Flugplatz-Belegung

2. Militärische Nutzung und Belegung im 2. Weltkrieg (20)

Der Flugplatz war während des gesamten Krieges nur zeitweilig belegt. In den ersten Kriegsjahren waren dort Verbindungsflugzeuge stationiert, die von Kommando-Stäben der Luftwaffe in Anspruch genommen wurden. So waren wenige Messerschmitt Me (Bf) 108 (Taifun), eine einmotorige viersitzige und unbewaffnete Maschine, sowie einige einmotorige dreisitzige Fieseler Fi 156 (Fieseler Storch) auf dem Flugplatz vorhanden. Die Fi 156 war extrem kurzstart- und landefähig, so dass ein solches Flugzeug auf den Steingrund-Wiesen (rechts des Gusternhainer Weges) landen konnte. Eine Fieseler Storch tauchte im Jahr 1944 auf der Hub auf, die eine besondere Berühmtheit erlangt hatte: Es war die Maschine, mit der am 12. September 1943 der italienische Diktator Benito Mussolini aus der Internierung auf dem Gran Sasso nach seiner Befreiung ausgeflogen wurde. Das Flugzeug trug zur Erinnerung an diese fliegerische Meister-Leistung und der damit gelungenen Befreiung des italienischen Diktators Mussolini aus der Hand der Aufständischen am Rumpf das damalige italienische Staatswappen.

Nach der Landung der alliierten Streitkräfte in der Normandie und während deren anschließendem Vormarsch durch Frankreich auf die deutsche Grenze zu wurde der Flugplatz in Breitscheid im Rahmen der Reichsluftverteidigung zu einem Einsatzhafen (E-Hafen) der Luftwaffe, der Leithorst für Breitscheid war Wiesbaden-Erbenheim. Am 15. September 1944 verlegte die II. Gruppe des Jagdgeschwaders 11 unter ihrem Kommandeur Hauptmann Karl Leonhard mit 30 ( oder mehr, da diese Stärke am 02.10.1944 gemeldet wird und bis dahin bereits 15 Maschinen verloren gingen) Höhenjägern des Typs Messerschmitt Bf 109G-14/AS von Gymnich, westlich des Rheins, nach Breitscheid. Der Geschwader-Stab des JG 11 befand sich zu dieser Zeit in Finsterwalde und verlegte zwei Tage später nach Gütersloh.

Die II. Gruppe JG 11 mit dem Restkommando der III. Gruppe des Jagdgeschwaders 1 (JG 1) verlegte komplett mit Stab, 4 Staffeln und der Technik nach Breitscheid. Später kamen im Transit-Verkehr noch moderne Jagdflugzeuge vom Typ Focke Wulf Fw 190 vorübergehend auf den Flugplatz. Zur Unterstellung und damit zum Schutz gegen Sicht aus der Luft wurden die Flugzeuge in Boxen abgestellt, die durch die Zivilbevölkerung an einem Sonntag im August 1944 in die Schutzhecke geschlagen wurden. Weitere Splitterboxen wurden am nördlichen Rande des Barstein in den Felsen geschlagen – und sind dort heute noch sichtbar. Ein Teil der Flugzeuge war auch auf der Alten Rheinstraße im Wald oberhalb vom Buchlindenrain unter hohen Buchen getarnt abgestellt.

Die für den Waffeneinsatz der Flugzeuge notwendige Munition lagerte in den betonierten Bunkern, die seinerzeit am Fußpfad nach Rabenscheid („Kirchenpfad“) gebaut worden waren und mit Bewuchs gegen Luftsicht geschützt wurden.
Während der Liegezeit der II. Gruppe/JG 11 in Breitscheid befand sich die Feldwerft zur Instandsetzung und Prüfung der Flugzeugmotoren in einer kleinen Lichtung auf der Höhe des Walddistrikts Hickenhain, unmittelbar an der Straße Breitscheid – Gusternhain.

Die Versorgung der Gruppe mit Flugbenzin erfolgte durch Kesselwagen, die von der Reichsbahn im Behelfsbahnhof Breitscheid (Stauerswies) angeliefert wurden.

