Flurnamen (4)

Ein Gang durch unsere Gemarkung von Breitscheid. (4)

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Aufklärung der Flurnamen und deren Bedeutung, aus der Ortschronik Seite 171-179

Übersetzt aus der alten deutschen Schrift von Hans Henn

an die Höf, d.h. Heeg, Hecke; Die Wiesengründe waren von Hecken eingezäunt, wenigstens nach gefährdeten Seiten zu. Eine Wiese wird bezeichnet; „vor der langen Mauer“. Wir sangen als Kinder: „Schnäjel, streck de Härrner raus, üwer de langk Mauer raus.“      Nun zur Ackerflur. Wenn wir heute unsere schönen, so regelmäßig zum Dorf liegenden Felder überschauen, so trifft unser Blick kaum auf irgend ein Hindernis, eine Mauer oder eine Baumgruppe und gar nicht mehr auf einzeln stehende Bäume. Das Feld ist jetzt fast restlos urbar gemacht. Aber das ist nicht immer so gewesen. Es hat vielmehr eine vielhundertjährige Arbeit unserer Vorfahren dazu gehört (freilich in gemessenen Zwischenräumen), das zu schaffen, was wir heute vor uns haben und gewissermaßen als so selbstverständlich hinnehmen. Niemand hat zu irgend einer Zeit uns etwas über die Urbarmachung unseres Feldes aufgeschrieben; was kümmerte die, die dazu imstande gewesen wären, die kleine Welt des Bauersmannes? Aber unsere Flurnamen reden zu uns. In ihnen grüßt uns eine längst dahingegangene Zeit; dem, der auf sie achtet und sich ihren Sinn lebendig macht, beleuchten sie doch ein wenig das Bild des Feldes in den Jahrhunderten seines Werdens. Es ist anzunehmen, dass unser Feld in der Hauptsache schon gerodet war, als Breitscheid anfangs des 14. Jhrhdts. (1309) als größeres Dorf der Gegend einen besonderen Geistlichen erhielt. Die Randgebiete, wie die „Hell“ Hölle, werden später erst urbar gemacht worden sein. Bis zur Reformation denke ich mir aber unser Feld, besonders die großen Felder, noch recht buntscheckig; die besseren Stellen urbar, dazwischen aber noch viele „Heckelchen und Wüstungen, wohin die Steine der Umgegend zu Mauern zusammen getragen wurden.                                           Mancher Flurname erinnert noch an solche Mauern. Baumgruppen und Strauchwerk bestand noch überall zur Freude der Menschen und Vögel. Dann vielleicht nur noch hier und da wüstliegende Raine und Plätzchen mit einzelnen Bäumen. Nach besonders merkwürdigen Bäumen wurde dann die ganze Gegend genannt.

Im Stockbuch von 1717 steht unter Eckerfeld: „beym Honigbaum“; im Faulfeld; „hunder der Linde“ (wir sagen heute noch für das Gebiet am Schönbacher Weg „uff der Lenn“ im Hochfeld; „beym graßgräunigen birbaum“. Zu irgendeiner Zeit haben dort wirklich diese Bäume gestanden. Der „Dicke Dorn“ lebt heute noch in dem Flurnamen, den Namen gabs auch schon 1717, und wer weiß, wie weit die Zeit zurückliegt, wo der Dornstrauch dort stand. Manche Mauer ist verschwunden, ihr Bestand füllte beim Wegebau die hohlen Wege auf, aber der Name der Mauer kündet noch heute von ihrem einstigen Dasein. Einige Flurnamen weisen in die Zeit zurück, als Breitscheid noch katholisch war, wie z.B. „bey der heiligen Stockes mauer“, oder „hunderm heiligen stock“ 1717; ferner die „Pfarr Leucht Satel“; wahrscheinlich hat ein Breitscheider Einwohner diesen Acker der Kirche vermacht zum Besten der Beleuchtung im Chor in der katholischen Zeit. Wir sahen ja in der Urkunde von 1349,


1/ Auch der Erdbacher Weg im Dorf hieß u. heißt heute noch „hohler Weg“.

2/ Ein ( Satel ) Sadel ist eine Ackerbreite, die vom Sämann auf einmal auf einem Sä= gang besät werden kann. In Breitscheid ist das Wort nicht bekannt; in Uckersdorf sagt man „Sorel“

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Übersetzt aus der alten deutschen Schrift von Hans Henn

Seite 174

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