Flugplatz-Heute

3. Der Fluglatz nach 1945 in der Nachkriegszeit und heute (30)

Nach dem Kriege war die Versorgungslage für die Bevölkerung auch auf dem Lande schwierig. Deswegen ging die Gemeinde Breitscheid bereits im Sommer 1946 daran, das Flugplatzgelände für die landwirtschaftliche Nutzung neu einzuteilen. Zirka 30 ha der Fläche blieben der Grünlandnutzung vorbehalten und etwa 15 ha wurden für den Kartoffel- und Getreideanbau ausgewiesen. Wer ein Grundstück bewirtschaften wollte, musste zunächst mithelfen, die vielen Bombentrichter zu beseitigen. Keine leichte Arbeit, wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit nur „Hacke und Schippe“ zur Verfügung standen. Doch diese Mühen wurden gerne in Kauf genommen, galt es doch, zusätzlich Naturalien zum bescheidenen Lebensunterhalt der Familien beisteuern zu können.
Im Laufe der nächsten Jahre – und vor allem nach der Währungsreform im Jahr 1948 – besserten sich die Lebensverhältnisse wesentlich und so ließ das Bestreben merklich nach, auf dem Flugplatz Kartoffel oder Getreide anzubauen. Als dann auch Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe erheblich zurückging, gab es kaum noch Nachfragen nach Wiesenflächen und so entschloss sich die Gemeinde, die gesamte Flugplatzfläche langfristig an einen Aussiedlerhof, der als Grünlandbetrieb im Jahr 1973 seine Tätigkeit aufgenommen hatte, zu verpachten

Die durch Bombenabwurf teilweise beschädigten früheren Wirtschaftsgebäude am Ostrand des Flugplatzes wurden schon kurz nach dem Kriege wieder instand gesetzt und dienten einer Firma, die die damals in der Damenwelt sehr begehrten Nylonstrümpfe herstellte, als Fertigungsstätte. Nach Einstellung der Produktion übernahm der Gusternhainer Unternehmer Heinrich Frank diese Gebäude und baute dort unter dem Namen FRAGU einen florierenden Baustoffhandel und Bauzubehör-Markt auf, der heute noch von seinen Söhnen geführt wird.

Am Rande des Flugplatzes an der Straße nach Rabenscheid etablierte sich schon in der Mitte des letzten Jahrhunderts die Baumschule Werner, die hier in der Höhenlage des Westerwaldes seit damals und immer noch eine Anzucht von Forst-, Hecken-, Zier- und Nutzgehölzen betreibt sowie Aufforstung und Landschaftspflege anbietet.

Neben der landwirtschaftlichen Nutzung nach Ende des Krieges ist auch die Entwicklung des ehemaligen Militärflugplatzes zu einem bedeutenden Verkehrslandeplatz interessant. Schon Anfang der 1950er Jahre gab es Bestrebungen einiger Luftsportinteressenten aus Haiger, auf diesem Gelände Flugsport zu betreiben. Gleich nach Aufhebung des Verbots jeglicher luftsportlicher Betätigung in der Bundesrepublik begann im Jahr 1952 ein kleines Häuflein luftsportlicher Enthusiasten mit dem Aufbau eines zivilen Flugbetriebs. Aller Dinge Anfang war der Eigenbau eines Segelflugzeugs, welches mit umgerechnet 60 Euro Materialkosten hergestellt und mittels Windenstart auf der Hub in die Luft gebracht wurde. Aus kleinsten Anfängen heraus entwickelte sich diese Schar zu einer weit über den hiesigen Raum hinaus bekannten Luftsportgruppe, die später neben dem Segelflug durch Ankauf einmotoriger Sportflugzeuge auch den Motorflug betrieb. Im Laufe der Jahre gelang es dann der Luftsportgruppe Breitscheid-Haiger, international besetzte und renommierte Flugtage auf die Beine zu stellen. Zu diesen Großveranstaltungen kamen stets viele tausend Besucher und erlebten immer luftsportliche Akrobatik auf höchstem Niveau. Selbst militärische Flugzeuge mit Strahltriebwerken aus Deutschland und anderen NATO-Staaten haben am Himmel über der Hub ihre Kunststücke gezeigt und auch ein Großraum-Transporter wie die TRANSALL der Luftwaffe ist ein häufiger Gast auf dem Breitscheider Flugplatz.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass nach Gründung der Bundeswehr im Jahr 1956 Pläne der Bundesregierung geschmiedet wurden, im Rahmen des Aufbaus der neuen Luftwaffe den ehemaligen Einsatzhafen wieder militärisch zu nutzen. Diesbezügliche Anträge an die Gemeinde erfolgten in den Jahren 1959 bis 1962, aber in der Gemeindevertretung fanden sich keine Mehrheiten für dieses Vorhaben, so dass das Bundesverteidigungsministerium letztlich diese Absicht aufgab.