Mitte September 1944 wurde die ohnehin schon angespannte Kraftstoffversorgung der Flugzeuge durch die Bombardierung der Hydrierwerke in Deutschland äußerst prekär und ließ nur noch knappe Flugzeiten der Verbände zu. Hans Jung, seinerzeit als Leutnant Flugzeugführer in der 5. Staffel JG 11, erinnerte sich an eine bemerkenswerte Begebenheit aus dieser Zeit: (Auszug aus dem Buch „Jagdgeschwader 1 und 11, Teil 3“ von Prien & Rodeike )

Die ersten Versorgungsmängel machten sich bemerkbar. Als der Nachschub an Flugbenzin ins Stocken geriet, machten wir uns Gedanken, ob und in welcher Weise wir hier in eigener Zuständigkeit Abhilfe schaffen könnten. So brachten wir in Erfahrung, dass sich in Dülmen bei Münster ein großes Treibstofflager befand. Nach entsprechender Vorbereitung wurden zwei Unteroffiziere und ich mit der Eisenbahn in Richtung Westfalen in Marsch gesetzt. Im Gepäck führten wir alles mit, was wir an Fliegersonderverpflegung – wie Schokakola und Zigaretten, aber auch Cognac und andere hochprozentige Getränke – aus unseren eigenen französischen Beständen auftreiben konnten. Wir kamen reich mit Geschenken beladen, wie die Könige aus dem Morgenland, in Dülmen an. Wir bekamen mehr Sprit auf die Schienen, als wir zu hoffen gewagt hatten und machten uns wieder auf den Weg nach Breitscheid. Die beiden Unteroffiziere begleiteten mit dem Rest unserer Reichtümer die herausgehandelten Kesselwagen und sorgten dafür, dass diese bei jedem Rangieraufenthalt wieder schnellstens an den nächsten Zug angekuppelt wurden. Ich rollte unterdessen im Bewusstsein „freudig erfüllter Pflicht“ mit dem nächsten Zug in Richtung Lünen – Dortmund wieder nach Breitscheid zurück.

In Wahrnehmung der Luftvereidigung des Reiches griffen die deutschen Jagdfliegerverbände vorrangig die alliierten Bomber-Verbände an, die in großen Pulks in das Reich einflogen und ihre Bombenlast über Städte und kriegswichtige Ziele abwarfen. Als am 17. September 1944 das größte Luftlande-Unternehmen des gesamten Krieges durch Absetzen von 35.000 Mann britischer und amerikanischer Luftlandetruppen im Raum Eindhoven – Arnheim – Nimwegen begann, wurde ab dem 18. September 1944 die II. Gruppe des JG 11 von Breitscheid aus in Holland gegen erwartete weitere Luftlandeverbände und auch gegen Truppenbewegungen in der Landezone eingesetzt.

Diese Einsätze erfolgten auch in den nächsten Tagen, bis es am 6. Oktober 1944 zu einem folgenschweren Zusammentreffen über dem Breitscheider Flugplatz mit US-Jagdflugzeugen kam.: (Auszug aus dem Buch „Der Luftkrieg im Dillkreis„, GV Herborn, Rainer Klug, vorher erwähnt bei Prien & Rodeike.)

Die II. Gruppe JG 11 war am Morgen um 10.06 Uhr zu einem Einsatz über dem Westraum gestartet, der offenbar ohne besondere Vorkommnisse verlief. Der US-Funkabhördienst hatte unterdessen den Funksprechverkehr der Gruppe vor der Landung in Breitscheid aufgefangen und daraufhin eine Thunderbolt-Gruppe (P-47) der 368th Fighter Group, die sich in der Nähe befand, auf den Einsatzhafen der II./JG 11 angesetzt, um die deutschen Jäger nach Möglichkeit noch bei der Landung oder gleich danach auf dem Boden, wenn sie am verwundbarsten waren, anzugreifen. Als die P-47 über dem Platz von Breitscheid erschienen, fanden sie dort – nach eigenen Angaben – rund 50 Messerschmitts auf dem Platz vor, während zwei weitere Maschinen gerade im Landeanflug waren. Sofort stürzten sich die Amerikaner auf den Platz, den sie von allen Seiten“ beharkten“ und dabei eine Messerschmitt nach der anderen in Flammen aufgehen ließen, bis am Ende neun Maschinen zerstört und weitere fünf erheblich beschädigt waren. Auch die beiden gerade herein landenden Me 109 wurden angegriffen – eine davon wurde vom Staffelführer der 6./JG 11, Leutnant Walter Köhne, geflogen. Dieser hatte noch versucht, unter Aufbietung aller ihm bekannten Tricks und Schliche, den P-47 zu entkommen, musste aber dennoch zahlreiche Treffer einstecken, die dann seine Maschine in Brand setzen. Mit viel Glück gelang ihm eine Bauchlandung bei Greifenstein, bei der seine Maschine in zwei Teile zerbrach, und Glück war es auch, dass die nachfolgenden Tiefangriffe der P-47 auf die notgelandete Maschine ihn unverletzt entkommen ließ.

