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Die evangelischen Geistlichen in Alt-Breitscheid

Ernst Henn

In den 424 Jahren zwischen 1536 an 1960, auf welchen Zeitraum die nachstehende Aufstellung sich erstreckt, sind an der Kirche zu Breitscheid 46 evangelische Geistliche tätig gewesen. Je nach ihrem kirchlichen Rang und den Sprachgewohnheiten ihrer Zeit werden sie in Urkunden, Akten, Pfarr- und Kirchenbüchern aufgeführt als Kaplan, Pastor, Pfarrer, Prediger oder Vikar. Lebensbeschreibungen von allen zu bringen, ist nicht möglich; über manche, wissen wir zu wenig, und für das, was von anderen bekannt ist, würde der Raum hier nicht ausreichen. Damit aber in dem Verzeichnis nicht nur Jahreszahlen und Namen erscheinen, ist jeweils in wenigen Sätzen Wissenswertes aus Leben und Dienst der Genannten beigefügt.
Klammert man die Vikarzeit“ (1830 – 1846) mit acht Vikaren als
Pfarrverwalter in 16 Jahren aus, dann errechnet sich die durchschnittliche
Dienstzeit der Pfarramtsinhaber auf mehr als zehn Jahre. Das ist
für eine früher nicht besonders gut besoldete Stelle
kein schlechter Durchschnitt und bestätigt ein allgemein
gutes Verhältnis zwischen der Gemeinde und den Pfarrern.
Drei von ihnen sind hier im Dienst und zwei im Ruhestand gestorben,
zwei schieden vorzeitig aus dem Amt; die andern wurden in Pfarrämter
der näheren oder weiteren Umgebung versetzt, meist in klimatisch
günstiger gelegene Orte.

Nun das Verzeichnis in zeitlicher Reihenfolge:

1536 – 1541 und 1546 – 1582 Jakob Ebersbach

Der erste evangelische Kaplan in Breitscheid war auch derjenige, welcher am längsten hier im Dienst gewesen Ist. Er erreichte ein sehr hohes Alter und machte im Reformations
jahrhundert den viermaligen Glaubenswechsel im Dillenburger Land mit. Während der fünf Jahre seiner Abwesenheit wurde die hiesige Kapelle wahrscheinlich vertretungsweise von Herborn oder von Nachbargemeinden aus betreut. Von einer festen Besetzung in dieser Zeit ist nichts bekannt, (Siehe auch S, 11/12 dieser Schrift).

1582 – 1586 Michael Schnadius

Als Gehilfe für seinen Vorgänger hierhergekommen, löste er diesen noch im gleichen Jahre im Amt ab, wurde aber nach vierjähriger Dienstzeit entlassen. Er hatte hier die Witwe eines Driedorfer Pfarrers geheiratet. Nach seiner Absetzung zog er mit Frau und Kindern in seinen Heimatort Ingelheim.

1586 – 1594 Johann Herbst

Der zuletzt in Herborn tätig gewesene Kaplan kam nach Breitscheid, um gleichzeitig die hiesige und die Medenbacher Kapelle zu betreuen. Er nannte sich hier Pastor und wurde der erste Kirchspielpfarrer von Breitscheid. Im Jahre 1594 starb er und hinterließ eine Frau mit sieben unversorgten Kindern.

1594 – 1605 Wendelin Gudelius

Sein Heimatort war Schweppenhausen bei Bingen. Von Herborn aus, wo seine erste Frau herstammte, hatte er den Kaplansdienst in Beilstein versehen, ehe er in Breitscheid Pfarrer wurde. Ein von ihm geschriebenes ausführliches Verzeichnis des Vermögens und der Einkünfte der Pfarrei ist im Pfarrarchiv noch vorhanden. Er war anschließend Pfarrer in Ballersbach, wo er 1622 (auf dem Weg nach Herborn) starb. Seine zweite Frau wurde 1635 bei der Eroberung Dillenburgs durch Mansfeld’sche Soldaten erschossen.

1606 – 1615 Jakob Sommer

In anderen Pfarrerverzeichnissen – auch in der Orts Chronik wird er nicht erwähnt; erstmals ist sein Name 1607 in einem Pfarrbuch genannt („Dominus Jakobus Sommerus“). Nach der Matrikel der Hohen Schule Herborn war Hadamar sein Heimatort.

