Flugplatz-Planung

1. Planung und Bau

Nach der Überführung der Reichswehr („Hunderttausend-Mann-Heer“) in die nach der Machtübernahme Hitlers neu gegründete deutsche Wehrmacht wurde im Geheimen durch die militärische Führung auch an der Aufstellung neuer Luftstreitkräfte gearbeitet.

Diese waren nach dem Versailler Vertrag für das Deutsche Reich seit 1918 nicht mehr erlaubt. Erste Piloten für diese zukünftige Teilstreitkraft wurden schon in den 30erJahren des vergangenen Jahrhunderts u.a. in der Sowjet-Union unter dem Tarnnamen „Verkehrs-Luftfahrzeugführer“ ausgebildet. Für die Aufstellung von fliegenden Verbänden brauchte man die erforderliche Infrastruktur und für den geplanten Einsatz fliegender Waffensysteme im Kriegsfall die notwendigen Flugplätze in großer Anzahl. Diese sollten möglichst unauffällig und der umgebenden Natur angepasst außerhalb größerer Ballungsgebieten liegen. Insgesamt waren rund 250 solcher Flugplätze in Deutschland geplant.

So kam im Herbst 1935 im Auftrag des Landrats in Dillenburg der Kreisbaumeister Röver mit einigen Offizieren und Beamten des Luftgaukommandos Münster zum Bürgermeister Robert Bechtum nach Breitscheid und eröffnete ihm, dass der Plan bestünde, in der Gemarkung Breitscheid einen Flugplatz anzulegen. Bürgermeister Bechtum wehrte sich gegen dieses Vorhaben, zumal auf dem dafür vorgesehenen Gelände „Auf der Hub“ erst in den vergangenen Jahren unter großem Einsatz der Breitscheider Viehbesitzer und der Beschäftigung vieler damals arbeitsloser Männer eine Melioration (landwirtschaftliche Bodenverbesserung) durchgeführt worden war.

Die weitere Besprechung ergab, dass ein Widerstand gegen diese Pläne zwecklos war, denn die Anlage des Flugplatzes war seitens der Behörden bereits eine beschlossene Sache. Der Gemeinde wurde aufgegeben, mit dem Kreis einen Vertrag abzuschließen, der diesen berechtigte, auf der Breitscheider Viehweide „Auf der Hub“ eine sogenannte „Musterviehweide“ (Tarnbezeichnung für den Flugplatz) anzulegen unter der Maßgabe, dass dabei die in der Gemeinde vorhandenen Arbeitslosen beschäftigt würden. Ebenfalls wurde vereinbart, dass über den Graswuchs auf dem zukünftigen Flugplatz die Gemeinde verfügen kann.

Für die Anlage des Flugplatzes wurde folgendes Gelände benötigt:

  • 60 Morgen privates Wiesengelände, welches die Gemeinde in den 1890er Jahren an Breitscheider Einwohner verkauft hatte. Dieses musste wieder zurückgekauft werden, wofür die Gemeinde vom Deutschen Reich ein Darlehen über rund 17.000 Reichsmark erhielt.
  • 45 Morgen Ackerland, das die Gemeinde vor einigen Jahren an Breitscheider Einwohner pachtweise abgegeben hatte.
  • Der größte Teil der links (südlich) der Straße nach Rabenscheid gelegenen Viehweide (das sogenannte „Kielgärtchen“).
  • Ein kleiner Teil des Walddistrikts „Hickenhain“.

Zudem fielen dem Flugplatzbau verschiedene, einige Jahre zuvor auf der Viehweide neu gepflanzte Schutzhecken zum Opfer.
Auch aus den Gemarkungen Erdbach und Rabenscheid wurde Gelände für den Flugplatz in Anspruch genommen.

Im Januar 1936 kam der leitende Beamte, dem die Bauarbeiten unterstanden, und schon bald darauf kamen auch verschiedene Baufirmen mit Baggern, Lokomotiven, Wagen, Gleisen und sonstigem Gerät sowie ihre Stammarbeiter. Auf der Hub entwickelte sich unter der Federführung der Baufirma Hoch-Tief AG nun ein reges Treiben in Tag- und Nachtschichten.

Zur Anlage des Flugplatzes musste die Straße Breitscheid – Rabenscheid weiter nach Norden verlegt werden, ebenso der Luftschacht der Braunkohlengrube „Phönix-Glück-Auf“ der Westerwälder Thonindustrie. Das nach dem Barstein ansteigende Gelände wurde abgetragen und nach der neuen Straße zu aufgeschüttet, damit der Platz möglichst eben werden konnte. Der früher über die Viehweide nach Heisterberg führende unbefestigte Fahrweg fiel dadurch ganz weg.

Am Rande des Flugplatzes wurde ein Wohnhaus (das sogenannte „Kommandanten-Haus“, jetzt Wohnhaus Heinrich Frank) erbaut, dazu in der Nähe mehrere große landwirtschaftlich genutzte Gebäude (heute Firmensitz und Lagerstätte der Fa. FRAGU). Diese dienten – neben der landwirtschaftlichen Nutzung des Flugplatz-Geländes – auch dem Anschein, dass es sich bei dem neuen Flugplatz doch um eine „Musterviehweide“ handeln könnte. Unterhalb dieser Gebäude entstanden eine größere Anzahl von Baracken, dazu ein Wasserbehälter mit Pump-Station, der durch eine besondere Wasserleitung aus der Braunkohlengrube gespeist wurde.

Die Bauarbeiten nahmen etwa zwei Jahre in Anspruch. Im Frühjahr 1938 waren Rollfeld und Startbahn fertiggestellt, mit Erde überdeckt und mit einer besonderen Grasmischung eingesät, so dass die Gemeinde, der die Grasnutzung zugesprochen worden war, bereits im Juni das erste Heugras verkaufen konnte. Dieses fand unter den Landwirten in Breitscheid und Umgebung reißenden Absatz und war so reichlich und qualitativ gut, dass zeitweise der auf dem Flugplatz anfallende Graswuchs von den hiesigen Landwirten gar nicht alle abgenommen werden konnte.

von Manfred Thielmann

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