen.“

1547 klagen Kolben Clegins Kinder:

„Wir haben hiebar gegen die gemeyn von Langenabach einer wiesen halben eim Lutz gins hayn gelegen zu heiger Rechtlich gehandelt, auch dieselbig erstlich am vnder gericht dannach am Oberhoff mit recht erhalten. Es ist auch vnser gnediger her eigner person verschinen (verflossenen) somern vf der wiesen gewest, vnd die einfart abstexner betten Aber das alles sind die beilagten von vbach eigens vornamens Zugefaren, vngeacht voriger besichtigung vnd steynsetzung, drei andere steyn in die wiese gesetzt, vnderstehen vns damit die wiese vnd lebendige hecken, abzudrinen darin wir vns hochlich beschwert finden. Bitten dinstlich vns bei erlangtem urtheil Zu hanthaben“

Christen Thonges von Breidtscheidt führt 1578 folgende Klage: „Wolgeborner Grawe (Graf) gnediger Herr, Wie soll die Irrungen vnd streit, wir gegen die von Langenubach, Güther vnd weidgangs halben am vndergericht zu Dillenberg gepflogen vnd erhalten, Vnd noch in schwebender Appellation bey Euer Gnaden vngeortent hampt, Keinem deil seinen Eigenthumb, denen er uffen Irthumb oder in der andern Marck liegen hatt, Gebed noch Namen kann, So haben doch die Ubacher mir vorm Jar vffen Kohlhein, In meinem eigenthumb, gepfendt, vnd mir Ein Ketten abgenohmen, die sie noch bey sich haben, wie soliches alles beweißlich, hab sie etlich mall vmb Restitution des unbesuchten vnd vnpillichen abgenhommen Pfands beschickt, Kann dessen aber vor schaden von Ihnen nicht vnhig (fähig) werden, wilches mich zulagen verursacht, Vnderthenig pittendt, Die beilagten dahien zu weisen, Mir mein pfandt ohne entgelt aus oder einigen schaden Zu erstatten, mit abtrag kostens vnd schadens, Verhoffen pillich vnd warten gnedigen bescheids.
Datum den 28ten Marty (März) anno 1578

Christen Tonges von Breidtscheidt.

Langenabach sagt um 1545: „die von Breitschit stosent mit keynen gemeinde an vns (d.h. nicht mit Gemeindeland) dan allein mit Iren (ihren) eigne guetern vnd lehen guetern (die sie) von Junckern pulchen haben, daß sie selbst gestanden“

1532. Liebene heren es stehen noch heudtags In unsern dorff 3 bewn die In der Aspenstrut gestanden han, sonder die vergencklich worden seint, Und ist noch ein man in Breitscheit hat ein Thyß (Tisch), der In der Aspenstrut gestandene hat, vnnd was ein bawm da vnser perde hurtteern Ir fhan angehangen haint Zu dem dritten Jahre wan die Aspenstruth vnser pferdeweide waß

Die armen gemein von Breitscheit.

Uff der Heiligenn drey Konig tag Ist fegern Heintzen Hangen vnd Heymannß Jost von Breitscheit vnd Kon Christ von Gosternhain burge wordenn vor die Zwey pferde, als sie vonn Breitscheit gepfannt han vor denn Bruch das die von Gosternhain gethan habenn, In der Aspenstrut
Vnd vor den Kostenn in goltguldenn
B661, Blatt 154             Die iii man seint der gemein borge worden

Nassauischen Zeugenaussagen:

„No 40 vindt man bericht mit H. vertzeyehent wie ine Zieten vrauffen philipsen von katzenelnbogen die von breytscheyt den von gonsternhan Ir kuwe zien der aspenstrut gepfant vnd geyn hoeyer getrieben haben, haben die von gonsternhan neussen vß borgen vnd dar nit meher gen die aspenstrut dreiben dorffen machten die burn eyn vient geschrey lagen die mentpischen vnd andern hern viendt zue Iren dorff jagten noch vnd wart kloppel sein pert mit eyner helmparte gestochen vnd er bur von ime mit eynem pfell geschossen da her syt her aller vnwill komen ist.“ (H. 455, Blatt 13)
Ebenda: „Es haben auch Nassau ine der aspenstrut viell aspen hab laissen heuwen dar vß eyn kalk geprant dar von die kirche zue Erpach vnd medenbach geputt (geputt, geputzt = verputzt) sein worden.“
„seigt auch man viendt ine der driedorffsen lade (Kasten) bericht daß etlich schuwern (Scheuern) Ine der aspenstut gestanden sinnt vf Nassawrischen leiden Zue erpach vnd breytscheyt holtz gehauwen vnd huser der vß gebüt worden.“