1615 – 1622 Joachim Hermannus

Dieser Pfarrer, der aus Straßburg stammte, war ein Bruder des Professors und Kircheninspektors Johann Jakob Hermannus, mit dem er in der Literatur zuweilen verwechselt wird. Auf einem Gang über Land will Joachim Hermannus zwischen der Hühnerkaut bei Breitscheid und dem Elgersberg bei Schönbach mit dem Teufel disputiert haben (Pfarrbuch I Breitscheid: „Disputatio cum Satana. . .“). 1622 ging er nach Schönbach; dort starb er 1636 an der Post.

1622 – 1636 Gottfried Heidfeld

Der in Driedorf geborene Sohn des Pfarrers und späteren Professors Johannes Heidfeld kam von Ebersbach hierher. Die Notzeit des 30jährigen Krieges, dazu Pest und Hexenprozesse, haben sein Leben und seinen Dienst hier besonders erschwert. Pfarrer Heidfeld war anschließend Lehrer am Pädagogium in Herborn und später auch Professor an der dortigen Hohen Schule. Er starb 1658 als Pfarrer in Haiger.

1636 – 1647 Henrich Wissenbach

Nach seiner Vertreibung aus Rödgen bei Siegen, als 1636 in einem Teil des Siegerlandes die katholische Konfession wieder eingeführt wurde, brachte er seine Familie in die Stammheimat Wissenbach, wo im gleichen Jahr zwei seiner Kinder starben. Er selbst übernahm zunächst ohne Familie Ostern 1636 die freie Pfarrstelle in dem kriegszerstörten, pestverseuchten und innerhalb von zehn Jahren halb ausgestorbenen Breitscheid. Hier legte er die verlorengegangenen Kirchenbücher neu an, ordnete nach den großen Bevölkerungsverlusten die Rechte und Einkünfte der Pfarrei wieder und hatte viel Mühe mit der Instandsetzung der schwer beschädigten Kirche und mit der Weiterführung des unter seinem Vorgänger begonnenen Pfarrhaus Neubaues. In seiner nächsten Pfarrstelle, Fleisbach, ist er 1667 gestorben.

1647 – 1654 Johann Philipp Hofius

Sein Heimatort war Laasphe im Wittgenstein’schen. Nach der Kirchenrechnung des Jahres 1647 wurde seine Einführung ins hiesige Pfarramt besonders aufwendig gefeiert, obwohl der 30jährige Krieg noch nicht zu Ende war und die Breitscheider Bauern sich eben erst verpflichtet hatten, dem neuen Pfarrer Hand und Spanndienste zu leisten, was damit zum ersten mal geschah. Pfarrer Hofius ging von hier nach Dillenburg, war später auch noch in Ulm bei Beilstein und in Ballersbach.

1654 – 1657 Justus Brandenburger

Von diesem Pfarrer wissen wir nur, dass er vorher Kaplan in Haiger war und nachher
Pfarrer in Hohenhain wurde.

1658 – 1660 Johann Justus Sartorius

Der Sohn des damaligen Pfarrers von Schönbach wurde nach zweijähriger Amtszeit in Breitscheid Diakon bei seinem Vater und 1675 dessen Nachfolger. 1702 starb er in Schönbach.

1660 – 1697 Johann Jakob Theodorici/Ludovici

Seinen Geburtsort Elsoff bei Mengerskirchen, wo Großvater und Vater Pfarrer gewesen waren, musste er als Fünfjähriger verlassen, als der Vater nach der Rekatholisierung der Grafschaft Hadamar 1630 aus seinem Amt vertrieben wurde. Johann Jakob führte bis 1664 den Familiennamen Theodorici nach seinem Großvater, dann nannte er sich Ludovici wie sein Vater. Er hatte 14 Kinder, von denen acht früh starben, davon sechs in Breitscheid. Von 1697 an lebte er hier im Ruhestand und starb 1704. Im Pfarrarchiv sind noch viele Notizen von ihm über Abgaben und Pfarrerbesoldung vorhanden.

