Flurnamen (8)

Ein Gang durch unsere Gemarkung von Breitscheid. (8)

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Aufklärung der Flurnamen und deren Bedeutung, aus der Ortschronik Seite 171-179

Übersetzt aus der alten deutschen Schrift von Hans Henn

weg die „Säugrefen“ (= Säugräben; wahrscheinlich hat der Säuhirt dort die Säue getrieben). Die Acker östlich vom „Furth“ heißen „auf der Beulige Wies“, diejenigen östlich von der „Beuligen Wies“ heißen „hinter der Beuligen Wies“. Damit sind wir im eigentlichen Eckerfeld. Darin liegt „Sichlingsangewann“. „Sichling“ heißt bei uns die Korngarbe. Der Weg ist auf der Karte bezeichnet, „Weg am Sichling“. Weitere Namen nach Osten zu sind von den Wiesen her bekannt. Aus 1717 seien noch genannt: „vorm heiligen Stock“ (heiligen Stock), liegt im Fildgen in der letzten Gewann vor Flursheeg (heute noch; hellje Stock); „Acker uffm honigbaum“; „Untig Cläß scheyer“ (Scheuer); „vor der heiligen Stockes mauer“; „uff Anna gullen wieß“ (Annagilnwies) (Angela) liegt unterm Siegweg ganz hinten unter Pfaffenrain; „beyem hößellern strich“ (Haselnstrich); „uffm Braunen rain“. Flurnamen im Außenfeld siehe auf Seite 36 dieser Chronik !

Nachbemerkungen. Der Name Heiligenstock wird in einem Emser Hexenprozeß vom Jahre 1629 erwähnt und erklärt. Darin heißt es (Nassovia, Juli 1924); „Auf Stonden (zur Stunde) hete er sie (die Heye Els) bis an dass Helgen Stöckelgen gefürdt. Hett hierauf Gott abgesagt, sich gegen dem Helgenstock- ein Holz darinnen ein Creutz gehauen- wenden müssen, darnieder sie der verineinte Mann, der böse Feindt, mit dem Hindern gestoßen…“ Solche Stöcke oder Holzstämme mit ( eingehauenen) Cristuskreuzen müssen also, da der Name in verschiedenen Gegenden unserer Gemarkung auftritt, mehrfach in unserer Flur vorhanden gewesen sein. Die Menschen sollten immer wieder an die Heilandstat erinnert werden. Es gab auch Heiligenstöcke mit Marien-und anderen Heiligenbildern, wahrscheinlich auch solche mit dem Schutzheiligen der Kirche des Dorfes. (Für Breitscheid der heilige Antonius.) „Elm“ oder „Ilm“ ist wahrscheinlich das Wort Ulme; im Englischen „elm“ geschrieben (Wir sahen, dass das Gelände über Kleingrubenloch „auf der Elm“ geschrieben wird vielleicht von einer Ulme in Kleingruben.) Die „Hofstatt“ (= Hofstätte) befand sich etwas über dem Erdbacherweg in der Mitte des kleinen Feldes „Hinter Flursheeg“. Ob da ein Hof gewesen ist, lässt sich nur vermuten. (Kutschers benannten noch in neuerer Zeit ihren Acker dort, „uff der Hobstatt“.

     Hier mögen nun noch die volkstümlichen Waldnamen angefügt werden, die ja im weiteren Sinne auch als Flurnamen anzusprechen sind. Die Forstbehörde hat diese alten Namen beibehalten als 1890 die Neueinteilung des Waldes in Distrikte erfolgte. Rolsbach, eine kleine dreieckförmige Fläche im Rollsbach. Hickenhain. Kehrein schreibt Heckenhain, das ist falsch; er ist wohl nach den Hicken benannt. (Vielleicht von den Gusternhainern, als der von ihnen aus nach den Hicken zu gelegene Wald ?) Die Nordwestecke von Hickenhain, über dem Steingrund, heißt Eselshecke. Die in den 1870 er Jahren gepflanzte Schutzhecke auf der Hub führt auf der Waldkarte den Namen „Stirn“. Breitstruth ist in 1923 in seinem westl. Teile abgeholzt worden und ist dieser Teil in der Zeit der Geldentwertung sozusagen verloren gegangen für Breitscheid. Pfaffenrain soll ursprünglich Medenbacher Wald gewesen und von
diesen

Nachtrag: Tiergarten:
Das unser Wiesengrund dieses Namens einmal ein herrschaftlicher Tiergarten war, in welchem das Wild für die Hofjagten besonders gehalten wurde, erhellt vielleicht aus einer Angabe in den Dillenburger Kellerei-Rechnung, wonach Thönges Groß (um 1640) mit der Aufsicht über den Tiergarten beehrt wurde und dafür ein jährliches Gehalt erhielt. Nachdem ich dieses hier eingetragen hatte, erhielt ich erst den genauen Wortlaut. Siehe folgende Seite. Ausgifft allerhandt:Tönjus Großen haben Ihre Gnaden (der Graf) verehrt dass er 2 Jahre auf den Thiergarten acht geben; 6 Gulden 16 Albus. Wahrscheinlich handelt es sich um den Dillenburger Tiergarten, bei Donsbach, denn Tönges Groß zog erst 1642 von Donsbach nach Breitscheid. Siehe darüber die Abschrift einer Urkunde des Stadt Archivs auf Seite 349 dieser Chronik. „Verkürzt.“


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Übersetzt aus der alten deutschen Schrift von Hans Henn

Seite 178

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