Mit der Gründung der Firma Motorflug Breitscheid GmbH (jetzt „Westerwald-Flug GmbH“) im Jahr 1958 auf dem Flugplatz erfuhr der Flugbetrieb eine wesentliche Belebung, denn diese Firma bildet nicht nur angehende Sportflieger-Piloten aus, sondern führt auch Geschäfts- und Rundflüge aus. Später kamen auch gewerbliche Betriebe auf die Hub, so hatte ein Helikopter-Hersteller hier seine Dependance mit Wartung und Instandsetzung eingerichtet und eine Flugzeugwerft nahm Wartungs- und Reparaturarbeiten an Flugzeugen vor. Heute setzt die Firma Gomolzig Flugzeug- und Maschinenbau diese Arbeiten fort. Die Luftsportgruppe baute Hallen zur Unterstellung ihrer Flugzeuge und einen Kontrollturm (Tower) zur Wahrnehmung der Luftaufsicht.

Vor und nach der Jahrtausendwende kamen noch Fallschirmspringer dazu, die in dem Fallschirmsportring Westerwald ihrem Sport nachgehen und mit ihren Absprüngen aus großer Höhe sowie den teils gewagten Flugmanöver mit ihren Gleitschirmen sicher eine große Attraktion für die vielen Zuschauern am Rande des Flugplatzes darstellen.

Bereits kurz nach dem Krieg eröffnete der Breitscheider Paul Eichmann in der ehemaligen Wachbaracke am Eingang des Flugplatzes einen Flaschenbierhandel, um die auf der Hub in der Landwirtschaft tätigen Bauern mit Getränken zu versorgen. Später erweiterte sein Sohn Kurt den Ausschank durch den Bau eines festen Gebäudes als Gaststätte, welche bis heute noch als Speisegaststätte besteht und von einem neuen Besitzer geführt wird.

Aber im Rahmen der Baumaßnahmen am Flugplatz wurde in den 1960er Jahren auch hier eine Gaststätte mit Terrasse eröffnet und bietet bis heute den zahlreichen Besuchern, die vor allem am Wochenende den Aktivitäten auf dem Flugplatz ihr Augenmerk widmen, mit Speisen und Getränken eine gepflegte Gastlichkeit. Zudem wurde in unmittelbarer Nähe Mitte der 1970er Jahre ein Flugsport-Hotel gebaut, welches Unterkunft für Besucher und Gäste, aber auch Wanderer vom nahen Rothaarsteig und Westerwald-Steig anbietet.

Überhaupt ist der Flugplatz schon deswegen ein beliebtes Ausflugsziel, weil von hier aus viele ausgeschilderte Wander- und Nordic-Walking-Wege ausgehen. Der Skiclub Breitscheid unterhält seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts am Rande des Platzes eine bewirtschaftete Ski-Hütte, von der aus Wintersportbegeisterte die bestens gespurten Langlauf-Loipen über 3, 5 und 9 km Länge nutzen können.

Bereits kurz nach dem Krieg eröffnete der Breitscheider Paul Eichmann in der ehemaligen Wachbaracke am Eingang des Aber auch die in den letzte Jahren sehr populär gewordene Sportart Nordic-Walking zieht viele Bewegungswillige zu allen Jahreszeiten auf die Hub und der Skiclub verfügt jetzt dank einer vorbildlichen Streckenwahl und -ausschilderung über ein zertifiziertes Nordic-Walking-Zentrum im Hessischen Westerwald.

Heute, im Jahr 2010, ist der Breitscheider Flugplatz nicht nur eine Stätte zur Ausübung des Flugsports mit allen seinen Varianten Segelflug, Motorflug (neu auch Ultraleichtflug) und Fallschirmsport, sondern auch ein Anlaufpunkt für bewegungsfreudige Menschen und Besuchern, die einfach nur ihre Freizeit gestalten wollen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, innerhalb und außerhalb der Flugplatzgrenzen sich gestalterisch zu betätigen. Jung und Alt treffen sich hier und genießen die Westerwälder Höhenluft, die Natur und die Freizeitmöglichkeiten, die die Einrichtungen auf und um den Flugplatz herum bieten.

So ist aus einem Fliegerhorst, der einst ausschließlich zu kriegerischen Zwecken gebaut und betrieben wurde, eine Gewerbe- und Freizeiteinrichtung geworden, die friedlichen Vorhaben dient und ein bedeutendes Naherholungsziel für weite Teile der Bevölkerung in der heimischen Region ist.

Quellenverzeichnis:

  • Internet: Breitscheid und Allgemein
  • Ortschronik Breitscheid, Verfasser: Reinhold Kuhlmann
  • Festschrift 750 Jahre Breitscheid
  • Geschichtsverein Herborn, Rainer Klug: Der Luftkrieg im Dillkreis
  • Recherche Mario Isack, Hellenhahn
  • Jochen Prien, Peter Rodeike: Jagdgeschwader 1 und 11, Teil 3
  • Dr. Christian Möller: Die Einsätze der Nachtschlachtgruppen 1, 2 und 20 an der Westfront von September 1944 bis Mai 1945
  • Befragung von Zeitzeugen
  • Eigene Unterlagen

Verfasser:
Manfred Thielmann

Datum: März 2010

von Manfred Thielmann

 

Inhaltsverzeichnis Flugplatz – zurück zum Fliegen – zurück zum Sport – zurück zur Karte – zurück zur Liste – zurück (zuletzt besuchte Seite)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte erst rechnen! *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.