1697 – 1714 Johann Michael Wehler

Er war in zweiter Ehe Schwiegersohn seines Vorgängers, was die Amtsnachfolge erleichterte und dem alten Pfarrer Ludovici den Verbleib im Breitscheider Pfarrhaus bis an sein Lebensende ermöglichte. Pfarrer Wehler hat acht Kinder hier begraben müssen. Er wurde 1714 nach Schöneberg im Hachenburg’schen versetzt, wo er 1735 gestorben ist.

1714 – 1724 Johannes Konrad Hein

Von ihm ist nur bekannt, dass er nach zehnjähriger Amtszeit in Breitscheid erblindete und nach Uckersdorf zog, wo seine Frau Besitz hatte. Dort ist er 1733 gestorben und in der Kapelle begraben worden.

1724 – 1736 Johann Georg Groos

Sein Vater war der aus einer alten Breitscheider Familie stammende Bauer, Gasthalter und Gerichtsschöffe Peter Groß (so!) in Driedorf. Da die Geschichte der Familie Groß/Groos genau erforscht ist, kann hier etwas ausführlichen über den 1696 geborenen späteren Pfarrer berichtet werden.

Johann Georg Groos studierte von 1712 ab in Herborn und wurde 1717 Gehilfe seines Schwiegervaters, Johann Wilhelm Sartorius, in dessen ausgedehnter Driedorfer Pfarrei. Einige Jahre versah er den Dienst an der Kapelle Rabenscheid und wird deshalb in den Driedorfer Kirchenbüchern bis 1723 „p.t. pastor Rabenscheidiensis“ derzeit Pastor in Rabenscheid) genannt. Als 28jähriger kam er 1724 nach Breitscheid. Einige Jahre später wurden wahrscheinlich auf seine Veranlassung größere Bauarbeiten an der Kirche ausgeführt. Sein 1731 verstorbenes Söhnchen wurde im Chor neben der Kanzel begraben.
Vor seiner Versetzung nach Schönbach hat Pfarrer Groos ausführlich die Rechte und Einkünfte der Pfarrei Breitscheid aufgezeichnet. Zu seiner Zeit sind auch die Pfarrgrundstücke zum ersten mal vermessen worden. 1745 wurde er Oberpfarrer in Ebersbach. Dort ist er 1750 an einem Schlaganfall gestorben und in der Kirche begraben worden.

1736 – 1738 Johann Philipp Manger

Außer einem Eintrag im Sterbebuch ist hier nichts weiter von ihm bekannt. Dort heißt es:
„1738, den 30, Juli, ist der wohlehrwürdige und wohlgeehrte Herr Johann Philipp Manger, Prediger zu Breitscheid, bei volkreicher Versammlung zu seiner Ruhe gebracht worden. Er ist begraben im Chor vor des Schulmeisters Stuhl. Der sel. Herr Pfarrer hat gelebt beinahe 49 Jahre, als Prediger zu Breitscheid gestanden beinahe zwei Jahre …“

1738 – 1745 Johannes Fuchs

Er war aus Kann bei Siegen und ein Jahr lang Pagenhofmeister auf dem Schloss zu Dillenburg gewesen, als er 30jährig Pfarrer in Breitscheid wurde. „Unter dessen Besorgung und Aufsicht wird 1744 die Breitscheider neue Schule gebaut“, heißt es In einem Pfarrbuch. Nachher war er fast 40 Jahre Pfarrer in Schönbach.

1745 – 1751 Johann Gottfried Jüngst

Der geborene Herborner kam von Laasphe, wo er Hilfsprediger war, und wurde anlässlich einer Visitation von dem Kircheninspektor Dr. Johann Henrich Schramm hier eingeführt. Als Junggeselle hielt er sich für die Landwirtschaft einen Knecht. Er wurde 1751 Pfarrer in Driedorf und 1763 Oberpfarrer in Burbach; dort starb er 1769.

1751 – 1763 Johann Christian Hintzpeter

In einem Breitscheider Pfarrbuch ist vermerkt, dass er aus Heiligenborn stammte und „Feldprediger bei dem hochlöblichen III. Bataillon Seiner Hoheit des Prinzen von Oranien-Nassau in den Niederlanden“ gewesen war. Eintragungen in den Kirchenbüchern lassen die Strenge des gewesenen Militärpfarrers erkennen. 1758 wurde sein 16 Tage altes Söhnchen in der Kirche begraben. Pfarrer Hintzpeter war später in Driedorf und in Haiger; er starb 1804.