Insgesamt wurden nach deutschen Angaben bei diesem Angriff 14 Maschinen zerstört. Zudem erlitten der Obergefreite Hans Rittscher von der Stabsstaffel und der Unteroffizier Hermann Beckmann von der 5./JG 11 schwere Verwundungen, woran beide auch einen Tag später im Reservelazarett Herborn verstarben.

Die US-Amerikaner hatten nun den Platz entdeckt und der Erfolg vom 6. Oktober war ihnen noch nicht genug. Am folgenden Tag, dem 7. Oktober 1944, erschienen in aller Frühe wieder US-Jagdbomber über der Hub und griffen den Flugplatz erneut an. Die inzwischen in die Abstellboxen eingestellten Flugzeuge der II./JG 11 wurden aus der Luft angegriffen und größtenteils durch Bordwaffen-Beschuss zerstört. Ebenfalls warfen die Amerikaner diesmal ca. 20 Bomben ab, wobei auch das Küchengebäude zerstört wurde. Damit war der Flugplatz für eine längere Zeit nicht mehr benutzbar und die Reste der II. Jagdgruppe des Jagdgeschwaders 11 wurden danach aus dem Einsatz gezogen und nach Gahro in die Niederlausitz verlegt. Reinhold Kuhlmann, der damalige Breitscheider Chronist, berichtete in der Ortschronik darüber:

Der erste Angriff auf unseren Flugplatz fand am Nachmittag des 6. Oktober 1944 statt. Der Himmel war heiter und die Dorfleute waren am Kartoffelausmachen. Vom Äckerfeld aus hatten sie den besten Blick auf den Himmel über dem Flugplatz. Als nun gegen ¾4 Uhr einige unserer Flugzeuge vom Feindflug zurückkehrten, haben die sie verfolgenden feindlichen Flieger gesehen, wo die Deutschen niedergingen und dadurch den Flugplatz entdeckt. Es wird aber auch erzählt, die Feinde seien den Unsrigen schon von Holland aus nachgefolgt. Etwa aus der Richtung von Nordosten kamen die feindlichen Flugzeuge in kurzen Abständen direkt auf den Flugplatz zu und beschossen ihn mit den Bordwaffen.

Die Leute im Dorf liefen zum Teil in die Stollen, andere gingen in die Keller oder Ställe unter den Heustoß. Bauern auf dem Felde versteckten sich so gut sie konnten in Kartoffelgebüsch, Sträuchern und unter den Kuhwagen. 16 feindliche Flugzeuge hatten den Platz angegriffen und dabei in erster Linie mit ihren Bordwaffen auf die deutschen Flugplätze geschossen, die in der Nähe des Platzes in Splitterboxen unter Tannen getarnt abgestellt waren. Dabei sollen auch Maschinen zerstört oder beschädigt worden sein.

Am folgenden Morgen, gegen 11 Uhr, erfolgte ein erneuter Angriff auf den Flugplatz. Diesmal hörte man schwere Einschläge, also wurden Bomben abgeworfen. Der Angriff dauerte nur 12 Minuten und dann zogen die feindlichen Flugzeuge wieder ab. Über die Schäden wurde im Dorf nichts bekannt.

Nach Abzug der II. Gruppe des Jagdgeschwaders 11 wurde gegen Ende des Krieges nach provisorischer Instandsetzung der Infrastruktur am und auf dem Platz nochmals die 3. Staffel der Nachtschlachtgruppe 2 (NSGr 2) mit ihren Flugzeugen nach Breitscheid und auf den Flugplatz Lippe verlegt. Es handelte sich um modifizierte Sturzkampf-Bomber (Stuka) vom Typ Junkers Ju 87, Version D3 und D5. Dieses in den ersten Jahren des 2. Weltkrieges beim Feind sehr gefürchtete und erfolgreiche Flugzeug war vielseitig einsetzbar, aber inzwischen den modernen Jagdflugzeugen der Amerikaner hoffnungslos unterlegen. Die Stukas hatten am Tage keine Chance mehr, gegen die feindliche Luftüberlegenheit zu bestehen. Deswegen wurde die Staffel vorwiegend nächteweise gegen die anrückenden alliierten Heeresverbände eingesetzt, um durch Bombenabwurf und Bordwaffen-Beschuss die deutschen Truppen zu entlasten. Einsatzraum war der Remagener Brückenkopf. Für die Nachtflüge wurde der Breitscheider Flugplatz 1944 mit einer behelfsmäßigen Landebahnbefeuerung ausgestattet, die bei Flugbetrieb kurzfristig eingeschaltet wurde.

