Geschichte

!! Viele Links führen auf die Seite www.alt-breitscheid.de !!

Von dort kommt man zurück, wenn ganz oben „blog“ angeklickt wird.

Geschichtstafel – geordnet nach Jahreszahlen >>

Die Ortschronik von Reinhold Kuhlmann >>

Das Heimatbuch von Reinhold Kuhlmann >>

Eine Ortsbeschreibung Breitscheids in der Schul-Chronik von 1819 >>

Besondere Ereignisse >>

Kriege aus Breitscheider Sicht >>

Die Zeit zwischen 1. und 2. Weltkrieg – Friedenszeit >>

Kriegsopfer-Chronik von Helga Hopf >>

1230-1700 Nassau Urkunden

ANNO DOMINI 1472 – Kein Jahr des Heils für Breitscheid ! >>

1430-1751 Nassau Gemeindesachen und Suppliken von Breitscheid

1728-1800 Nassau Rentenkammer

1743-1872 Nassau Nachlass

Streit der Gemeinde Breitscheid mit den Wollwebern in Biedenkopf um Walkererde im Jahre 1588 >>

Breitscheider Bauernsohn heiratet 1608 eine Apothekerstochter in Herborn >>

Ein Vermächtnis für die Pfarrei Breitscheid 1636 >>

Arztkosten im 30jährigen Krieg >>

Der Verkauf der Kohlenmühle bei Breitscheid im Jahre 1722 >>

Von Breitscheider Dorfstraßen >>

Breitscheider Auswanderer nach Ostpreußen im Jahre 1723 >>

Der Überfall auf den Postwagen bei Kölschhausen 1765 >>

Die Gemeindefinanzen 1769 / 1770 >>

Bauern und Soldaten sollten keinen Kaffee trinken 1775 >>

Rechte und Pflichten der neuen Ortsbürger in Breitscheid vor 200 Jahren >>

Auswanderungen aus Breitscheid im 18. und 19. Jahrhundert >>

Breitscheid im 19. Jahrhundert >>

Häfnergeselle aus Breitscheid flieht 1803 vor der Polizei >>

Die Waterloo-Medaille von 1815 >>

Breitscheider Geschehnisse im 17. Jahrhundert: >>

(„Tyrannische Völker“ als Einquartierung in Breitscheid gegen Ende des 17. Jahrhunderts) >>

(Eine Spende der Kirchengemeinde Breitscheid für den Kirchenbau in Freudenberg im Jahre 1604) >>

Die ersten Öfen in Breitscheid >>

1682: Das Breitscheider Pfarrhaus erhält eine Wasserleitung >>

Der Eid der Pfarrer und Lehrer in Nassau-Dillenburg auf den Landesherrn Napoleon im Jahre 1808 >>

Die kirchlichen Gebäude in Breitscheid im Jahre 1812 >>

Johann Henrich Lang aus Breitscheid >>

Frühe Auswanderer >>

Der „Winkof“ >>

Zur Wortkunde unserer Heimat – Aufklärung dunkler Ausdrücke in der Breitscheider Mundart >>

Wortliste Breitscheider Platt

Der Husarenkorporal Jost Henrich Kolb war der erste Berufssoldat aus Breitscheid >>

Ernst Henn in memoriam >>

Willi Hofmann zum Gedenken >>

Zur Erdgeschichte mit der Erforschung der Höhlen >>

Breitscheid und der Westerwald

Zwischen Lahn, Rhein, Sieg und Dill breitet sich das Hochplateau des Westerwaldes aus. Die abfallenden Ränder des großen Gebietes sind steil und kantig. Im Inneren wellt das Land in einem harmonischen Rhythmus. Der Höhenunterschied zwischen  Wellental und Wellenkamm beträgt im Durchschnitt nicht mehr als 60-80 m, so daß man innerhalb des Gebirges kaum von Bergen sprechen kann. Aber dafür gibt die Harmonie der Linien diesem Land etwas Reizvolles, und der Wald, der vor allem die Rücken bedeckt, verleiht ihm etwas Ernstes und Feierliches. Hinzu kommt die Weite und die herbe Schönheit zu jeder Jahreszeit. Es heißt, daß man von der höchsten Erhebung, der 657 m hoch gelegenen Fuchskaute, bei klarem Himmel 52 und mehr Ortschaften zählen könnte.

Um die Quelle des Erdbaches, der unmittelbar  unter den Höhenrändern des oberen Westerwaldes entspringt und den Ostabhang des Gebirges durchfließt, dehnt sich in einer Größe  von etwa 870 Hektar die Gemarkung B r e i t s c h e i d. Ihr tiefer gelegener, besiedelter und bebauter Teil gehört der mittleren Stufe des Westerwaldes an, wo Weizen und Obst noch gut gedeihen.
Die hochgelegene Viehweide allerdings hat ganz das Gepräge des hohen Westerwaldes. Von drei Seiten ist das Dorf schützend von Gebirgszügen umgeben, auf welchen Hochwald und Schutzhecken stehen.
Mit zunehmender Industrie und Verkehrsdichte hat jedoch Breitscheid  seine einstige Stille und Einsamkeit verloren. Von den früheren  großen Viehherden ist nicht mehr viel zu sehen. Weithin hört man  in den Steinbrüchen und Tongruben das Rattern der Maschinen.