1763 – 1769 Friedrich Wilhelm Frankenfeld

Er war in Diez geboren und vor seiner Breitscheider Amtszeit Kaplan in Dauborn. Nachher wurde er Pfarrer in Herborn, wo er 1778 „an der Kolik“ starb.“

1769 – 1778 Johann Justus Cunz

Sein Vater war Schulmeister in Niederscheld, er selbst zunächst „lnformator“ (Lehrer und Erzieher) am Waisenhaus in DilIenburg, dann 2. Pfarrer in Ebersbach. In Breitscheid starb 1770 seine Frau nach einjähriger Ehe. Pfarrer Cunz schreibt in seinem Tagebuch, das sich jetzt in einem Dillenburger Archiv befindet: „ihre Ruhestätte ließ ich ihr, damit jeder Ver wandte sie leichter finden könnte, auf hiesigem Kirchhof vor dem Turm anweisen.“ Er heiratete wieder und ging später nach Bicken, wo er auch gestorben ist,

1778 – 1780 Johann Jakob Schepp

Ehe er nach Breitscheid kam, war er Kaplan in Dauborn und Konrektor in seiner Heimatstadt Diez. Die hiesige Stelle verließ er schon nach zweieinhalb Jahren und wurde Pfarrer in Neukirch auf dem Hohen Westerwald.

1780 – 1799 Jakob Konrad Schmidt

Als Sohn eines Präzeptors am Pädagogium in Herborn wurde er zunächst ebenfalls Lehrer an dieser Schule. Nach acht Jahren trat er seine erste und einzige Pfarrstelle in Breitscheid an. Hier starb er im Alter von 57 Jahren an der „Auszehrung“ (so im Sterbebuch).

1800 – 1812 Heinrich Wilhelm Christian Jousseaume

Auch er war der Sohn eines Präzeptors am Herborner Pädagogium und einige Zeit dort Lehrer. Seine Frau, eine geborene Jüngst aus Herborn, war die Witwe des Hoheschul-Apothekers Halfmann. (Sommerschule 1808) (Eid auf Napoleon)

1812 – 1830 Karl Wilhelm Westerburg

Er stammte aus Dillenburg, wo sein Vater Kanzleibeamter war. Mit einer kranken Frau, einer Schar Kinder, einer Dienstmagd und mit vielen Schulden belastet kam er von Oberholzklau im Siegerland hierher. Schon im ersten Jahr seiner hiesigen Amtszeit pachtete er eine Walkererde Grube und betrieb diese nebenbei, um seine Einnahmen aufzubessern, da ihm ein Drittel seines Gehaltes zur Schuldentilgung gepfändet war. Pfarrer Westerburg ging 1830 vorzeitig in den Ruhestand, den er anfangs hier, dann in Dillenburg und zuletzt bei seinem Sohn, einem Pfarrer im Taunus, verlebte. In Kettenbach ist er 1843 gestorben. Während seines Ruhestandes (und noch einige Jahre nachher) wurde das Pfarramt Breitscheid von Vikaren verwaltet. Sein Schwager wohnte als Pfarramtskandidat bei ihm

1830 – 1835 Anton Wilhelm Jakob Mencke

Der erste Pfarrverwalter stammte aus Schwickertshausen bei Camberg. Er hatte anfangs keinen leichten Dienst, da mancherlei Versäumnisse seines Vorgängers aufzuholen waren und die Kirchenchronik elf Jahre rückwirkend geschrieben werden musste. 1835 heiratete er eine einer früheren Konfirmandinnen, die 16jährige Anna Margarethe Schmidt aus „Jörje Haus“, Tochter eines Kirchenvorstehers. Zuletzt war er Dekan in Marienberg.

1835 – 1838 Friedrich Wilhelm Schellenberg

Obwohl der von Heftrich gekommene Vikar recht streng und bei manchen unbeliebt war, beantragten die Kirchenvorsteher von Breitscheid, Medenbach und Rabenscheid nach einem Jahr (allerdings ohne Erfolg) bei der Kirchenbehörde, dass ihm die hiesige Pfarrstelle „definitiv“ übertragen würde. Ende 1836 verweigerte er das kirchliche Begräbnis für eine Frau aus Rabenscheid, die einen anstößigen Lebenswandel geführt hatte; die Beerdigung wurde dann von der Pfarrei Driedorf vorgenommen. Vikar Schellenberg wurde von hier nach Okriftel im Taunus versetzt; Nachkommen von ihm waren später Kaufleute in Herborn

1838 – 1842 Ludwig Hatzfeld

Der Sohn des Pfarrers in Nenderoth war fünf Jahre Privatvikar ohne Gehalt in Driedorf und hatte dort wie er schreibt sein Vermögen verzehrt, ehe er nach Breitscheid kam. Von hier ging er nach Bicken.