Die ersten Maschinen trafen am 7. März 1945 in Breitscheid ein, in den nächsten Tagen folgten weitere. Beim Überführungsflug einer Ju 87 von Fritzlar nach Breitscheid wurde das Flugzeug von der eigenen Flak über Dillenburg abgeschossen und stürzte ins Stadtgebiet, wobei der Pilot und der Bordfunker ums Leben kamen.

Bei dem Bombenangriff am 11. März 1945 auf die Flugplätze Breitscheid und Lippe blieben die dort vorhandenen Flugzeuge vermutlich weitestgehend verschont, denn die NSGr 2 meldete am Abend noch 43 Ju 87 in ihrem Bestand und zudem 43 Besatzungen. Nach einem verheerenden Jabo-Angriff auf den Flugplatz Lippe am 14. März 1945 verlegten Teile der 3. Staffel NSGr 2 nach und nach zu anderen Flugplätzen, die noch einen Flugbetrieb zuließen.

Am Samstag, den 24. März 1945 setzten die Amerikaner (8.USAAF) 1.033 B-17 Bomber gegen 14 Flugplätze der deutschen Luftwaffe in Westdeutschland ein, die ca. 3.000 t Bomben abwarfen. Am späten Nachmittag starteten zudem über 400 schwere US-Bomber zum Angriff auf die Flugplätze der Nachtschlachtgruppen, um diese Bedrohung des Vormarsches der alliierten Truppen durch diese Verbände auszuschalten. Vier anzugreifende Flugplätze, darunter auch Breitscheid, waren aufgrund abgefangener Funksprüche als Angriffsziele ausgemacht worden. Besonders Breitscheid sollte von den amerikanischen Bombern angegriffen werden. Kurz vor dem Einsatz fand man jedoch heraus, dass die 3. Staffel der NSGr 2 auf den Flugplatz Ziegenhain verlegt hatte, weshalb dieser Flugplatz kurzfristig als neues Ziel anstelle von Breitscheid festgelegt wurde.

Damit entging Breitscheid wiederum einer großen Katastrophe, die zusätzliches Leid, Tod und Not für die Bevölkerung bedeutet hätte. Denn bereits am 11. März 1945 war der Breitscheider Flugplatz Ziel eines Bombardements, welches viele Menschenleben kostete und großen Sachschaden anrichtete.

Im März 1945 traf nun Breitscheid und Gusternhain das durch den Flugplatz heraufbeschworene Verhängnis: US-Bomberverbände griffen den Flugplatz massiv an und warfen ihre Bombenlast ab. Der Breitscheider Chronist, Lehrer i.R. Reinhold Kuhlmann, berichtet auch darüber wie folgt:

Am 11. März 1945 erlebte die Bevölkerung der Dörfer Breitscheid und Gusternhain den schwersten Fliegerangriff im Kriege. Das war ein Krachen im und ums Dorf, veranlasst durch die vielen abgeworfenen Bomben. Es sollen 232 Einschläge allein in der Breitscheider Gemarkung gezählt worden sein. Wären diese alle in das Dorf abgeworfen gefallen, dann wäre wohl kaum ein Haus stehen geblieben. Trotzdem wurden alle Gebäude mehr oder weniger beschädigt; besonders hart war der Ostrand des Ortes (Hüttenweg, Medenbacher Weg, das Fildchen bis zum Erdbacher Weg, die Landstruth, die Stauerswiese) getroffen worden. Das war ein Bild des Jammers, was sich nach dem Angriff den Leuten bot.

Ein schreckliches Bild der Verwüstung war in Gusternhain zu sehen. Dort waren viele Häuser vernichtet und es kamen auch mehr als 20 Menschen ums Leben.

