Bombardierung 7

ler Angst schaute ich dann zu meinem Elternhaus und sah, dass Haus und Scheune zwar noch standen, beide Dächer jedoch abgedeckt waren. Auch das Gemeindehaus der Freien evang. Gemeinde war völlig zerstört und das Dachgerippe des Hauses Enners stand senkrecht auf der Straße. Als ich plötzlich das Geräusch der Flieger wieder hörte, rannte ich voller Panik in Richtung Erdbach los. Außerhalb des Dorfes bemerkte ich seltsame runde Löcher in der Straße, die sich später als Einschlaglöcher von Zeitzünder-Bomben entpuppten und deren Inhalt auch später noch explodierte. In der „Gasseschlucht“ versteckte ich mich zunächst unter einem Felsen, während die Flugzeuge über mich hinweg donnerten und Kurs auf Gusternhain nahmen. Danach setzte ich meinen Weg zum Erdbacher Steinbruch fort, wo sich die Bevölkerung (meist Frauen und Kinder) in und um den dortigen Luftschutzstollen versammelt hatte. Bei meinem Anblick erschreckten viele, weil, wie ich erst später im Spiegel feststellen konnte, mein Gesicht schwarz und blutverschmiert war. Nach und nach trafen noch einige Breitscheider Familien beim Schutzstollen ein. Wegen der Zeitzünder blieb ich noch bis zum Abend bei einer Erdbacher Familie, ehe ich den Heimweg antrat.“

Friedhelm Hild hat uns als Augenzeuge sehr eindrucksvoll geschildert, was viele Breitscheider Einwohner seinerzeit unmittelbar erlebt haben. Ich selbst war zum Zeitpunkt des damaligen Geschehens zehn Jahre alt und am Tage des Bombenabwurfs bei meiner Oma in Erdbach. Auch wir sind nach Abklingen der Explosionen, die in Erdbach deutlich zu hören waren und die Häuser erschütterten, sofort zum Luftschutzstollen im Erdbacher Steinbruch gelaufen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die gesamte Familie des Lehrers Welcker in großer Panik dort eintraf. Ihre Gesichter waren -wie bei Friedhelm Hild- durch den Pulverdampf der ex-plodierten Bomben schwarz gefärbt. Sie hatten im Keller der Schule den Angriff überstanden und waren sofort nach dessen Ende über den Erdbacher Weg und die dort detonierenden Bomben mit Verzögerungszünder in den Steinbruch gelaufen, wo sie äußerlich unversehrt ankamen. Wie sie berichteten, war das Schulgebäude nicht eingestürzt, obwohl -wie sich später herausstellte- 16 Bomben rund um die Schule eingeschlagen waren. Jedoch habe sich das Gebäude, wie bei einem schweren Erdbeben, gehoben und gesenkt und es seien Leitungsrohre im Keller geplatzt.

Wenn man versucht, ein Fazit dieses Bombenabwurfes auf Breitscheid zu ziehen, so muss man trotz der drei Toten und der großen Sachschäden feststellen, dass unser Dorf -im Gegensatz zu Gusternhain- einigermaßen verschont blieb. Es ist nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Bombenangriff an einem Werktag erfolgt wäre. Zur Zeit des Angriffes wäre Schulschluss gewesen und die meisten Kinder, zu denen ich auch gehört hätte, waren auf dem Heimweg. Wir wären mitten in die detonierenden Bomben gelaufen! Selbst der Aufenthalt im Schutzraum der Schule hätte bei einer rechtzeitigen Alarmierung unter den dort anwesenden Kindern sicher eine Panik ausgelöst.

Auch hätten die auf Breitscheider Gemarkung abgeworfenen 259 Bomben zu je 10 Zentnern ausgereicht, den Ort auszulöschen, wenn die bebaute Orstlage getroffen worden wäre. Und das durch die später detonierenden Bomben mit einem Zeitzünder nicht weitere Breitscheider Einwohner getötet oder verletzt wurden, weil nach dem Ende des Angriffes viele Menschen kopflos umherirrten, grenzt ebenfalls an ein großes Wunder. Breitscheid ist mit einem blauen Auge davon gekommen und darf dieses heute noch dankbar, aber auch mit einem ehrenden Erinnern an die Opfer des 11. März 1945 zur Kenntnis nehmen.

Bearbeitet von Manfred Thielmann, Breitscheid-Erdbach

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