1842 Emil Caesar

Nur drei Monate hielt dieser Vikar, der aus Alpenrod bei Hachenburg stammte, in Breitscheid aus. Weil das Pfarrhaus nicht mehr bewohnbar war, bekam er eine Wohnung bei dem Kirchenvorsteher Joh. Henr. Schmidt.

1842 – 1844 A. Dieffenbach

Aus seiner zweijährigen Dienstzeit ist nichts Besonderes bekannt geworden. Nicht einmal seinen Vornamen kennen wir, da er immer nur den Anfangsbuchstaben geschrieben hat. Vikar Dieffenbach wurde Ende des Kirchenjahres 1844 nach Walsdorf bei Idstein versetzt.

1844 – 1845 Gustav Raven

Der Pfarrerssohn aus Lutterhausen im Hannover´schen hält den Rekord der kürzesten Dienstzeit in Breitscheid. Knapp zwei Monate, von Dezember bis Januar, war er hier; dann ging er als Vikar nach Dillenburg.

1845 – 1846 Heinrich Thies

Er war der Sohn des Oberförsters von Schönbach und noch unverheiratet, als er im Alter von 34 Jahren Pfarrverwalter in Breitscheid wurde. In anonymen Briefen versuchten „Ortsbürger“, ihn bei der vorgesetzten Behörde zu verleumden; man warf ihm Trunksucht und Dienstvernachlässigung vor. Aber die Kirchenleitung hielt zu ihm, und seine Versetzung als Pfarrer nach Hirzenhain geschah nicht wegen der Anschuldigungen, sondern weil er für die Übertragung eines Pfarramtes an der Reihe war.

1846 – 1847 Friedrich Cunz

Dieser „Kandidat“ aus Herborn kam hierher als Platzhalter für den Pfarrer Hatzfeld in andes hinaus bekannt geworden. Er starb
Bicken, der noch auf die Fertigstellung des neuen Breitscheider Pfarrhauses wartet,-
Mit seiner Versetzung nach Grävenwiesbach endete die mehr als 16jährige Vikarzeit
in Breitscheid.

1847 – 1854 Ludwig Hatzfeld

Auf Wunsch des Kirchenvorstandes kam der frühere hiesige Vikar als Pfarrer wieder, für da, Dillkrei,“, Jhrg. 1969, Dillenburg.
nachdem das Pfarrhaus bezugsfertig war. Im Revolutionsjahr 1848 war er einige Monate Landtagsabgeordneter in Wiesbaden. Seine nächste Stelle erhielt er in Wörsdorf im Taunus.

1854 – 1865 Ernst Bickel

Die Orts-Chronik berichtet von ihm, dass er aus Dornholzhausen stammte und in Breitscheid der letzte Pfarrer war, der Landwirtschaft betrieb und ein eigenes Kuhfuhrwerk hatte. Er ging von hier nach Schönbach; 1898 starb er als Pfarrer in Dörsdorf bei Nastätten.

1865 – 1873 Heinrich Wolff

Die Übertragung des Pfarramtes Breitscheid an den aus Rheinhessen stammenden Pfarrer ist in einer Archivakte vermerkt mit den Worten: „Seine Hoheit der Herzog haben die Pfarrei Breitscheid dem Pfarrer Wolff zu Ackerbach gnädigst zu übertragen geruht.“ Es ist auch angegeben, dass sich dabei sein Gehalt von jährlich 600 Gulden auf 982 Gulden erhöhte. Nach der Orts-Chronik war Pfarrer Wolff „ein ernster, frommer Mann“ und ausgezeichneter Prediger, der zu den damals entstehenden kirchlichen Gemeinschaften gute Beziehungen unterhielt. Von ihm sind hier die Missionsfeste eingeführt worden; das erste war 1866.(Kirchenchronik) – Später wurde er Pfarrer in Emmerichenhain