Breitscheid zählt heute(1962) etwa 1700 Einwohner. Im Jahre 1231 wurde es zum ersten Male urkundlich erwähnt als „Bredinscheit“. Dieser Name ist ihm zugefallen, weil es ein breit angelegtes Dorf ist an einer Wasserscheide. Damals scharten sich die Häuser um die Kirche, die als Wehrkirche im gotischen Stil 1309 erbaut worden ist. In dieser Zeit war Breitscheid mit 36 Häusern das größte Dorf im Dillkreis. Später hatten es die Bauern schwer. Grenz- und Weidestreitigkeiten und Pestzeiten verringerten die Einwohnerzahl des Dorfes. Erst im 18. Jahrhundert wurde der alte Stand wieder erreicht und überschritten.

Geologisch bietet die Gemarkung Breitscheid manches Besondere und Bemerkenswerte. Wenige Minuten unterhalb des Dorfes versinkt der Erdbach in den Kalksteinplatten, um nach etwa 20 Minuten unterirdischen Laufes über Erdbach wieder an das Tageslicht zu treten. Reiche Bodenschätze hat Breitscheid aufzuweisen, wie sie auf so engem Raum kaum wieder anzutreffen sein dürften:
Kalkstein, Ton, Basalt, Walkererde, Ocker, Braunkohle. Der Ton gab dem Dorf jahrhundertelang sein besonderes Gepräge. Fast in jedem Haus betrieb man das Töpferhandwerk. Die weiße Erde, der Töpferton, wurde in der Gemarkung gegraben und im häuslichen Betrieb zu Töpfen und Haushaltsgeschirr aller Art geformt. Oft war die ganze Familie in einem solchen Betrieb tätig. Von auswärtigen
Händlern wurde die Ware aufgekauft und auf Märkten und Volksfesten zum Verkauf angeboten. Die Töpfer waren keine reichen Leute, sie hatten nur das Notwendigste zum Leben. Von 1700-1900 war Breitscheid der Mittelpunkt der Häfner (Töpfer). Im Jahre 1900 wurde die Westerwälder Tonindustrie gebaut, und nach und nach gaben die Töpfer ihren Beruf auf. Sie wurden, wie der Heimatdichter und Pfarrer Philippi sagte, zu Tagelöhnern des langen Schornsteins“. Heute übt nur noch ein Töpfermeister sein Handwerk aus. Nach ihm wird es keiner mehr sein. Oft kommen zu ihm Schulkinder und andere Leute, die sehen wollen, wie die „Bratschider Dippcher“ gemacht werden. Sie bewundern dann die Fingerfertigkeit, die dem Krug, der Schüssel oder der Kanne die Form gibt. Wer einmal Jeremia 18, 1 ff. veranschaulicht haben will, der „gehe hinab in des Töpfers Haus“.

Durch den „auf der Hub“ gelegenen Militärflugplatz wurde Breitscheid stark in das Geschehen des letzten Krieges mit einbezogen. Im Jahr 1945 wurde der Flugplatz wiederholt durch
feindliche Flieger angegriffen. Besonders der Bomben­angriff am 11. 3. 1945 brachte große Verluste an Menschen, Gebäuden und Nutzflächen mit sich. Heute sieht man von diesen Schäden nicht mehr viel.
Unsere moderne Zeit hat die Wunden geheilt und auch für Breitscheid manches Neue gebracht. Seinen dörflichen Charakter hat es in den letzten Jahren immer mehr eingebüßt. Große Flächen des einst fruchtbaren Landes liegen brach. Von Jahr zu Jahr geben immer mehr Landwirte ihren Betrieb auf und gehen in die lohnendere Industrie. Dazu bietet sich am Ort die Möglichkeit und auch in den Dörfern und Städten des Dilltales, die mit der Bundesbahn über Haiger und mit dem Bus über Herborn und Dillenburg schnell und bequem zu erreichen sind. Trotzdem haben die Leute hier ihre kraftvolle Eigenart bewahrt. Fritz Philippi schreibt um die Jahrhundertwende von den Breitscheidern – und das gilt für unsere ganze Gegend:
„Die Wildendorner sind wie die Eichenstrünke, die nicht leicht Feuer fangen, die aber Glut halten. So ist es bis heute! Dort oben bei den Wolken wird ein Mensch nicht so schnell vergessen wie ein Handwerksbursche im Niederland. Ich bin doch nicht vergeblich im Hochland gewesen. Ich habe dort sieben Jahre wie Jakob um Rahel gedient, um meine Menschwerdung, und habe viel zu danken.“

( entnommen aus der Festschrift:„50 Jahre Freie evangelische Gemeinde in Breitscheid und auf dem Westerwald 1912 – 1962 )

Moritz Benner an der Töpferscheibe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte erst rechnen! *

interaktives alt-breitscheid