Irrungen zwischen Breitscheid und Rabenscheid 1536

Aus dem umfanreichen Aktenheft über die Streitigkeiten wegen der Aspenstrut im Archiv Wiesbaden: B 661, Blatt 164 ff
Wohlgebornner Graw (Graf) Auch Erenwertesten und Achtbarenn Rethe vnnd Bevelhaber = Ehrenfesten Räthe und Befehlhaber (in Dillenburg), Genediger Her, lieberen Jonnkern vnnd gepiether. Vff Martinis vonn der Dannen Kellers zu Dridorffs schrifft an den Stathalter un der Larne vßgangenn, der Datum stehet Dinstags nach Exaude, des lauffenden Jars, zu antwortenn, Thun Euer Gnaden vest vnnd achbarkeit wir vnndertheniglichen vnd dinstlich Zuerkennenn, das die von Rabenscheit sich inn irer clagenn, die sie gedachtenn Keller anbracht, das wir sie des ernanten Montags vß irer vmbfart vnnd gerechtigkeit, mit warehafftiger handt vertrieben, vnnd mit buchssen vnder sie geschossen habenn soltenn, ferrn vnnd weith an der warheitt vergriffen, denn es hat sich desselbigen tags im vndern = Untern, Annern, kann ein Ort sein, wo das Vieh die Mittagsruhe hält, oder auch (wie hier) der Nachmittag begeben, das unser gemeiner Hirt mit unserm vyhe auß gefarenn, in vnnd uff unserm eigen auch Lehen guttern, die wir vergeltenn (des orts die Rabenscheider und wir keyne Zwey tragt gehabt), gehudet, wir meistlich Zu feldt menlichen = jedermann in seiner arbeit, vnd keins argenn besorgt gewest, So habenn sich die Rabenscheiter des muthwillenn nit enthaltenn, sonder mit werrhafftigen hendenn, helnbartenn = Hellebarde = Hieb- und Stoßwaffe, spiessenn vnnd stangen vnsernn hirten vnnd das vyhe angelauffenn, mit helmbartenn vnnd spiessen, Als inenn vnser hirt entlauffenn, vff vnnser ryhe, vnnd des ein deils geschlagenn, das es nun dem hirtenn nit folgenn kann, mussen solichs im dorff den stellen = Ställen, oder vmb die Zeun (Zäune) enthaltenn, solichs ire vbermutigs vnpilligs (unbilliges unrechtes) handelnn hat unser hirt mit geschrey ins dorff bracht, also sein wir menlicher auß seiner arbeit ins dorff gelauffen, in der eyle jeglicher ein gewer (Gewehr) was ine das nehst gewest, ergriffenn, also hinauß gelauffenn, und haben vnser vyhe hart bey mnserm Dorff funden, vnd gesehenn das die Rabenscheiter ihres Dorffs widder gesonnen, wir seyn inen nit gefolgt, haben args mit argem nit vergultenn, darzu ist kein buchsten schoß nach ine gescheen, sie werden auch keinen verletzigtenn darstellen konnen, und were uns derhalb noediger dan inen Zuclagenn, Darumb vnser vnderthenigs vnd dinstlichs bittenn, hierin rechts vor vns zur birthenn, vnd vns vor gewalt Zu beschirmenn, mogen wol leiden das solichs besichtigt, oder daß sach war es sich geburt an ordenlich recht gessalt worde, erfint sich als dann, das wir Itz es gefrewelt so wollenn wir in gepurlich straff nichts tragenn, hoffen dargegen auch vnsers rechtenn, widder zugenissen, vnd bitten das ein gnediges vnd g. antwort, am 16. Juni Anno 1536.