1873 – 1886 Oskar Hain

Der aus Schlesien stammende Pfarrer war nach dem Studium in Halle zunächst Lehrer an den Franckeschen Stiftungen und später Lehrer an einer Höheren Schule in Herborn. Nach seiner Vikarzeit in St. Goarshausen und in heringen bei Camberg kam er nach Breitscheid. Hier galt er als „liberal“ und war den kirchlichen Gemeinschaftskreisen in Breitscheid und Medenbach zu weltlich eingestellt. Trotz der ihm nachgerühmten Klugheit (Philippi: „Der gescheiteste Pfarrer“) war sein Verhalten zu den Gemeinschaftsleuten ungeschickt, wofür es im Pfarrarchiv Beweise gibt. In seiner Amtszeit kam es denn auch zu den ersten Kirchenaustritten. – Pfarrer Hain ging von hier nach Eppstein im Taunus, wo er auch gestorben ist. Er war unverheiratet.

1886 – 1897 Karl Dietrich Wilhelm Schmaltz

Aus der Vorbereitung für die Ingenieur-Laufbahn trat der in Wickede, Kreis Dortmund, geborene Sohn eines Schmieds zur Theologie über und studierte in Erlangen. Bevor er nach Breitscheid kam, war er Pfarrer in Altenkirchen bei Weilburg, wo sein einziges Kind starb. Er war ein ernster Mann, der es ablehnte, sich für die Geschenke bei seinem Einzug durch eine Geldspende zu bedanken, die nach alter Gewohnheit von den Dorfburschen vertrunken werden sollte. Dafür stiftete er der Kirchengemeinde eine Bibliothek mit 40 Büchern, die auf seine Veranlassung hin aus Mitteln der Gemeinde auf 80 Büchern erweitert wurde und bei den Dorfbewohnern großen Anklang fand. – Seine nächste Pfarrstelle war Nochern bei St. Goarshausen.

1897 – 1904 Fritz Philippi

Sein Heimatort war Wiesbaden. Nach dem Studium in Berlin, Tübingen
und Marburg und nach dem Vikardienst, zuletzt in der Gemeinde
St. Peter bei Diez, erhielt er als 28jähriger sein erstes
Pfarramt in Breitscheid. Hier begann er bald – neben dem Dienst
in drei Gemeinden – ein erfolgreiches Wirken als Dichter und Schriftsteller,
das er auch in seinen späteren Pfarrstellen St. Peter bei
Diez und Wiesbaden beibehielt. Durch seine Bücher ist Philippi
weit über die Grenzen des Nassauer Landes hinaus bekannt
geworden. Er starb 1933 als Dekan und Kirchenrat in Wiesbaden.
Zu Ehren des „Westerwalddichters“ wurde 1969 aus Anlass der 100.
Wiederkehr seines Geburtstages eine Straße in Breitscheid
nach ihm benannt. – Lebensbeschreibungen und Würdigungen
des dichterischen Schaffens brachten die "Nassauischen Lebensbilder",
Bd. 2, Wiesbaden, und das "Heimatjahrbuch für den Dillkreis",
Jhrg. 1969, Dillenburg.

1905 – 1911 Friedrich Wilhelm Klinker

Er war der erste Pfarrer, den die Gemeinde selbst wählte (im Jahr 1886 hatte sie von dem 1877 eingeführten Wahlrecht für jede zweite Stelle keinen Gebrauch gemacht). Der 1877 in Wersen (Westfalen) geborene Sohn eines Lehrers hatte in Erlangen, Halle und Greifswald studiert, war Vikar in Krombach bei Siegen, dann Hilfsprediger in Schwelm und in Lahde bei Minden. – Pfarrer Klinker ging von hier nach Schöller bei Elberfeld. Breitscheider Familien haben dorthin Verbindung mit ihm gehalten. Als großer Freund der Westerwaldlandschaft kam er in der Urlaubszeit noch einige Male hierher; im Sommer 1915 hat er auch auf dem hiesigen Missionsfest gepredigt.