Auch in Breitscheid waren Menschenleben zu beklagen. Ein Sohn des Heinrich Albert Kolb (Heinz Kolb) hatte am Fenster des Wohnzimmers gestanden, er erlitt einen Lungenriss und musste sein junges Leben lassen. Die Nachbarsfrau, Wilhelm Thielmann Ww. (Rosine Thielmann) wurde unter den Trümmern verschüttet, ebenso ein Sohn von ihr (Walter Thielmann). Nach dem der fürchterliche Angriff vorüber war und die feindlichen Flieger weiter geflogen waren, wurden sofort alle arbeitsfähigen Männer zu Aufräumungsarbeiten aufgerufen, um noch Vermisste zu suchen. Nach langer anstrengender Arbeit wurde die Witwe Thielmann aus den Trümmern ihres Hause geborgen, jedoch als Tote; ihr Sohn Walter war noch am Leben. Ein besonders erwähnenswertes Erlebnis hatte die Familie der Frau Anna Weber Ww. (am Medenbacher Weg): Sie hatten in einer kleinen Ecke des Kellers Zuflucht gesucht und gefunden. Nach einem Bombeneinschlag in unmittelbarer Nähe waren alle Familienangehörige wie durch ein Wunder unversehrt geblieben, obwohl das ganze Haus eine Trümmerstätte geworden war.

Recht lange Zeit war nötig, um die Trümmer wegzuräumen, sowie die beschädigten Ortsstraßen wieder gang- und fahrbar zu machen. Anfangs haben dabei viele Menschen geholfen, nach und nach versagte diese Hilfe mehr oder weniger (leider!).
Die Tage und Wochen nach dem verheerenden Bombenangriff verbrachte die Breitscheider Bevölkerung weitgehend in den Stollen der Tongrube.

Auch ein Soldat, der zum Zeitpunkt des Luftangriffs auf dem Weg zur Essenseinnahme in der Gaststätte Otto Kolb war (dort hatte sich die Wehrmachts-Küche nach der Zerstörung des Küchengebäudes auf dem Flugplatz am 7. Oktober 1944 eingerichtet), berichtete über sein Erlebnis wie folgt:

Als ich zum Mittagessen in die Gaststätte unterwegs war, hörte ich plötzlich das dumpfe Rollen der amerikanischen Martin B-26 Marauder-Bomber. Kurz darauf ging ein Bombenhagel über Breitscheid nieder. Die Wolkendecke hing tief, und die Maschinen flogen kaum 500 Meter hoch. Ich war beim Beginn des Bombardements bereits auf der oberen Außentreppe des Gasthofs, wurde durch den Luftdruck ins Haus geschleudert und flog gegenüber gleich durch die offene Kellertür die Kellertreppe hinunter.

Was war geschehen? Nach US-Unterlagen sollten die Flugplätze Breitscheid und Lippe durch Mittelstrecken-Bomber angegriffen und durch Bombenabwurf unbenutzbar gemacht werden.

66 B-26-Bomber Marauder der 394th und 397th Bomber Group (BG) wurden auf den Flugplatz Breitscheid angesetzt. Dabei kam es infolge der geschlossenen Wolkendecke, die über dem Flugplatz lag, zu einem verhängnisvollen Zielfehler. Die 33 Bomber der 397th BG mit 259 Bomben zu je 225 kg verfehlten das Ziel und trafen Gusternhain. Die Bomber der 394th BG warfen ihre Bomben über Breitscheid und einem Teil des Flugplatzes ab. In Breitscheid starben bei dem Angriff drei Personen (zwei Bewohner und ein Soldat), in Gusternhain kamen 22 Bewohner ums Leben und auf dem Flugplatz ein Soldat und eine Zivilangestellte.

Bei dem verheerenden Bombenabwurf verwendeten die Amerikaner auch Zeitzünder-Bomben, die noch Stunden nach dem Angriff nach und nach explodierten. Zudem sind auch einige Bomben gar nicht explodiert und liegen heute noch als Blindgänger unter der Erde.

In den Zeiten der Nichtbelegung des Breitscheider Flugplatzes mit fliegenden Verbänden wurden die dort vorhandenen Liegenschaften von der Hitler-Jugend genutzt. In den Baracken und Wirtschaftsgebäuden auf dem Flugplatz wurde ein Wehrertüchtigungs-Lager (WE-Lager) eingerichtet, in dem männliche Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren von abkommandierten Soldaten der deutschen Wehrmacht auf ihre zukünftige Verwendung als Soldaten vorbereitet wurden. Die Pflicht-Lehrgänge dort dauerten wenige Monate und wurden von den Teilnehmern als ausgesprochen hart bezeichnet. In ihrer knappen Freizeit halfen die Jugendlichen den Breitscheider Landwirten bei der Feldarbeit und wurden von diesen dann auch gut mit Lebensmitteln, die damals schon knapp waren, versorgt.