(Darauf ließ sich Rabenscheid wie folgt vernehmen VII A.D.A.: B. 661, Blatt 165, 166) (An den Keller zu Driedorf)
Ehrenfester Juncker lieber her Kelner vff vermeinte angegrunde clage so die von Breitscheit vff vnns gethann Gebenn Euer Gnaden wir daruff in antwordts weiss vnderthenik Zu erkennenn, Zum ersten so die von Breitscheit angezeigt die atzung sie (=sei) vff des wolgebornnen Grawen vnd hernn Wilhelmen grawen Zu Nassaw vnser gnediger herr, oberkeit geschehenn sagen wir, Nein, dan es ist sunder alle mittel vff vnser g.f. vnd heddenn oberkeit gebrechen Geschehen wie sich auff dem augenschein offentlich erfindenn sail Zum andern so haben die vonn breitschiet vergangen Zwei oder drey Jahre mutwillige handlung gewaltsame Thatenn, genug vnnd oberflussig geubt vnnd gebraucht, wilches hiebewehe bey vnsern tagenn nit gewest wirdt auch in keiniger Ampts handlung sich nicht erfundenn kunden wir als die klein verstenndigenn auß was ursache das geschehenn weil erachtenn, Sie habenn gemeint in der Zeit der verpfandung sein mir Zum irbe verkaufft gewest, Vnd so sie die vonn Gosternhain ingehalt hättenn wollenn sie vns auch vntrechliche burrden vffladenn werrn so hochlich sie Zuverclagen nicht geneigt so es aber im rechtenn das mann den fundt in der warheit nicht sparenn sail zugelassenn wirdt woltenn wir der warheit pflegenn Item sie habenn vnsern g.f. vnd hernn die malstadtenn da seiner f.g., Instrument hin Zeigenn abgeschlagenn, darin ein vermuetung seiner f.g. ampt mit gewelt were besser dan heimlich abzubrechenn so wist man sich zu warnenn Item sie habenn vns in der Zeit der verpfandung vnser gehultz bey nacht vnnd nebel abgehwegen woltenn wir also viel narung mir haw nicht nemen das von soliche thaten gehandelt wernn sie muessen Jahe das Jungst kindt sein das sie in keiner Cantzeley verbrechen kundenn Zum drittenn so gesthen mir das mir die haber in einem hellenn lichtenn tag abgeatzt haben vß vrsach das sie vff vnsers g.f. vnd hern von Hessenn gebieten vnnd oberkeit gelgenn ist, vnd in vnserm vrlachs feldt gesehet wiligs herbevor vff die gewonliche Ruhe (Rüge) tage vorbracht vnnd gestrafft ist wordenn.
Zum vierdtenn so heit vnser g.f. vnnd her vß forstlichenn g. willenn ein reformationn genannt die hultze ordnung vßgehenn lassenn darin das man kein mittel gehege oder bitpenn in seiner F.g. landen geduld sal genugsamm angezeigt wirdt, aber von den von Breitscheit vbel (übel) gehaltenn wie sich vff dem augenschein offentlich erfinden sail, Zweiffeln ohne wan wolgemelter vnser gnediger herr vonn Nassaw bey hannde were sein g. solt solichs selbst gnediglich abschaffen.
Zum funfften seint die Strengenn vnnd Erwunstenn Rede vnd Bewelhaber der Cantzlei zu Marprug in Irrungenn der Aspenstrut vff dem augenschein gewest. Dan Zumal auch etliche acker im vrlachs feldt besehet (besäet) gewest wilchs mir angezeigt aber da Zumal bescheit erlanngt man sal dißmals den habornn stehen lassenn vmb das erwunnen gends (erwähnten Grundes) willenn man es aber mehe geschehe soltenn mir uns der altenn freyheiten gebrauchen, Darumb seint die vonn Breitschiet gewarnet gewest. Ist der halber amm E.v. vnser vnderthenig bithe vnd bey vnsernn gnedige Herr von Nassaw Zuentschuldigenn damit mir der altenn prawilegienn oder freyheiten nicht entraubt werdenn woltenn wir vngesparts leibs vnnd guts vnsers geringenn vermogens Zu verdienenn vns fleissigenn Datum mitwoch nach Jakobi Anno …

Gantz gemein Zue Rabenscheit

(Darauf der Keller zu Driedorf an den Grafen zu Dillenburg, inverwardt = beigelegt, als Anlage beigefügt)
Wohlgebornner Gnediger her was ich bey denen vonn Rabenscheit in antwort erlangt hat Euer Gnaden Inverwardt gnediglich Zuvernennen habe ich auch weither denn platz besichtigen lassen, so erfindt sich das die vonn Breitscheit den habern in das berlachsfeldt gesehet hann wie Euer Gnaden bey Euer gnedigen Rentmeister sich f. Zuerkundenn hatt, wernn (wären= wol die von Rabenscheit soliche Verantwerung dem hern Stadthalter vorzuhaltenn geneigt, hait mich aber noch Zur Zeit vonn notten Zu sein nicht gedacht, Ist dahalbenn ann Euer Gnaden mein vonn ampts wegenn vnderthenig bitt bey denen vonn Breitscht der mutwillig clag stille Zusthen g, Zuverschaffenn, sollenn disse vnderfassen Zum rechtenn genug sainn angehaltenn werdenn Gott wolle Euer gnaden in Johann freundenn gefristenn Datum montagk nach Jacobi Anno 1536.

Vnder: Martin von Thann Keller
Zu Driedorff

Ann Graff
Wilhelm vonn Nassau

<< >>

übersetzt von Kornelia Pelz

 

 

zurück zur Geschichte – zurück zum Inhaltsverzeichnis – zurück zur Hausnamenliste – zurück (zuletzt besuchte Seite)