1911 – 1922 Wilhelm Weyel

Der 1867 geborene Sohn eines Kaufmanns in Dillenburg studierte Theologie und PhiIologie in Marburg und Berlin. Nach dem Besuch das Prediger Seminars war er „Staatsvikar“ bei Professor Maurer in Herborn bis 1894; dann wurde er Pfarrer in Niedertiefenbach und im Jahre 1900 Pfarrer in Merzhausen.

In Breitscheid galt das besondere Bemühen Pfarrer Weyels der Gründung und Förderung kirchlicher Vereine und Sozialwerke: Frauenverein, Jungfrauenverein und Jünglingsverein, Diakonieverein und Schwesternstation, Sonntagsschule und Kindergarten. Einen Gemischten Chor leitete er selbst. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren hatte er einen schweren Dienst. Die von ihm hinterlassene umfangreiche Niederschrift über das damalige kirchliche und dörfliche Leben – ein wertvolles Zeitdokument – gibt darüber Auskunft.

Pfarrer Weyel, der (bis 1919) in Breitscheid der letzte Orts Schulinspektor war, meldete sich 1922 nach CIeeberg in Hessen. Aus Gesundheitsgründen wurde er 1926 vorzeitig inden Ruhestand versetzt und zog nach Herborn, wo er 1946 gestorben ist.

1922 – 1926 Wilhelm Gaul

In Waldgirmes, Kreis Biedenkopf, als Sohn eines Obersteigers 1896 geboren, studierte er mit zweijähriger Unterbrechung durch Kriegsdienst In Tübingen und Marburg und war nach der Seminarzeit ein Jahr Synodalvikar in Herborn. Im Mai 1922 wurde er einstimmig nach Breitscheid gewählt. Pfarrer Gaul führte hier die von seinem Vorgänger begonnene Jugend und Vereinsarbeit fort und veranstaltete außer den Missionsfesten auch Volksmissions , Gemeinschafts und Jünglingsfeste. Es war schwierig für ihn, die Gemeinden über die Inflationszeit zu bringen; trotzdem konnte schon 1925 das Gemeindehaus auf der Pfarrwiese gebaut werden. Da er das Westerwaldklima nicht vertrug, ging er 1926 nach Bicken. Als späterer Pfarrer und Dekan in Dillenburg versah er während des Krieges auch die verwaiste Pfarrstelle Breitscheid. 1960 ist er in Dillenburg gestorben.

1927 – 1933 Rudolf Bars

Im Jahre 1897 in Bad Ems geboren, nahm er (als Abiturient) am 1. Weltkrieg teil und konnte erst 1919 mit dem Studium beginnen zuerst Jura und Volkswirtschaft, dann Theologie in Marburg, Tübingen und Gießen mit Abschluss am Predigerseminar in Herborn. Nach zweijähriger Tätigkeit als Vikar bei einem Dekan in Diedenbergen und als Hilfsprediger in Frankfurt Rödelheim wurde er Pfarrer in Breitscheid.

Die Jahre 1927 – 1933 waren Zeiten größter Arbeitslosigkeit und Armut in Deutschland; auch in Breitscheid mussten viele Familienväter „stempeln gehen“. Deshalb wurde vom Pfarramt eine „Nothilfe“ ins Leben gerufen, die jahrelang aus der Gemeinde treue Unterstützung erfuhr. Ein wichtiges Anliegen des Pfarrers war es auch, zu den der Landeskirche nicht angehörenden christlichen Kreisen ein vertrauensvolles Verhältnis zu schaffen. Vor seinem Weggang an die Lutherkirche in Wiesbaden im Herbst 1933 schrieb er von sich und seiner Frau als Mitarbeiterin: „Besondere Freude hat uns die Chor- und Jugendarbeit gemacht“.

Pfarrer Bars wurde in Wiesbaden später Oberkirchenrat; bei Festlichkeiten hat er von dort aus noch in Breitscheid gepredigt. Er lebt jetzt im Ruhestand in Wiesbaden und Bad Ems und ist der älteste ehemalige Breitscheider Pfarrer, der an der Einweihung der neuen Kirche teilnehmen kann.

1933 – 1951 Rudolf Blöcher

Der 1961 in Sinn verstorbene Pfarrer und Dekan war 1907 in Frankfurt/Main geboren, hatte in Bethel, Erlangen und Tübingen studiert und war vor dem Eintritt ins Predigerseminar ein Jahr lang Inspektor des Schülerheims Nördlingen. Nach einjähriger Vikarzeit in Usingen und Dillenburg wurde er im Frühjahr 1933 ordiniert. In Wiesbaden-Biebrich war er anschließend noch einige Monate Vikar, dann wurde ihm die Verwaltung der Pfarrstelle Breitscheid übertragen.