Der Einsatzhafen Lippe (heute Siegerland-Flugplatz) wurde ebenfalls am 11. März 1945 von US- Bombern und nochmals am 14. März 1945 von US-Jagdbombern angegriffen.

Am 11. März 1945 warfen die Bomber 696 225kg-Sprengbomben ab und am 14. März 1945 zerstörten die P-47-Thunderbolt-Jabo der 36th und 404th US-Fighter Group 24 Flugzeuge des Typs Ju 87 (Stuka) der Nachtschlachtgruppe 2 am Boden. Zwei US-Jagdbomber gingen dabei durch Zusammenstoß in der Luft verloren und ein drittes US-Flugzeug wurde von der Lipper Flugplatz-Flak abgeschossen. Der Flugzeugführer konnte mit dem Fallschirm abspringen und geriet einige Tage später in Kriegsgefangenschaft.

Als sich die alliierten Truppen immer mehr der Heimat näherten, wurde der Flugplatz von letzten Flugzeugen geräumt und die Flugplatz-Kommandantur sprengte in der Nacht vom 26. auf 27. März 1945 mittels eingegrabener Bomben die Start- und Landebahn, aber auch die Lagergebäude und den Wasserbehälter. Nach dem Einmarsch der Amerikaner sprengten diese zuletzt noch die Munitionsbunker-Anlage am Fußpfad nach Rabenscheid und damit war das Ende der militärischen Nutzung des Einsatzhafens Breitscheid gekommen.

Der Einmarsch der Amerikaner begann zunächst mit einer Vorhut am 28. März 1945, denn am Abend dieses Tages tauchte der erste Kampfverband von Gusternhain kommend am Eingang zum Flugplatz auf und stieß dort auf Widerstand durch Beschuss. Die US-Soldaten zogen sich wieder zurück und setzten am nächsten Tag ihren Vormarsch fort. Der damalige Breitscheider Chronist Reinhold Kuhlmann beschreibt den Einmarsch der Amerikaner in der Ortschronik wie folgt:

Am 28. März 1945 tauchten die ersten amerikanischen Verbände am Breitscheide Ortsrand auf. Einen Tag später ergoss sich eine Lawine amerikanischer Panzer von Gusternhain kommend über das Dorf; sie verfolgten das deutsche Militär weiter nach Osten. Eine kleine Besatzung verblieb im Dorf und richtete eine Militärregierung ein. Damit war der Krieg für die Breitscheider Bevölkerung zunächst beendet. Die deutschen Truppen konnten dem Feind keinen nennenswerten Widerstand mehr leisten und kapitulierten am 8. Mai 1945 bedingungslos.
In der Zwischenzeit haben hiesige Bewohner und solche aus den Nachbarorten den Flugplatz auf der Hub aufgesucht und alles, was an Lebensmitteln, Stoffen oder irgendwie brauchbarem noch vorhanden war, sich angeeignet. Manche sollen sogar ganze Wagenladungen abgefahren haben. Von den Gebäuden wurden Türen, Fenster, Bretter und noch viel brauchbares Material geholt. Es war sehr zu bedauern, dass die Ortspolizei diesem Treiben nicht Einhalt gebieten konnte.
Es hat noch lange gedauert, bis alle Munition und gefährliche Kriegsgegenstände, die noch in der Gemarkung verstreut lagen, eingesammelt oder unschädlich gemacht waren. In der Zwischenzeit hat es mehrmals Unglücksfälle durch Unachtsamkeit oder grobe Gleichgültigkeit gegeben. So wurde die Familie des kurz vorher verstorbenen Emil Georg schwer getroffen: zwei Schulbuben (Sieghard und Ernst) kamen durch eine Explosion ums Leben, sie wurden neben ihrem Vater beerdigt. Ein anderer Schulbub wurde schwer verletzt. Bei weiteren Explosionen wurde ein junger Mann schwer verletzt und später ein älterer Herr getötet.

>> (Flugplatz-Tagebuch)

von Manfred Thielmann

 

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