In den folgenden Jahren kirchlicher Notzeit zog sich Pfarrverwalter Blöcher durch mutiges Auftreten für die Bekennende Kirche bei den Parteidienststellen und auch bei der „gleichgeschalteten“ Kirchenleitung mancherlei UnannehmIichkeiten zu, unter anderem die, dass er erst nach elf Jahren Wartezeit (mit vierjährigem Kriegsdienst) 1944 zum Pfarrer ernannt wurde. Diese Benachteiligung hat ihn jedoch in seiner Haltung nicht beeinflussen können.

Nach dem Krieg konnte Pfarrer Blöcher, dessen Frau im letzten Kriegsjahr unter großen Schwierigkeiten die Gemeindearbeit in Breitscheid aufrechterhalten hatte, die in der Vorkriegszeit vom NS Staat unterdrückte Jugendarbeit wieder aufnehmen und weiter ausbauen. Es gelang ihm auch, zu den freikirchlichen Gemeinschaften ein echtes Vertrauensverhältnis herzustellen, das in gemeinsamen Bibelstunden seinen Ausdruck fand. Im Frühjahr 1951 übernahm er die Leitung des Dekanats Herborn und im September desselben Jahres das Pfarramt Sinn.

1952 – 1955 Herrmann Strohmeier

Geboren 1920 in Frankfurt/Main; Studium in Gießen, Heidelberg und Bethel; Seminarbesuch in Herborn; Lehrvikar in Selzen bei Mainz; Vikar in Dillenburg: dies waren die Lebensstationen des Pfarrverwalters, der 1952 nach Breitscheid kam. Die Kirchen Gemeindevertretung hatte im Dezember 1951 bei der Kirchenleitung um seine Versetzung hierher angesucht, nachdem einige Mitglieder ihn in Donsbach im Gottesdienst kennengelernt hatten. Neben vielseitiger pfarramtlicher Tätigkeit war er „Bauherr“ des neuen Pfarrhauses in den Jahren 1952 und 1953 und konnte dieses als erster Bewohner in Gebrauch nehmen. 1955 wurde Pfarrer Strohmeier als Stadtjugendpfarrer nach Frankfurt a. M. berufen.

1955 – 1960 Helmut Neuschäfer

Der letzte in diesem Verzeichnis genannte Pfarrer, 1922 in Offenheim bei Alzey geboren, studierte in Mainz und war vor seiner Ernennung zum Pfarrverwalter in Breitscheid ein Jahr Vikar in Frankfurt Rödelheim. In seiner hiesigen Amtszeit begann der Übergang des dörflichen Lebens in das von Technik und Industrie geprägte Zeitalter, das auch der Kirche neue Aufgaben zuweist.

Wie sein Vorgänger, so wurde auch Pfarrer Neuschäfer hier vor Bau und Beschaffungsaufgaben gestellt. Der Kindergarten in Breitscheid erhielt eigene Räume durch einen Anbau an das kirchliche Gemeindehaus, zwei neue Glocken in Breitscheid und eine in Medenbach wurden angeschafft, und für den späteren Umbau der Filialkirche Medenbach waren die Vorarbeiten zu leisten.

Sind es auch nur fünf Dienstjahre in Breitscheid gewesen, so erinnert sich der jetzige Pfarrer an der Bergkirche in Wiesbaden doch gern an seine erste Stelle. Er schreibt: Meine Frau und ich erlebten viel Freude in den wöchentlichen Abenden der Frauenhilfe und des Männerkreises, wie wir überhaupt gerne der Treue und Anhänglichkeit der Gemeinde in Breitscheid, Medenbach und Rabenscheid gedenken.“

1960 – ? ??

….. – …..

Die Pfarrer seit 1960 mit Kurzbeschreibungen. Wer kann sich noch an sie erinnern?

? – ? Horst Martin Stancke

aus der Festschrift zur Neueinweihung der Pfarrkirche in 1970

Wie begann die Geschichte der Kirche in Breitscheid ? – mehr hier

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